Der 39-jährige Haie-Kapitän Moritz Müller, der seit 2003 durchgehend für den Verein spielt, hat noch nicht mitgeteilt, ob er seine Karriere fortsetzen oder beenden wird.
Abschied oder Verlängerung?Moritz Müller und die Frage nach dem Danach

Haie-Kapitän Moritz Müller nach dem Halbfinal-Aus der Kölner Haie gegen die Eisbären Berlin.
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Viele Kameras richteten sich am Montagabend auf Moritz Müller. Der Haie-Kapitän sah nach dem 1:4 in der Lanxess-Arena gegen die Eisbären Berlin ebenso geknickt aus wie seine Kölner Mannschaftskollegen, denn alle hatten sich mehr erhofft. In Müllers Fall hatte die Trauer aber eine besondere Facette. Womöglich war das Playoff-Halbfinalspiel, das zur 2:4-Serienniederlage der Haie gegen Berlin führte, nicht nur Müllers 1183. DEL-Partie für den KEC, sondern auch die letzte seiner langen Karriere im Profi-Eishockey.
Zu seinen Plänen wollte sich Müller nicht äußern, auch am Dienstag sagte er nichts dazu. Im Oktober hatte der Verteidiger, der im November 40 Jahre alt wird, im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ aber erklärt: „Ich hatte gesagt, dass es sehr wahrscheinlich mein letztes Jahr ist. Daran hat sich nichts geändert. Ich möchte es für mich aber nicht jetzt schon kategorisch ausschließen, ein Jahr dranzuhängen.“
Zukunft von Haie-Kapitän Moritz Müller noch nicht geklärt
Letztere Möglichkeit scheint noch im Raum zu stehen. Vermutlich wird Müller einmal nachdenken, mit Frau und Kindern alles besprechen – und sich dann mit den Haien zusammensetzen, um über die Zukunft zu verhandeln. Warum auch nicht? Müller musste sich in den Playoffs trotz seines Alters nicht verstecken, er trat kämpferisch auf und war ein Führungsspieler der Kölner mit ordentlichen statistischen Werten.
Vonseiten der Haie war zu der Personalie bislang wenig zu hören. Während man Müller im vergangenen Sommer expressis verbis zugesichert hatte, er könne selbst entscheiden, ob er weiterspielen wolle oder nicht, hieß es diesmal, man werde zu gegebener Zeit alles bereden. Es ist davon auszugehen, dass der neue Haie-Trainer, Kari Jalonens schwedischer Nachfolger Thomas Berglund, dazu befragt werden wird, wie er sich die Defensive seiner künftigen Mannschaft vorstellt.
Einfach abservieren werden sie Müller sicher nicht, denn er hat seit der Saison 2003/04 durchgehend für den KEC gespielt, also 23 Jahre lang. Sein Debüt bei den Haie-Profis gab er am 18. Dezember 2003 in einem Heimderby gegen die Düsseldorfer EG, Trainer war Hans Zach, Müller noch als Stürmer im Einsatz. Im Jahr zuvor hatte der KEC seine letzte von acht deutschen Meisterschaften gefeiert. Müller wechselte nie den Verein, erreichte mit dem KEC viermal das Finale um die deutsche Meisterschaft und erlebte drei Niederlagen gegen Berlin (2008, 2013, 2025) sowie eine gegen den ERC Ingolstadt (2014). Es war sein größter Wunsch, seine Karriere mit einem Titelgewinn der Haie zu beenden – was ihm jedoch wahrscheinlich verwehrt bleiben wird.
Die Nachrichtenagenturen nennen ihn bereits „den Unvollendeten“. Schaut man aber nicht nur auf Titel, so war Müllers Karriere dennoch sehr erfüllt. Als Arbeiter und Kämpfer etablierte er sich über die Jahre nicht nur als Haie-Stammspieler, sondern auch als feste Kraft der Nationalmannschaft, deren Kapitän er in den letzten Jahren war.
Mirko Lüdemann mit 1199 DEL-Partien Rekordspieler der Haie
Zudem war er an den größten Erfolgen der DEB-Auswahl beteiligt, der olympischen Finalteilnahme von Pyeongchang 2018 und dem WM-Silber von 2023 in Tampere. Bei den Winterspielen in Mailand im Februar bekam Müller zunächst kaum Eiszeit, da Bundestrainer Harold Kreis Profis aus Nordamerika bevorzugte. Später im Turnier, bei dem das DEB-Team im Viertelfinale gegen die Slowakei verlor, spielte Müller mehr und war neben Moritz Seider der stabilste deutsche Defensivmann.
Ob Müller in die aktuelle Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft für die WM in der Schweiz einsteigen und an dem Turnier teilnehmen wird, scheint ebenfalls noch nicht entschieden zu sein. Müller äußerte sich dazu bis Dienstag jedenfalls nicht. Klar ist aber: Falls es sein Ziel sein sollte, zum Rekordspieler der Haie zu avancieren, müsste er weitermachen, zumindest ein bisschen. Rekordhalter Mirko Lüdemann, von 1993 bis 2016 für die Haie aktiv, brachte es auf 1199 DEL-Begegnungen für den KEC. Müller fehlen 16 Spiele, um mit dem ehemaligen Mitspieler gleichzuziehen.
