Beim 7:0 in Frankfurt stehen elf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Aufgebot.
HockeyRot-Weiss Köln setzt seinen Jugendstil fort

Christopher Rühr von Rot-Weiss Köln im Kreise seiner Teamkollegen.
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Die Talentschmiede des KTHC Rot Weiss Köln hat die nächsten beiden Bundesliga-Feldhockeyspieler hervorgebracht. Während Torwart Philipp Zons (Jahrgang 2008) im Duell beim Schlusslicht SC Frankfurt im letzten Viertel ran durfte, trug Moritz Cazin (Jahrgang 2009) von Beginn an zum 7:0 (4:0)-Erfolg bei. Dabei profitierte der deutsche U-16-Nationalspieler vom Ausfall des Innenverteidiger-Duos um Tom Grambusch (Gelb-Rot-Sperre) und Paul Glander (muskuläre Probleme).
Co-Trainer Wolfgang Kluth attestierte dem Sohn des früheren RW-Bundesliga-Keepers Oliver Cazin eine „abgeklärte Leistung. Das hat mich wenig überrascht, schließlich ist Moritz eines der größten Abwehrtalente hierzulande.“
Wir sind wieder in der Spur und werden deutlich mehr gefürchtet als noch zu Saisonbeginn. Von jetzt an schauen wir nur noch nach oben
U-18-Nationaltorhüter Zons wurde indes ebenso wenig geprüft wie zuvor Jean-Paul Danneberg. RWK setzt seinen Jugendstil also unbeirrt fort: Elf von 18 Spielern im Aufgebot am Samstag stammen aus dem eigenen Nachwuchs. Drei von ihnen trugen sich neben Christopher Rühr (3) in die Torschützenliste ein, nämlich Justus Warweg (2), Antheus Barry und Fabio Seitz. „Diese Dichte an Eigengewächsen ist schon einmalig“, sagt Kluth.
Auch am Wochenende baut Cheftrainer Pasha Gademan wieder auf seine Talente, wenn man erst beim Harvestehuder THC (Sa., 13 Uhr) und dann beim Hamburger Polo Club (So., 13 Uhr) ran muss. Letzteres Team führt das Tableau mit drei Punkten Vorsprung vor Köln an – und das, obwohl man zwei Partien weniger absolviert hat. Im jüngsten Viertelfinale der Euro Hockey League war für Polo (1:4 gegen Amsterdam) allerdings ebenso Endstation wie für Krefeld (4:5 im Shoot-out gegen den späteren Champion SV Kampong).
Nach dem deutschen Doppel-Aus ist klar: In dieser Bundesliga-Saison wird es erneut keinen dritten EHL-Startplatz geben. Um sich für die europäische Bühne zu qualifizieren, muss also entweder der Hauptrundensieg oder der Titelgewinn her. Sollte einer Equipe beides gelingen, würde der Vizemeister nachrücken.
Kluth sieht sein Team vor dem Topspiel „keineswegs chancenlos. Auch wenn die Erfahrung klar für Polo spricht: Wir haben das Zeug zu gewinnen.“ Auch Rühr betont: „Wir sind wieder in der Spur und werden deutlich mehr gefürchtet als noch zu Saisonbeginn. Von jetzt an schauen wir nur noch nach oben.“
Dabei fiebert der Weltmeister dem Wiedersehen am Sonntag mit seinen Ex-Vereinskollegen Mathias Müller und Joshua Onyekwue Nnaji entgegen. Letzterer brach im Sommer 2022 seine Zelte in Köln ab, nachdem er nicht über den Status als Ersatzkeeper hinausgekommen war. Erst hatte Viktor Aly die Nase vorn, dann der mehrfache Welttorhüter Vincent Vanasch. Als auch noch Danneberg als „Herausforderer“ für die Saison 2022/23 verpflichtet wurde, wechselte Nnaji nach Krefeld.
Die Liga schaut auf das Spitzenspiel zwischen Rot-Weiss Köln und dem Hamburger Polo Club
Dort feierte er in der vergangenen Spielzeit seinen ersten DM-Titel als Nummer eins, auch dank des Final-Erfolgs über seine „alte Liebe“ Köln. Nun greift Nnaji mit dem nächsten Klub nach der nationalen Krone.
Auch wenn die ganze Liga gespannt auf das Gipfeltreffen schaut, fordert Kluth schon am Samstag „vollen Fokus“. Schließlich war es der Tabellenachte Harvestehude, der den Hamburger Polo Club zuletzt erstmals leer ausgehen ließ (2:1). Außerdem galt der Rivale jahrelang als Kölner „Angstgegner“; erst im März 2024 beendete RWK den Auswärtsfluch, indem das Team erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder beim HTHC gewann. Rühr fehlte seinerzeit wegen eines Kreuzbandrisses. „Ich habe in meiner ganzen Karriere erst einen Punkt aus Harvestehude entführt“, verweist der Stürmer auf die Vorsaison (9:10 im Penaltyschießen). Am Samstag sollen drei weitere hinzukommen.