Die Höhenberger können sich für eine starke Leistung gegen Nürnberg nicht belohnen. Zwei Jungprofis flattern die Nerven.
Pokalaus nach Elfer-KrimiEin tränenreicher Samstag bei Viktoria Köln

FCN-Keeper Jan Reichert ist der Held des Tages, Viktorias Niklas Jahn kann seinen Fehlschuss nicht fassen.
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Viele Fußballer von Viktoria Köln ließen am frühen Samstagabend ihren Emotionen freien Lauf. Bei Torschütze Meiko Sponsel, der den Höhenbergern den finalen Elfmeter-Krimi gegen den 1. FC Nürnberg mit seinem späten Ausgleichstor (90.+6) überhaupt erst ermöglicht hatte, liefen die Tränen nach Abpfiff. Auch Pechvogel Niklas Jahn, entscheidender Fehlschütze der Kölner vom Punkt, ließ seinen Emotionen freien Lauf. „Er war gerade am Weinen“, berichtete sein Teamkollege Taylan Duman nach dem bitteren Pokalaus im Elfmeterschießen gegen Zweitliga-Spitzenreiter 1. FC Nürnberg (4:5 i.E.). „Die Jungs sind niedergeschlagen, aber das ist menschlich. Ich baue sie wieder auf“, kündigte Duman an. Vom 29 Jahre alten Mittelfeldspieler klang das fast väterlich. „Wir haben super gespielt, ein Spiel auf Augenhöhe. Ich bin stolz auf die Mannschaft, aber es tut weh. Wir sind eine junge Mannschaft, vielleicht stecken das einige Spieler nicht ganz so leicht weg.“
Das Pech der Kölner Niklasse
Damit könnten vor allem Jahn und Niklas Swider gemeint sein. Ersterer hatte den letzten Versuch verschossen. Kurz zuvor hatte Swider die Chance auf den Einzug in die zweite Runde vergeben, als er einen Matchball in den Höhenberger Himmel jagte. „Einen Tag ist man traurig, ab Montag liegt der Fokus komplett auf den kommenden Spielen“, sagte Duman. Der Routinier wirkte trotz des Ausscheidens gegen seinen Ex-Klub erstaunlich aufgeräumt, ab und zu stand ihm ein Lächeln im Gesicht – womöglich auch aufgrund des vielen Lobs, was die Viktoria für ihren Auftritt gegen die Mannschaft von Trainer Miroslav Klose geerntet hatte.

Die Viktoria-Profis bedanken sich bei ihrem Anhang.
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Anders war die Lage bei den beiden jungen Pechvögeln. Vor allem der 22-Jährige Jahn dürfte an dem Fehlschuss zu knabbern haben – immerhin verbrachte Viktorias Sommer-Zugang aus Bochum zehn Jahre in den Nachwuchsmannschaften des 1. FC Nürnberg. Der Club ist sein Klub. „Das ist eine Erfahrung, die du machen musst. Du kommst nicht bei so vielen Vereinen in dem Alter in die Situation, einen solchen Elfmeter zu schießen“, meinte Trainer Marian Wilhelm. Dabei ließ es sich nicht vermeiden, dass viele unerfahrene Profis in die Pflicht genommen wurden. „So viel Alter war nicht mehr auf dem Platz. Meiko Sponsel und Kilian Jakob konnten nicht schießen, die sind 120 Minuten auf den Außenbahnen durchgegangen, da wäre irgendwas gerissen“, erklärte Wilhelm. Das Trainerteam hätte eine Idee für die Schützenauswahl gehabt, „dann kommt die Frage, ob sie schießen wollen.“ Und die Jungprofis wollten Verantwortung übernehmen.
Viktorias Jungprofis übernehmen Verantwortung
Jakob Sachse (20), Alexander Prokopenko (24) und Tobias Eisenhuth (24) verwandelten, Pascal Fallmann (22), Jahn (22) und Swider (19) vergaben. „Ich habe zu Swider gesagt: Bis du Opa bist, wirst du noch den einen oder anderen verschießen. Aber da wird man stärker durch. Das sind die Situationen, die junge Spieler auch wachsen lassen. Gerade ärgern sich die Jungs am allermeisten, aber da müssen sie jetzt durch. Das ist schon ganz anderen passiert“, berichtete Sportvorstand Franz Wunderlich von seiner seelischen Aufbauarbeit.
In der regulären Spielzeit plus Verlängerung war die Viktoria das bessere Team, erspielte sich gerade zu Beginn reihenweise Chancen – musste kurz nach dem Seitenwechsel aber das 0:1 durch Piet Scobel hinnehmen. „Wenn du so Chancen vergibst, kannst du auch mal zusammensacken. Aber wir haben das Heft in die Hand genommen und haben noch mutiger gespielt – bis zur letzten Sekunde“, lobte Wilhelm. Das späte 1:1 durch Sponsel samt emotionaler Explosion im mit über 8000 Fans ausverkauften Sportpark Höhenberg war der verdiente Lohn. Zum großen Coup reichte es aber nicht – auch weil in der 118. Minute der entkräftete Jakob in einer Zwei-gegen-eins-Situation den besser postierten Prokopenko übersah und es stattdessen erfolglos aus der Distanz versuchte. Es folgte der Showdown vom Punkt. „Es war eine coole Reaktion vom ganzen Team auf die verschossenen Elfmeter, dass die Jungs sofort aufgefangen wurden. Wir treffen gemeinsam, wir verschießen gemeinsam. Die Gruppe ist stark und sozial intelligent, die werden das auffangen. Daran wachsen auch junge Spieler“, sagte Valentin Schäfer.
Am Mittwoch spielt Viktoria im Pokal bei Schafhausen
Viktorias Sportlicher Leiter verspürte „eine Mischung aus Trauer und Stolz. Langfristig wird Zweiteres überwiegen. Wir waren über 120 Minuten gegen den Tabellenführer der 2. Bundesliga die bessere Mannschaft. Wir haben zwei oder drei Abschlüsse zugelassen, selbst acht oder neun herausgespielt. Da können wir viel Überzeugung für die weitere Saison rausziehen, wie gut wir eigentlich sein können.“ Wenn wir die Leistung der Anspruch sei, „wo wir hinwollen, dann werden wir in der Liga viele Punkte holen“, so Schäfer.
Nach dem Pokal steht aber erst einmal wieder der Pokal auf dem Programm: statt des bundesweiten Cups allerdings der verbandsinterne. Am Mittwoch ist die Viktoria in der Auftaktrunde zu Gast beim Landesligisten Union Schafhausen (18.30 Uhr).
Viktoria Köln: Schulz - Sponsel, Eisenhuth, Kloss - Swider - Tonye (46. Prokopenko), Duman (74. Fallmann), Wolf (75. Jahn), Jakob - D. Otto (87. Sachse), Castelle (57. Maboulou). – Zuschauer: 8343 (ausverkauft). – Tore: 0:1 Scobel (56.), 1:1 Sponsel (90.+6). – Elfmeterschießen: 0:1 Justvan, 1:1 Sachse, 1:2 Mandic, 2:2 Prokopenko, 2:3 Markhiev, Reichert hält von Fallmann, Masouras verschießt, 3:3 Eisenhuth, Fernandez verschießt, Swider verschießt, 3:4 F. Otto, 4:4 Maboulou, 4:5 Moustfa, Reichert hält von Jahn.