Ein früher Doppelschlag läutet die vierte Niederlage in Folge der Viktoria ein. Im Pokal-Halbfinale am Donnerstag soll es besser laufen.
Viktoria Kölns Heimpleite gegen EssenZwei Minuten Tiefschlaf in Höhenberg

Dickson Abiama (links) trifft zum 1:0 für Rot-Weiss Essen, Verthomy Boboy kommt nicht hinterher.
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Nach dem Abpfiff marschierte Kevin Rauhut schnurstracks auf Felix Weller zu. Viktoria Kölns Torwarttrainer deutete auf seine Uhr und teilte dem Schiedsrichter unmissverständlich mit, was er vom verfrühten Abpfiff kurz vor Ende der sechsminütigen Nachspielzeit hielt. Nicht viel, das dürfte klar sein. Weller allerdings empfand Auftritt und Ton Rauhuts als „zu intensiv“, wie Cheftrainer Marian Wilhelm später erklärte – und zückte die Rote Karte. Ein passendes Ende des aus Kölner Sicht bitteren Sonntagabends. Das 1:2 (0:2) gegen Rot-Weiss Essen war die vierte Niederlage in Folge. Während sich Essen auf Rang zwei vorschob, verharrt die Viktoria im Niemandsland der Tabelle.
Benjamin Zank lässt Großchance liegen
Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Nach vier Minuten ließ Benjamin Zank eine Großchance liegen: Der Stürmer schoss den Ball aus zentraler Position freistehend über die Latte. Essen nutzte seine Chancen wie eine Spitzenmannschaft und ging per Doppelschlag durch Dickson Abiama (10.) und Lucas Brumme (12.) mit 2:0 in Führung. „Die Tore dürfen in der Form nicht fallen. Es sind zwei klare Umschaltmomente, die wir nicht unterbinden, wo wir keinen Zugriff finden“, kritisierte Trainer Wilhelm. Vor dem 0:1 hatte David Otto im Mittelfeld den Ball verloren, die folgenden Zweikämpfe verlor die Viktoria allesamt. Vor dem 0:2 flankte Abiama ungestört, am zweiten Pfosten kam Lucas Wolf zu spät. „Zumindest haben die Jungs die Tore gut abgeschüttelt. Über die Intensität und die Mentalität, die sie auf den Platz gebracht haben, freue ich mich“, so Wilhelm.
Nach dem Seitenwechsel drückte Tim Kloss den Ball nach einem Freistoß zum Anschlusstreffer über die Linie (51.). Die Viktoria war dominant, es mangelte ihr aber an Ideen und Durchschlagskraft. Essen lauerte auf Konter, spielte die Gegenstöße nur ungenügend zu Ende. FC-Leihgabe Jaka Cuber Potocnik, der zum zweiten Mal in der Essener Startelf stand, blieb ohne gefährlichen Abschluss – und ließ sich nach dem Abpfiff dennoch vor dem großen Rot-Weiss-Anhang im Höhenberger Sportpark feiern. „Die Gegner stellen sich auf uns und unser Spiel ein, sie wollen den Ball nicht haben. Aber der Spielverlauf hat Essen auch komplett in die Hände gespielt“, sagte Abwehrchef Lars Dietz, der Zanks früher Großchance hinterhertrauerte. „Wenn wir das erste Ding machen, dann ist das Momentum auf unserer Seite.“
Im Pokal-Halbfinale wartet Eintracht Hohkeppel
Trotz der Niederlagenserie bleibt es ruhig in Höhenberg – vor allem weil der Tabellenstand nach wie vor komfortabel ist. Ulm liegt auf Abstiegsplatz 17 noch immer 13 Punkte hinter der Viktoria, acht Partien stehen noch aus. Gut möglich, dass die Kölner auch ohne einen weiteren Punktgewinn die Liga halten würden. Die Leistungen der Viktoria in den vergangenen Wochen lassen dieses Szenario allerdings unwahrscheinlich wirken.
Während die meisten Profiteams in die Länderspielpause gehen, wartet auf die Viktoria ein Pflichtspiel. Am Donnerstagabend (19 Uhr) gastiert der Drittligist im Halbfinale des Mittelrheinpokals beim Mittelrheinliga-Zweiten Eintracht Hohkeppel. Ein Sieg würde die Viktoria erneut ins Endspiel im heimischen Sportpark bringen. „Jeder weiß, wie wichtig das Pokalfinale für die Mannschaft und den Verein ist. Da gibt es auch keinen Plan B. Wir wollen ins Finale“, stellte Verteidiger Dietz klar.

