Deutschland enttäuscht beim Turnier, doch die Stürmerin versucht, positive Dinge mitzunehmen.
HockeyKölnerin Lynn Krings genießt WM trotz des frühen Aus

Nationalspielerin Lynn Krings (vorne) im Spiel um Platz fünf
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Das letzte Wort bei dieser Feldhockey-WM hatte Lynn Krings. Zumindest aus deutscher Sicht: Im Spiel um Platz fünf gegen Indien markierte die Stürmerin des KTHC Rot-Weiss Köln mit einem wuchtigen Volleyschuss den Treffer zum 1:3-Endstand. Das dritte Turniertor der 21-Jährigen sollte zwar nichts mehr am Ausgang der Partie im niederländischen Amstelveen ändern, doch immerhin entlud sich so für einen Moment der angestaute Frust. Der Frust über die verpasste K.o.-Runde. „Rang sechs ist natürlich enttäuschend“, so Krings. „Wir wollten unbedingt ins Halbfinale, um im Kampf um die Medaillen ein Wörtchen mitzureden – dieses Ziel haben wir leider nicht erreicht.“
Das ernüchternde Abschneiden sollte der Bundestrainerin sogar ihren Job kosten. Denn zwei Tage nach der Niederlage gegen Indien verkündete DHB-Sportdirektor Martin Schultze die sofortige Trennung von Janneke Schopman. Die Niederländerin hatte die Mannschaft im November 2024 übernommen und im darauffolgenden Jahr zur Vize-Europameisterschaft geführt.
Erstes großes Turnier für Lynn Krings
Für die besagte Heim-EM war Krings noch nicht berücksichtigt worden; umso größer war ihre Erleichterung über die WM-Nominierung. Dass die Torjägerin ihr erstes großes Turnier trotz dreier Niederlagen genießen konnte, lag nicht zuletzt an der tollen Stadionatmosphäre im belgischen Wavre. In der rund 10.000 Zuschauer fassenden Belfius-Hockey-Arena hatte die deutsche Mannschaft fünf stimmungsvolle Partien erlebt: „Vor so vielen Zuschauern aufzulaufen, war neu für mich. Das hat Lust auf mehr gemacht.“
Die Kulisse sollte die WM-Debütantin offenbar beflügeln: Nachdem Krings bereits im Auftaktmatch gegen Schottland (3:0) per Stecher den Schlusspunkt gesetzt hatte, legte sie im letzten Zwischenrundenspiel gegen Spanien (4:1) sehenswert nach: Erst pflückte die RW-Akteurin einen langen Schlenzball gekonnt aus der Luft, dann krönte sie ein tolles Solo über den halben Platz mit dem 1:0-Führungstreffer. Die Torschützin sprach hinterher von einem „richtig coolen Moment“.
Felicia Wiedermann verletzt sich
Den Weg unter die besten Vier hatte sich die DHB-Auswahl zwei Tage zuvor verbaut. Nachdem man bereits das zweite Vorrundenspiel gegen den späteren WM-Champion Argentinien mit 2:3 verloren hatte, besiegelte die 1:3-Pleite gegen Belgien zum Zwischenrunden-Auftakt das vorzeitige Aus im Kampf um die WM-Krone. „Gerade in der zweiten Halbzeit hat uns das nötige Spielglück und auch etwas Erfahrung gefehlt“, kommentierte Krings den Krimi im ausverkauften Stadion. „Aus solchen Spielen werden wir aber ganz sicher lernen.“
Für ihre Vereinskollegin endete das Match im doppelten Sinne schmerzhaft: Nach einem unglücklichen Zusammenstoß mit ihrer Gegenspielerin sah Felicia Wiedermann (24) die Grüne Karte und verletzte sich obendrein am Sprunggelenk. So musste Schopman nicht bloß die restlichen zwei Minuten ohne das Kölner Mittelfeld-Ass auskommen, sondern auch in den anschließenden beiden Partien gegen Spanien und Indien. Bei der Heim-EM war Wiedermann noch früher ausgefallen: Im Auftaktmatch gegen Frankreich (4:1) zog sie sich eine Schienbeinkopfverletzung zu und verpasste sowohl den Rest des Turniers als auch die komplette Bundesliga-Hinrunde.
Bundesliga-Auftakt am 19. September
Immerhin: Ein langer Ausfall droht Wiedermann diesmal nicht. Die Verletzung beschrieb die Olympia-Sechste von Paris als „halb so wild. Ein Außenband ist zwar gerissen, aber in spätestens vier Wochen versuche ich wieder einzusteigen.“ Wunden lecken ist auch in mentaler Hinsicht angesagt, wie sie betont: „Ein paar Tage Urlaub werden mir jetzt guttun, um den Kopf freizubekommen.“ Trotz des verpassten WM-Ziels sei „nicht alles schlecht gewesen. Dass wir den Weltmeister an den Rand einer Niederlage gebracht haben, spricht für sich. Am Ende sind es Kleinigkeiten auf diesem Niveau, die den Ausschlag geben.“
Während der Bundesliga-Auftakt gegen den Harvestehuder THC (19. September) für Wiedermann noch etwas zu früh kommen dürfte, ist Krings bereit für das erste Spiel unter dem neuen RW-Trainer Julian Tarres. Spätestens dann sollte der Frust über WM-Platz sechs verflogen sein.