Nach 104 Minuten war der Sieg gegen Schwenningen perfekt. Nun beginnt das Warten auf den Halbfinal-Gegner.
Kölner HaieTaktische Disziplin und ein Tor des Willens bringen den Erfolg

Kölner Jubel nach dem Sieg in der ausverkauften Laxness-Arena
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Am Mittwoch bekamen die Haie-Profis trainingsfrei, verdientermaßen. Denn am Abend zuvor hatten sie auf dem Eis der ausverkauften Lanxess-Arena unermüdlich geschuftet. Bis in eine dritte Verlängerung, in der Jan Luca Sennhenn das Siegtor nach 103 Minuten und 37 Sekunden erzielte – womit die Haie Schwenningen im Playoff-Viertelfinale mit 4:0 Spielen aus dem Wettbewerb fegten.
Was nun von außen wie eine klare Angelegenheit wirken mag – der Tabellenführer der Hauptrunde macht mit dem Neunten kurzen Prozess –, war für den KEC in Wahrheit eine Aufgabe, die Disziplin und systemtreues Spiel erforderte, da die Wild Wings alles gaben, was sie hatten. Zudem wurden Erinnerungen an ein Playoff-Drama von 2008 wach. Damals brauchten die Haie in einem Halbfinalspiel in der Lanxess-Arena 168 Minuten und 16 Sekunden, bis der Siegtreffer fiel – bis heute das längste DEL-Playoff-Spiel.
Der aktuelle Haie-Kapitän Moritz Müller (39) war damals dabei. Genauso wie der langjährige Haie-Verteidiger Torsten Ankert (37), der seine Karriere im vergangenen Sommer beendet hat und seit Beginn der Saison für die Haie arbeitet – als Schnittstelle zwischen Nachwuchs und Profis sowie als Assistent von Sportdirektor Matthias Baldys.
Natürlich war Ankert am Dienstag in der Arena, und auch bei ihm wurden Erinnerungen an 2008 wach. „In der ersten Overtime denkt man noch nicht daran. Aber wenn es in die dritte Verlängerung geht, kommen solche Erinnerungen wieder hoch. Dann wird das Spiel ein ganz anderes", sagt er. Und: „Es geht darum, Fehler zu vermeiden. Da geht keiner mehr ein großes Risiko. Man entscheidet sich eher für die sichere Lösung. Den Puck lieber tief spielen und das Spiel einfach halten.“
Nächster starker Auftritt von Janne Juvonen
Genau das taten die Haie – und wie üblich konnten sie sich auf ihren finnischen Goalie Janne Juvonen verlassen, dessen Playoff-Statistik phänomenale Werte aufweist: ein Gegentorschnitt von 1,058, eine Fangquote von 94,45 Prozent und ein Shutout. Auch Schwenningens Torhüter, der Schwede Joacim Eriksson, zeigte eine starke Leistung, doch Juvonen war noch besser.
„Er ist ein ganz ruhiger Typ. Das gibt der Mannschaft Sicherheit. Es ist ein gutes Gefühl, so jemanden im Tor zu haben“, meint Ankert, der zudem die taktische Disziplin der Mannschaft von Trainer Kari Jalonen hervorhebt. „Die Jungs sind in jedem Spiel geduldig geblieben und nicht von ihrem System abgewichen. Es ist nicht selbstverständlich, über vier Spiele so ruhig zu bleiben. Die Defensive ist nicht verhandelbar. Alle stellen sich in den Dienst der Mannschaft, alle blocken Schüsse. Das ist schon beeindruckend zu sehen.“
Auch gefiel Ankert, wie Sennhenns Treffer herausgespielt wurde. „Das war ein Tor des Willens. Da haben viele Sachen ineinandergegriffen“, meint er. „Die Jungs haben erst mal den Puck gut gesichert und hart gearbeitet, um Jan Luca in Position zu bringen. Dominik Uher stand perfekt vor dem Tor und hat dem Torwart die Sicht genommen.“

Torsten Ankert, hier im Trikot der Iserlohn Roosters
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Die Viertelfinalserie des KEC ist nun als einzige beendet, mit wem es die Haie ab dem 8. April im Halbfinale zu tun bekommen, offen. Es deutet sich jedoch ein Duell mit Titelverteidiger Eisbären Berlin an. Dafür müssten sich die Berliner gegen Straubing durchsetzen und Mannheim gleichzeitig Bremerhaven besiegen – beides könnte schon am Donnerstag geschehen. Wie es sich in den Playoffs gehört, legen sich die Haie jedoch nicht auf einen Wunschgegner fest.
Ankert erklärt die Sichtweise der Spieler: „Wer der nächste Gegner wird, ist erst einmal egal. Wichtig ist, dass die Haie ihr Spiel durchziehen. Man geht die Dinge, die man kontrollieren kann, Tag für Tag an. Das hört sich vielleicht wie eine Floskel an, aber es ist wirklich so. Man schaut nicht zu weit voraus.“
Halbfinal-Serie startet für den KEC mit einem Auswärtsspiel
Die Haie starten auch ins Halbfinale mit einem Auswärtsspiel, da das mit der Lanxess-Arena vorab so abgestimmt wurde. Die beiden garantierten Heimspiele der Serie „Best of 7“ finden am 10. und 15. April jeweils um 19.30 Uhr in der Deutzer Halle statt. Der freie Vorverkauf, online und im Fanshop an der Gummersbacher Straße, beginnt am Donnerstag um 10 Uhr. Es ist zu erwarten, dass die Spiele ähnlich schnell ausverkauft sein werden wie vorher die Viertelfinalpartien.
Dass auch diese Begegnungen länger als geplant dauern könnten, ist nicht ausgeschlossen. In den DEL-Playoffs wird bei Gleichstand nach 60 Minuten stets in ganzen Dritteln verlängert – so lange, bis ein Tor fällt. Penaltyschießen gibt es nicht. Ankert mag diese Regelung: „Ich finde es gut, dass es in den Playoffs mit fünf gegen fünf bis zum Ende ausgespielt wird. Die bessere Mannschaft setzt sich am Ende durch. Penaltyschießen ist immer Glückssache.“
