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Drei WM-Medaillen in AachenWarum die Kölner Voltigierer so erfolgreich sind

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Deutsche Meisterschaften Voltigieren 2023 Deutsche Meister 2023 im Gruppen Voltigieren wurde das TEAM NORKA AUTOMATION DES VV KÖLN-DÜNNWALD vom Landesverband Rheinland, mit Gianna Ronca, Philip Goroncy, Larina Herpertz, Mona Mertens, Hannah Steverding und Bela Lehnen. Voltigierpferd Calidor und Longenführerin Ines Nawroth., Verden Aller Niedersachsen Deutschland *** German Championships Vaulting 2023 German Champion 2023 in group vaulting became the TEAM NORKA AUTOMATION OF VV KÖLN DÜNNWALD from the regional association Rhineland, with Gianna Ronca, Philip Goroncy, Larina Herpertz, Mona Mertens, Hannah Steverding and Bela Lehnen vaulting horse Calidor and lunge leader Ines Nawroth , Verden Aller Lower Saxony Germany

Wieder erfolgreich: Das Team Norka aus Dünnwald, hier im Jahr 2023

Der Voltigierverein in Dünnwald ist über die Jahre zu einer deutschen Anlaufstelle für ambitionierte Pferdeturner geworden.

An der Bilanz gibt es nichts zu mäkeln. Drei WM-Medaillen – Gold im Gruppenwettbewerb für das Team Norka, ein weiterer Titel mit der deutschen Auswahl im Nationenpreis sowie Bronze im Einzel für Bela Lehnen – brachten die Voltigierer aus Dünnwald von der Weltmeisterschaft in Aachen mit. „Das ist wirklich fantastisch“, meint Patric Looser, der Vorsitzende des Voltigiervereins Köln-Dünnwald e.V., der 2010 für die Schweiz Einzelweltmeister war. „Alle haben auf den Punkt eine perfekte Leistung gebracht – und das trotz der großen Anspannung.“ Es war der vierte WM-Titel für die Kölner Gruppe – nach 2018, 2022 und 2024.

Gold vor Frankreich und Italien

Gut 6000 Zuschauer waren am Sonntag im zweitgrößten Aachener Reitstadion dabei, als Deutschland den Nationenpreis gewann – zu dem das Team Norka mit Yara Jolie Scheel, Philipp Goroncy, Larina Herpertz, Fabio Ring, Bela Lehnen und Gianna Ronca seinen Teil beitrug. Die Kölner zeigten eine makellose Kür, die mit 9,233 Punkten bewertet wurde und in der Artistik einmal sogar die Höchstnote zehn erhielt. Gemeinsam mit den Ergebnissen der beiden Einzelstarterinnen kam Deutschland auf 9,103 Punkte. Rang zwei ging an Frankreich (8,996) vor Italien (8,771). Nicht nur das Können der Kölner Athleten, auch das Pferd, das im Voltigieren 25 Prozent zur Wertung beiträgt, machte den Unterschied aus.

Der elfjährige Westfalen-Wallach Ecuador, auf dem die Kölner turnten, galoppierte ruhig und harmonisch, Longenführerin Alexandra Knauf musste ihn nur sanft anleiten. Das Pferd der französischen Konkurrenten wirkte hingegen nicht ganz so gelassen wie der brave Ecuador, den sie Ecki nennen. „Wir sind sehr froh, dass wir ihn gefunden und ausgebildet haben“, meint Looser. „Er ist meiner Meinung nach das weltbeste Gruppenpferd.“

Sie ließen ihm Zeit. Als Fünfjährigen kauften sie ihn auf Anraten von Knauf und Bundestrainer Kai Vorberg für circa 25.000 Euro bei einem Züchter in der Nähe von Warendorf und bildeten ihn in Dünnwald über die Jahre zum Voltigierpferd aus. Beim WM-Erfolg 2024 in Bern absolvierte er sein erstes internationales Championat. Seitdem schwören sie auf ihn.

Neugründung in Dünnwald nach einer Insolvenz

Looser (42), der aus dem Schweizer Kanton St. Gallen stammt, zog es seinerseits vor etwa 20 Jahren zum Training nach Köln – in der Zeit, als der Kölner Vorberg aktiv war und 2006 bei der ersten Reit-WM in Aachen Weltmeister im Einzel wurde. Der Vorgängerverein in Dünnwald, bei dem Vorberg groß geworden war, hatte damals neben der Voltigier- auch eine Jugend-Reitabteilung.

Nach einer Insolvenz im Jahr 2012 gründete Looser ein Jahr später den reinen Voltigierverein Köln-Dünnwald e.V. neu. Sich zu spezialisieren, scheint eine gute Idee gewesen zu sein. 200 Mitglieder hat der Verein. Neben 160 Voltigierern gehören 16 Pferde zum Dünnwalder Betrieb. Bis 2022 war Looser selbst als Trainer im Einsatz und dirigierte als Longenführer das Team Norka unter anderem bei den EM- und WM-Titelgewinnen 2017, 2018 und 2022. Doch dafür fehlt ihm inzwischen die Zeit. Denn Looser ist auch Geschäftsführer eines Unternehmens für Industrieanlagen mit 80 Mitarbeitern.

Voltigieren ist fast ausschließlich Amateursport; die in Köln aktiven Sportler sind meist Schüler oder Studenten. Bela Lehnen ist Sportsoldat. Somit muss viel improvisiert werden, zeitlich und finanziell. Einige der erfolgreichen Athleten geben Online-Seminare im Voltigieren, um etwas dazuzuverdienen. Immerhin hat die Mannschaft seit 2016 den Namenssponsor Norka, ein Lichttechnikunternehmen, dessen Unterstützung hilft, die Reisekosten zu den Turnieren zu bestreiten.

Der Dünnwalder Verein ist längst eine Anlaufstelle für ambitionierte Voltigierer aus dem ganzen Land. „Wir haben eine lange Warteliste für Neuaufnahmen“, berichtet Looser. Das Eintrittsalter der Kinder liegt bei ungefähr sechs Jahren. Meist leiten erfahrene Sportler aus höheren Jahrgängen das Training, sodass das Know-how intern direkt weitergegeben wird.

Falls sich nach Aachen nun einige der Top-Athleten zurückziehen sollten, gäbe es Nachwuchs, um etwaige Lücken zu füllen. Kurz vor der WM gewann eine Kölner Mannschaft bei der Junioren-Europameisterschaft in Le Mans ebenfalls Gold. In Dünnwald haben sie in den vergangenen Jahren ohnehin mehrfach bewiesen, dass sie Übergänge gut hinbekommen können.