Die Kölner Torhüterin erweist sich beim Gewinn der Goldmedaille in der Halle als starker Rückhalt.
HockeyJulia Sonntag von Rot-Weiss Köln beendet Karriere im Nationalteam mit dem EM-Titel

Julia Sonntag von Rot-Weiss Köln feiert den Gewinn der Hallen-Europameisterschaft.
Copyright: Imago
Dem großen Triumph folgte eine große Geste. Nach dem 5:2-Erfolg über Gastgeber Tschechien im Endspiel der Hallenhockey-Europameisterschaft überließ Kapitänin Fenja Poppe ihrer Teamkollegin Julia Sonntag (34) das Rampenlicht, indem sie ihr den silbernen Pokal in die Hände drückte. Die deutsche Nummer eins nahm die Einladung mit einem strahlenden Lächeln an, reckte die Trophäe als Erste in die Höhe und schrie die Freude über ihren zweiten und gleichzeitig letzten Titel mit der DHB-Auswahl geradewegs heraus.
Denn mit dem Finale in Prag endete Sonntags Karriere in der Nationalmannschaft. Eine Karriere, die mit der Hallen-EM 2016 in Minsk (Weißrussland) begonnen hatte. „Damit schließt sich nach zehn Jahren ein Kreis“, sagte die Hallen-Weltmeisterin von 2018. „Schöner und kitschiger hätte meine Reise mit den Danas gar nicht enden können.“ Die musikalische Untermalung durch die ultimative Siegeshymne „We are the Champions“ passte demnach ebenso ins Bild wie die eine oder andere Freudenträne.
Die Spielerin des KTHC Rot-Weiss Köln hatte als Stammkeeperin maßgeblich zum Titel-Hattrick beigetragen. Nach einem deutlichen 6:0-Auftaktsieg gegen Irland tat sich die DHB-Auswahl in den Duellen mit der Schweiz (5:5) und Österreich (3:4) allerdings schwer. Auch in der finalen Gruppenpartie gegen Belgien (5:3) musste das Team angesichts eines 0:3-Halbzeitrückstands mächtig ums Weiterkommen bangen. Im Halbfinale gegen Spanien rettete Sonntag das deutsche Team beim Stande von 5:5 ins Shoot-out, ehe Selina Müller zwischen die Pfosten wechselte – 8:7.
Pünktlich zum Finale zeigte Deutschland seine beste Turnierleistung, angeführt von Sonntag als sicherer Rückhalt. Die Keeperin mit den 105 Feld-Länderspielen sprach hinterher von einem „Wechselbad der Gefühle. Zwischenzeitlich durfte man nicht mehr mit diesem Turnierverlauf rechnen, aber gerade im Finale haben wir wirklich tolles Hockey gezeigt. Ich bin unglaublich stolz auf diese Truppe.“
Julia Sonntag hat mit Rot-Weiss Köln die Chance auf einen weiteren Titel
Die Saison unterm Hallendach ist für Sonntag allerdings noch nicht beendet. Denn auf Vereinsebene winkt ein weiterer Titel: Vor den letzten Bundesliga-Spielen in der West-Staffel beim Schlusslicht DSD Düsseldorf am Samstag (14 Uhr) und gegen den Spitzenreiter Düsseldorfer HC (Sonntag, 12 Uhr) hat Rot-Weiss das Viertelfinal-Ticket gelöst. Sowohl am Wochenende als auch in den Playoffs muss sich Sonntag aber vorerst weiter mit der Reservistenrolle begnügen. „Lisa Höllriegl hat ihre Sache bislang super gemacht“, sagt RW-Coach Tibor Weißenborn über seine Nummer eins in dieser Hallen-Saison. „Deshalb gibt es keinen Grund zu tauschen. Aber als Trainer gibt es Schlimmeres, als eine frisch gebackene Europameisterin in der Hinterhand zu haben.“

