Kölner NHL-StarDraisaitl mit Klubrekord: „Leon wird jedes Jahr noch stärker“

Leon Draisaitl jubelt nach seinem Treffer zum Sieg gegen die New York Rangers.
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Köln – Die Verlängerung läuft, 5:5 steht es zwischen den Edmonton Oilers und den New York Rangers am vergangenen Samstag in der Rogers Arena der Kanadier. Das nächste Tor entscheidet, nur die Besten ihrer Teams stehen auf dem Eis, und es ist der zurzeit wohl beste von allen, der nach einem brillanten Pass von Darnell Nurse das Match entscheidet. Leon Draisaitl (26) steht frei vor dem russischen Rangers-Torhüter Alexander Georgiew, und lässt den Puck an ihm vorbei ins Netz zischen - zum zehnten Overtime-Treffer seiner Karriere. Klubrekord.

Nimmt Maß: Leon Draisaitl bei seinem Overtime-Siegtreffer gegen die New York Rangers.
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Das hat Folgen: Sieg für die Oilers, Spot auf Draisaitl, der zur Feier-Säge ansetzt und übers Eis rutscht – begleitet vom Jubel seines Teams und der vielen Menschen in der Arena. Während Georgiew genug hat und sein Tor sprintend verlässt, ohne sich auch nur einmal umzuschauen. Er wird gedacht haben: Der Draisaitl wieder, was willst du da auch machen?
Draisaitl: Noch effektiver und noch gnadenloser
Zurzeit spielt Draisaitl, von dem die Beobachter glaubten, er habe in der vorvergangenen Saison bereits unerreicht gespielt, sogar noch effektiver und gnadenloser. Dabei wurde der gebürtige Kölner 2020 bereits zum wertvollsten Spieler der NHL gekürt, das ist als individuelle Auszeichnung der Olymp seiner Sportart.
Doch so wie die Dinge derzeit stehen, so wie Draisaitl trifft und assistiert, hat er noch mal einen Sprung nach vorn getan. Nach zehn Spielen führen die Oilers mit neun Siegen und einer Niederlage die Tabelle der Pacific Divison an, und es ist Draisaitl, der derzeit mit 23 Punkten die Scorerwertung der besten Liga der Welt anführt – zehn Tore und 13 Assists hat er geliefert. Dass Kanadas neuer Eishockey-Held Connor McDavid auf Rang zwei folgt, bester Spieler 2021, mit acht Toren und 14 Assists, spricht für die Serie der Oilers. Denn McDavid ist der Kapitän von Draisaitls Team.
Die Leistungen der jüngeren Vergangenheit bleiben in der statistikaffinen NHL natürlich nicht unerkannt, und so wurde Draisaitl am Dienstag bereits zum dritten Mal in der noch jungen neuen NHL-Saison als Spieler der Woche ausgezeichnet. Die Tendenz also steht: Dieser ohnehin schon großartige Mittelstürmer spielt jetzt mit noch mehr Übersicht und Abschlussqualität.
Vorteil Draisaitl: Innere Balance und Gabe der Zurückhaltung
Wer Leon Draisaitl begegnet, trifft auf einen in sich ruhenden jungen Mann, der es nicht mag, mit Worten auf sich aufmerksam zu machen. Diese innere Balance und die Gabe der Zurückhaltung ist ein Vorteil auf dem Eis, denn er spielt unaufgeregt und so, als existiere kein Druck. Dabei ist gerade Edmonton ein NHL-Standort, der für die große Sehnsucht steht. Es ist die Stadt, in der Wayne Gretzky spielte und siegte, Kanadas Eisheiliger, dort verehrt wie im Fußball Pelé, Maradona, Messi und Ronaldo zusammen. 1984, 1985, 1987 und 1988 gewannen die Oilers, dirigiert von Gretzky, den Stanley-Cup, die wichtigste Trophäe des Klub-Eishockeys. 1988 verließ der große Gretzky die Stadt, 1990 legten die Oilers ohne ihn noch einmal nach – doch seitdem lief außer einem wertlosen Conference-Titel 2006 nicht mehr viel zusammen.
Nun aber, mit einem neu strukturierten und stark verbesserten Kader, mit der Versetzung von Draisaitl und McDavid in verschiedene Sturmreihen, läuft es plötzlich bestens. Die Top-Stars aus Köln und Kanada funktionieren, und mit ihnen auch das Team. Draisaitl hat dazu durch intensive Lust auf Verbesserung beigetragen. In dieser Hinsicht ähnelt er dem deutschen Basketball-Helden Dirk Nowitzki, der nach der Saison akribisch mit seinem Mentor Holger Gschwindner in einer fränkischen Halle an sich arbeitete. Auch Draisaitl trainiert in der Off-Season weiter, sein einst akutes Schnelligkeitsdefizit hat er auf diese Weise bereits aufgearbeitet. Selbst beim sommerlichen Heimaturlaub in Köln, wenn er seinen Vater Peter Draisaitl besucht, den einstigen Center und Trainer der Kölner Haie und 146-maligen Nationalspieler, verbringt er viel Zeit trainierend in Kölner Eishallen.
Gretzky: „Leon wird jedes Jahr noch stärker“
Das alles hat auch Gretzky registriert: „Leon wird jedes Jahr noch stärker. Talent haben viele. Aber Leon kombiniert Talent mit der richtigen Einstellung. Er hat das nötige Arbeitsethos.“ Die Begabung mag helfen, aber, sagt Gretzky: „Er ist nur so gut, weil er jeden Tag hart dafür schuftet.“Draisaitl selbst ruht weiter in sich, er freut sich einstweilen über die Phasen des Gelingens: „Ich glaube, dass wir nun den tiefsten Kader haben, seit ich hier bin.“ Das ist er bereits seit 2015 – aber noch nie passte alles so gut zusammen wie im Herbst 2021: Dass nicht nur Draisaitl und McDavid glänzen, sondern gleich das ganze Oilers-Team.
