Beim 2:1 gegen den SV Wehen Wiesbaden führt der Doppeltorschütze die Viktoria zum dritten Sieg in Serie. Damit haben die Kölner eine achte Saison in der Dritten Liga endgültig sicher.
Viktoria KölnLucas Wolf genießt einen seltenen Moment im Mittelpunkt

Matchwinner: Viktorias Lucas Wolf bejubelt seinen Doppelpack.
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Als Lucas Wolf in der 89. Minute das Feld verließ, erhoben sich die Zuschauer auf der Haupttribüne von ihren Plätzen. Tosender Applaus prasselte auf den 24-Jährigen nieder, der fast ein wenig verlegen zurückgrüßte. Wolf ist es nicht gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Der Mittelfeldspieler des Drittligisten FC Viktoria Köln verrichtet seine Arbeit meist im Verborgenen. Dass er als Torschütze in Erscheinung tritt, gehört eher zur Seltenheit.
Umso bemerkenswerter war das, was sich am Samstagnachmittag im Sportpark Höhenberg ereignete. Beim 2:1 (2:0)-Heimsieg gegen den SV Wehen Wiesbaden trug Wolf sich gleich doppelt in die Torschützenliste ein. Es waren die ersten beiden Saisontore des Sommer-Zugangs aus Sandhausen, der den Augenblick als umjubelter Matchwinner genoss. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon mal zwei Tore in einem Spiel gemacht habe. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man das Spiel entscheiden kann“, freute sich Wolf über seinen Doppelpack.
Dieser bescherte den Kölnern eine makellose Englische Woche. Mit dem dritten Sieg in sieben Tagen kletterte die Viktoria nicht nur auf den zehnten Tabellenplatz, sondern machte fünf Spieltage vor Saisonende obendrein auch den Klassenerhalt endgültig perfekt. Einen schöneren Rahmen für Viktorias Familientag vor 5756 Zuschauern hätten sich die Gastgeber wohl kaum wünschen können. „Wir haben es wieder geschafft. Es ist nicht hoch genug zu bewerten, dass wir in unser achtes Jahr in der Dritten Liga gehen. Unter der Voraussetzung, dass wir jedes Jahr dazu gezwungen sind, unsere besten Spieler abzugeben, gebührt dem gesamten Verein ein Riesenkompliment. Das muss man uns erstmal nachmachen“, jubelte Sportvorstand Franz Wunderlich.
Wir haben es wieder geschafft. Es ist nicht hoch genug zu bewerten, dass wir in unser achtes Jahr in der Dritten Liga gehen
Sinnbildlich dafür stand zum Abschluss strapaziöser Tage der in Unterzahl errungene Sieg gegen Wehen Wiesbaden. „Wir haben eine super Englische Woche gespielt. Man darf nicht vergessen, dass wir eine 2000 Kilometer weite Reise hinter uns haben“, sagte Wunderlich in Anspielung auf die beiden vorangegangenen Siege in Rostock (3:2) und Ingolstadt (2:1). Viktorias Sportvorstand bezeichnete den dritten Erfolg hintereinander als einen „Sieg des Willens“: „Chapeau an die Mannschaft, der Tank war am Ende einfach leer.“ Lucas Wolf pflichtete ihm bei. „Die beiden Fahrten haben uns natürlich in den Knochen gesteckt, es war super anstrengend. Die Teamleistung war gerade zu zehnt überragend, wir haben das Spiel zurecht gezogen“, meinte der Doppeltorschütze, der sich auf ein weiteres Drittliga-Jahr mit der Viktoria freut: „Das bedeutet uns sehr viel. Wir haben unseren Job getan und sind alle sehr glücklich.“
Marian Wilhelms Schachzug, Wolf etwas offensiver als üblich zu positionieren, war perfekt aufgegangen. „Beide Tore macht er eiskalt“, freute sich Viktorias Trainer. Nach einer bis dato ereignisarmen ersten Halbzeit, die durch die Muskelverletzung von Yannick Tonye zusätzlich getrübt wurde, stellte Wolf die Weichen per Doppelschlag auf Sieg. Erst verwertete der zentrale Mittelfeldspieler eine Kopfballvorlage von David Otto zum 1:0 (41.), ehe er nur drei Minuten später einen von ihm selbst eingeleiteten Angriff im Nachschuss mit dem 2:0 krönte. „Wolfi ist in den letzten Monaten nicht mehr aus unserer Startelf wegzudenken. Er betreibt das ganze Jahr über einen Riesenaufwand für seine Entwicklung. Daher freut es mich ganz besonders für ihn, dass er die beiden Tore macht“, lobte Wilhelm.
Die Rote Karte für Frank Ronstadt (62.) nach einer vermeintlichen Notbremse gegen den Ex-Kölner Niklas May versetzte die Viktoria in der letzten halben Stunde in den Verteidigungsmodus. Kurz darauf verkürzte Moritz Flotho per Handelfmeter (72.), den Verthomy Boboy verschuldet hatte. Doch mit viel Leidenschaft brachten die Gastgeber den knappen Vorsprung ins Ziel. Zur Belohnung spendierte Wilhelm ein paar freie Tage. „Das haben sich die Jungs wohlverdient. Es ist besonders, dass wir unser Mindestziel von 45 Punkten bereits erreicht haben“, erklärte Viktorias Trainer. Wenn die Mannschaft im Laufe der Woche wieder zusammenkommt, wird sie sich wohl auf eine süße Verkostung freuen dürfen. „Ich glaube, ich muss ein paar Törtchen mitbringen“, kündigte Lucas Wolf mit einem Grinsen an.
Viktoria Köln: Schulz – Sponsel, Dietz, Boboy – Tonye (25. Ronstadt), Münst, Kloss, Handle (73. Velasco) – Otto, Wolf (89. Duman) – Zank (73. Sachse). – Tore: 1:0, 2:0 Wolf (41., 44.), 2:1 Flotho (71./Handelfmeter).