Eine ungewöhnliche Konfrontation prägt das in London stattfindende, geschichtsträchtige Boat Race: Zwei aus Köln stammende Schwestern treten im Ruderboot gegeneinander an.
Historisches FamilienduellKölner Schwestern schreiben Sport-Geschichte

Die Schwestern Lilli und Mia Freischem (v.l.n.r.) aus Köln vor dem historischen Boat Race zwischen Oxford und Cambridge auf der Themse.
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Der Fokus der Ruderszene liegt am Karsamstag auf der Themse in London. Eine spezielle Begegnung findet im Rahmen des bekannten Boat Race statt.
Die Geschwister Lilli und Mia Freischem, die gebürtig aus Köln sind, konkurrieren ab 14.21 Uhr miteinander. Lilli, 26 Jahre alt, sitzt für die Universität Oxford im dunkelblauen Achter. Ihre Schwester Mia, 24, rudert für die Mannschaft aus Cambridge im hellblauen Boot.
Lilli und Mia Freischem: Eine für Oxford, eine für Cambridge
Der Wettstreit zwischen den beiden Elite-Hochschulen blickt auf eine lange Historie zurück, die im Jahr 1829 mit dem ersten Männer-Rennen begann. Studentinnen dürfen seit 1927 an dem Wettstreit teilnehmen. Laut den Annalen ist es erst ein einziges Mal passiert, dass sich zwei Schwestern auf der Strecke gegenüberstanden.
Die Freischem-Geschwister sind aber die ersten, die auf dem angesehenen Hauptkurs zwischen Putney Bridge und Mortlake gegeneinander rudern. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.
Die tägliche Routine der Sportlerinnen ist strikt organisiert und verlangt viel Selbstbeherrschung. In Cambridge startet der Tag für Mia Freischem mit der Zugfahrt um 5.52 Uhr, die sie zum Training an den Great Ouse bringt. Rechtzeitig zum Start der Vorlesungen um neun Uhr kehren die Sportlerinnen wieder zurück.
In Oxford nutzt Lilli Freischem um dieselbe Zeit einen Minibus, um zum Bootshaus in Wallingford zu gelangen, das ungefähr zwanzig Minuten Fahrzeit entfernt liegt. Nach Abschluss der universitären Termine folgt jeden Tag um 17.30 Uhr eine weitere Trainingseinheit.
Zwei Spätstarterinnen aus Köln
Erstaunlicherweise haben die beiden Geschwister erst vor fünf Jahren mit dem Rudern angefangen; sie belegten während der Pandemie einen Kurs für Anfänger. Es ist ein anspruchsvoller Prozess, in die Elite-Achter, auch Blue Boats genannt, zu kommen. Zu Beginn des akademischen Jahres bewerben sich etwa achtzig Frauen, von denen häufig nicht einmal die Hälfte die nächste Auswahlrunde erreicht.
Bevor Lilli Freischem im vergangenen Jahr der Aufstieg in die erste Mannschaft gelang, war sie schon zweimal Teil des Reservebootes. Unter ihren Mannschaftskameradinnen finden sich zum Teil Weltmeisterinnen sowie Gewinnerinnen von Olympia-Medaillen.
Der Wettkampf an sich gilt als sehr fordernd und wird über eine Distanz von 6,8 Kilometern ausgetragen. Im Gegensatz zu normalen Regatten existieren keine separierten Spuren, was taktische Züge in den Flussbiegungen erlaubt. Die Umstände wie Wind, Wetterlage und die Strömung durch die Gezeiten sind nicht vorhersehbar.
Es ist in früheren Jahren bereits passiert, dass Ruder sich verkeilten oder die Boote sogar untergingen. Bei den Damen ist Cambridge seit mehreren Jahren unbesiegt und liegt in der Gesamtbilanz mit 49 zu 30 Erfolgen vorn.
Die Konkurrenz auf dem Fluss beeinträchtigt die starke familiäre Bindung nicht. Am Themseufer werden die Eltern anwesend sein, um ihre beiden Töchter zu unterstützen. Zu diesem Zweck schnitten die Geschwister die T-Shirts ihrer Vereine durch und nähten die Teile zu neuen, zweifarbigen Shirts zusammen.
„Sobald wir am Start stehen, denkt man nur noch an das Rennen“, erläutert Mia Freischem. Ganz gleich, wie das Rennen endet, betrachten sie das Event als eine gemeinschaftliche Erfahrung, denn: „Eine von uns beiden wird ohnehin gewinnen.“ (red)
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