Der Ankerpunkt des Angriffsspiels ist weg. Trainer Marian Wilhelm muss Umstellungen vornehmen.
Nach Lobinger-AbgangViktoria Kölns Offensive sortiert sich neu

Neu bei Viktoria: Angreifer Joel Vega Zambrano (vorne)
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Während am Mittwoch ein kleiner Schneesturm durch Köln zog, genossen die Drittliga-Fußballer des FC Viktoria Köln die mediterranen Bedingungen im Trainingslager im türkischen Belek: 18 Grad und leichte Bewölkung. „Vom Timing hätte es nicht besser sein können“, sagte Coach Marian Wilhelm, der seine Profis in den ersten Einheiten in Köln, vor dem größeren Wintereinbruch, noch normal hatte anleiten können. „Hier sind die Voraussetzungen top, das Wetter ist gut, die Stimmung auch. Wir konnten von Tag eins an richtig Gas geben, die Intensität ist hoch.“
Daran hat auch Joel Vega Zambrano seinen Anteil. Der 21 Jahre alte Offensivspieler wurde nach dem Abgang von Toptorjäger Tyger Lobinger zum MSV Duisburg vom SC Paderborn verpflichtet. Die ersten Eindrücke des Deutsch-Spaniers seien „extrem positiv“, lobte Wilhelm. „Obwohl es ein Kaltstart für ihn war, ist er schnell angekommen und konnte direkt zeigen, warum wir ihn geholt haben.“ Zambrano sei technisch versiert, verfüge über eine gute Dynamik und bringe Intensität und Energie mit, so der Trainer. Auch Stephan Küsters, Sportlicher Leiter der Viktoria, war angetan vom neuen Mann: „Man sieht, dass er unser Spiel sehr schnell versteht. Vega verfügt über viel Tempo, ein gutes Passspiel und Qualität im Eins-gegen-eins. Das sind Dinge, die uns in der Hinserie vielleicht ab und zu gefehlt haben.“
Joel Vega Zambrano hat lange Verletzungspause hinter sich
Zambrano, für den sich Paderborn eine Rückkaufoption gesichert hat, war über lange Phasen der Hinrunde ausgefallen, eine hartnäckige Adduktorenverletzung zwang den Offensivspieler zu einer mehrmonatigen Pause. Erst Ende November feierte er für den SCP II in der Regionalliga West sein Comeback. Dass Zambrano körperlich etwas aufholen muss, „wussten wir bei der Verpflichtung“, sagte Wilhelm. Ein sofortiger Startelf-Kandidat ist der gebürtige Bielefelder vermutlich nicht. „Wir müssen gucken, dass wir die Belastung gut steuern. Für Vega ist es ein neues Umfeld, eine neue Mannschaft und eine neue Liga“, so der Trainer.
Doch Zambrano ist einer jener Profis, die das von Lobinger hinterlassene Loch in der Offensive füllen sollen. Der Abgang des Stürmers, der Viktoria eine niedrige sechsstellige Ablösesumme einbrachte, war auch noch in Belek Thema innerhalb der Mannschaft, wie Coach Wilhelm berichtete. „Tyger war ja absolut gesetzt. Es ist eine ähnliche Situation wie im letzten Winter.“ Damals hatte sich Bryan Henning, Chef im zentralen Mittelfeld, kurzfristig dem VfL Osnabrück angeschlossen. Diesen Verlust konnte die Viktoria mit Bravour auffangen, auf eine ähnliche Reaktion hoffen die Höhenberger auch nach dem Lobinger-Abgang.
Kommt doch noch ein neuer Mittelstürmer?
„Natürlich wird sich unser Spiel etwas verändern“, kündigte Wilhelm an. Künftig wird David Otto Chef im Sturmzentrum sein, doch der 26-Jährige kommt mehr über seine fußballerischen und weniger über seine physischen Qualitäten. Mögliche Alternativen zum einstigen Junioren-Nationalspieler sind neben Edeljoker Benjamin Zank laut Wilhelm Leander Popp, Raphael Ott sowie Soichiro Kozuki. „Sie alle haben diese Position schon gespielt – natürlich anders, als Tyger es tut“, meinte der Coach.
Nicht ausgeschlossen ist, dass die Rechtsrheinischen in den nächsten Tagen doch noch einen echten Mittelstürmer verpflichten. „Wir sondieren den Markt, einen Schnellschuss wird es sicher nicht geben“, stellte Sportchef Küsters fest. Der Viktoria könnte ihr inzwischen exzellenter Ruf als Ausbildungsverein zugutekommen – sollte sich ein Verein für einen Angreifer mehr Spielzeit erhoffen und der Profi ins Kölner Profil passen, ist ein weiterer Transfer möglich. „Aber erstmal plane ich mit dem aktuellen Personal“, sagte Wilhelm. „Denn klar ist: Ein Stammspieler ist weg. Das ergibt für andere Jungs die Chance, sich zu zeigen und in diese Lücke zu stoßen.“

