Der Drittligist kassiert gegen Bayer 04 ein 0:6. Der Coach der Südstädter ist sauer, spricht hinterher von einem „Lerneffekt“.
Fortunas Test-Klatsche gegen LeverkusenNach dem sechsten Gegentor platzt Mink der Kragen

Robert Andrich (r.) im Duell mit Jannik Mause
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Ein bisschen mehr Gegenwehr hätte es dann schon sein dürfen. Als sich seine Drittliga-Fußballer vom SC Fortuna Köln nach einer knappen Stunde gegen Bayer 04 Leverkusen die Gegentreffer fünf und sechs eingefangen hatten, platzte Matthias Mink der Kragen. „Ihr müsst schon richtig verteidigen“, brüllte der 59-jährige Gästetrainer seine Profis von der Seitenlinie an. Im Schatten der Bay-Arena, auf Trainingsplatz 1, musste der badische Defensivverfechter, der zwischen 2011 und 2014 selbst Leverkusens U23 in der Regionalliga West gecoacht hatte, eklatante Lücken erkennen und ein halbes Dutzend Gegentreffer hinnehmen. „Das war ein Testspiel gegen einen sehr guten Bundesligisten“, sagte Mink nach der 0:6 (0:4)-Niederlage und hob den „Lerneffekt“ und die „Erfahrung“ unter dem Bayer-Kreuz hervor.
Startelf-Debüts für Jannik Mause und Cedric Harenbrock
Natürlich hatte sein Kollege Charles Martinez mitten in der Länderspielpause trotz der Abstellung von neun Nationalspielern eine Mannschaft auf den Rasen geschickt, die höchsten internationalen Ansprüchen genügt. Der individuellen Qualität der gegnerischen Torschützen mussten die Gäste aus der Kölner Südstadt Tribut zollen: Martin Terrier (9. und 58.), Patrik Schick (21. und 59.), Nathan Tella (23.) und Miguel Gutierrez (38.). Dazu kam die klare gruppen- und mannschaftstaktische Überlegenheit des Europa-League-Teilnehmers. Dass seine Mannschaft sieben Tage nach dem 3:1-Sieg beim TSV Havelse nicht annähernd an das Niveau der Gastgeber herankam, hatte Mink mit seiner veränderten Startaufstellung in Kauf genommen.

Fortuna-Coach Matthias Mink (links) beobachtet sein Gegenüber Carles Martinez (rechts) und Moussa Diaby
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Dem Kölner Coach ging es bei den Startelf-Debüts von Jannik Mause und Cedric Harenbrock um deren verbesserten körperlichen Zustand. Als Doppelspitze rieben sich die Last-Minute-Zugänge aus Kaiserslautern und Rostock ohne großen Erfolg gegen Leverkusens Verteidiger Loic Badé und Tim Oermann auf. „Der Fitnesszustand dieser Spieler ist gut“, sagte Mink und verwies auf seinen besonderen Fokus. „Aber wir müssen sorgsam mit ihnen umgehen. Sie hatten zuletzt keinen Spielrhythmus und auch in der kompletten letzten Saison nicht.“ Ohne echte Highlights wurde Harenbrock zur Pause für Adrian Stanilewicz ausgewechselt, Havelse-Matchwinner Mause hielt eine gute Stunde durch, ehe ihn Hamadi Al Ghaddioui ersetzte.
Der Fortuna-Coach experimentierte auch auf anderen Positionen: im Mittelfeld mit Rafael Garcia und Jonas Michelbrink (beide bis zur 61. Minute) und im Tor mit Ben Zich, der in der zweiten Halbzeit für Lennart Winkler kam. Über den sichtbar werdenden doppelten Klassenunterschied musste er sich nicht wundern. „Vor allem in den Aktionen mit Ball hat man die unglaubliche Qualität der Leverkusener gesehen“, schilderte Robin Afamefuna seine Eindrücke vom Testspiel. Der Kapitän war im Havelse-Spiel erstmals aus der Stammelf rotiert, verteidigte nun aber wieder links außen in der Viererkette neben David Haider Al-Azzawe, Seymour Fünger und Florian Heister. Er verwies auf die Möglichkeiten, nach Ballgewinn selbst Lösungen nach vorne zu finden. „In den wenigen Situationen haben wir den Ball aber auch schnell wieder hergegeben. Vielleicht, weil wir davor viel gegen den Ball arbeiten mussten“, fasste Afamefuna das Fortuna-Problem am Freitagmittag zusammen.
Dennoch hatte Matthias Minks wütende Forderung nach „richtigem Verteidigen“ gefruchtet. In der letzten halben Stunde ließen seine Kölner keinen weiteren Gegentreffer zu und können sich nun auf die nächsten intensiven Wochen vorbereiten.
Im Mittelrheinpokal wartet ein Bezirksligist
Bereits am Dienstag (20 Uhr) ist der Drittliga-Aufsteiger in der zweiten Mittelrheinpokalrunde gegen den Dürener Bezirksligisten SC Kreuzau gefordert. Danach möchte der Drittliga-Aufsteiger seine gute Position als Tabellenzwölfter in den Punktspiel-Krachern gegen Saarbrücken (10. Oktober) und bei RW Essen (13. Oktober) festigen. Der Leverkusen-Test hat Matthias Minks Situation dabei zumindest personell noch einmal verbessert. „Wir sind sehr, sehr zufrieden, dass wir wenige verletzte und angeschlagene Spieler haben“, betonte der Trainer nach seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Wenn nun noch Profis, die weniger gespielt haben, näher an ihre 100 Prozent herankommen, habe man „eine Konkurrenzsituation auf höchstem Niveau“ und abhängig vom Gegner „die Qual der Wahl“.
