Am Samstag empfängt der Drittligist den SV Wehen Wiesbaden in Höhenberg.
45-Zähler-Marke im BlickViktoria Köln fehlt noch ein Punkt zum Minimalziel

Tobias Eisenhuth (r.) lässt sich nach seinem Tor in Ingolstadt feiern.
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Marian Wilhelm hatte es die Sprache verschlagen. Allerdings nicht aufgrund irgendwelcher Vorkommnisse rund um die beiden jüngsten Auswärtssiege seines FC Viktoria Köln, dem 3:2 bei Hansa Rostock und dem 2:1 beim FC Ingolstadt. Sondern sprichwörtlich. Der Höhenberger Trainer hatte mit einem hartnäckigen Infekt zu kämpfen, der ihm zeitweise die Stimme nahm. Wilhelm verpasste einige Einheiten und reiste zuletzt, um Ansteckungen zu vermeiden, getrennt von der Mannschaft. Die Heiserkeit habe ihm das Coaching erheblich erschwert. „Du erreichst keinen mehr“, so Wilhelm. Von den Ergebnissen hatte der geringere Einfluss des Coaches allerdings keinen negativen Einfluss – immerhin steht die Viktoria nach sechs Punkten und knapp 2200 Reisekilometern binnen weniger Tage bei 44 Zählern. Zum Minimalziel von 45 fehlt nicht mehr viel. „Die beiden Siege haben gutgetan“, sagte Wilhelm mit Blick auf seine Genesung. Inzwischen ist die Stimme zurückgekehrt.
Sieg in Rostock vor 26.000 Fans
In Rostock hatte die Viktoria mit beeindruckender Effizienz geglänzt. Mit den ersten drei guten Gelegenheiten gelangen drei Tore. Erst in der Schlussphase wurde die Defensive löchriger, doch die Kölner retteten die knappe Führung ins Ziel. „Nach den vier Niederlagen zuvor und dem Druck von außen haben die Jungs vor 26.000 Zuschauern die perfekte Antwort gegeben“, lobte Wilhelm. In Ingolstadt sahen nur etwa 3600 Besucher den nächsten Viktoria-Sieg. Auch der Spielverlauf war ein anderer. Die Gäste kamen durch zwei Traumtore von Tobias Eisenhuth (16.) und David Otto (26.) auf die Siegerstraße. Nach dem Anschluss durch Yann Sturm (56.) musste die Viktoria in der Schlussphase erneut bangen – doch erneut behielt die Defensive die Übersicht.
„Die Tore waren außergewöhnlich“, lobte Wilhelm. Eisenhuth hatte einen zu kurz abgewehrten Ball per Flachschuss aus über 20 Metern ins rechte Eck gedonnert. Otto setzte sich wenig später auf der linken Seite gegen zwei Verteidiger durch und visierte erfolgreich das kurze Eck an. „Darüber hinaus hatten wir nicht viele klare Chancen. Und du wünschst dir in der Schlussphase mehr Klarheit und Ballsicherheit, dass es nicht mehr so spannend wird“, sagte Wilhelm. „Aber letztlich haben wir es reif und abgezockt verteidigt.“ Es habe in der Saison bereits viele dominante und fußballerisch gute Auftritte seiner Mannschaft gegeben, die nicht mit Punkten belohnt wurden. „Du muss aber nicht immer das ganze Spiel beherrschen, um es zu gewinnen. Das ist wichtig für den Entwicklungsprozess einer jungen Mannschaft“, meinte Wilhelm.
Ein Punkt bis zum Ziel, 15 Punkte bis zum Rekord
Am Samstag kann die Viktoria im Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden (14 Uhr, Sportpark Höhenberg) die 45-Punkte-Marke knacken – um sich anschließend neue Ziele zu setzen. Die Rekordsaison 2024/25 hatten die Kölner mit 59 Zählern beendet. Doch so weit möchte Wilhelm noch nicht blicken. „Erst einmal sollen die 45 fallen, dann sehen wir weiter. Das heißt aber nicht, dass wir mit einem Unentschieden gegen Wiesbaden zufrieden wären. Es soll ein Sieg her, das ist unser Anspruch“, erklärte der Coach.
Nach ihren abgesessenen Gelbsperren werden Tim Kloss und Leonhard Münst wieder zur Verfügung stehen und voraussichtlich in die Startelf rutschen. Eisenhuth, der Traumtor-Schütze von Ingolstadt, muss nach seiner fünften Verwarnung hingegen aussetzen. In Florian Engelhardt fehlt ein weiterer Sechser, der 22-Jährige hat einen Muskelfaserriss erlitten. Trainer Wilhelm erwartet einen defensiv kompakten und physisch starken Gegner. „In der Regel lassen sie nur wenige Torchancen zu“, so der 37-Jährige, die vergangenen beiden Partien seien Ausnahmen gewesen. Allerdings beachtliche: Bei Alemannia Aachen gab es ein 0:3 und im Heimspiel gegen den Fast-Absteiger TSV Havelse ein 1:4. „Wir haben viele Kilometer in den Beinen“, sagte Wilhelm, „ich hoffe, dass wir mehr Körner haben als sie.“
