Der 20-Jährige, der vor elf Monaten sein Profi-Debüt vor 50.000 Fans feierte, hat in der Südstadt unterschrieben.
Winter-TransferWie sich Fortuna Köln das FC-Talent Neo Telle schnappte

Neo Telle im Fortuna-Dress auf der Tribüne des verschneiten Südstadions
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Der 9. Februar 2025 wird Neo Telle wohl sein Leben lang in Erinnerung bleiben. Der damals 19-Jährige wurde vor 50.000 Zuschauern im Rhein-Energie-Stadion beim Spiel gegen Schalke 04 zur Pause eingewechselt und half dem 1. FC Köln dabei, einen 1:0-Heimsieg über die Zeit zu bringen und drei wichtige Punkte zum späteren Bundesliga-Aufstieg zu sammeln. „Seit ich ein kleines Kind bin, arbeite ich darauf hin. In so einem Spiel das Debüt zu geben, das berührt mich, es ist unbeschreiblich. Man hat am ganzen Körper Gänsehaut und kriegt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht“, sagte das Kölner Eigengewächs nach seiner Profi-Premiere.
Rund elf Monate später ist klar, dass es Telle auf dem ersten Bildungsweg nicht geschafft hat, sich als Bundesliga-Profi zu etablieren. Der Halbzeit gegen Schalke folgten zwei weitere Kurzeinsätze, eine Sommervorbereitung, in der er Cheftrainer Lukas Kwasniok nicht von sich überzeugen konnte, und eine durchwachsene Regionalliga-Hinrunde mit nur vier Startelf-Einsätzen für die U21. Weil das vom FC bei Talenten gern genutzte Verfahren – Vertragsverlängerung mit gleichzeitigem Leihgeschäft – mit Telle nicht umgesetzt wurde, war die Zukunft des Innenverteidigers plötzlich unklar, der Vertrag wäre im Sommer 2026 wohl ausgelaufen.
Neo Telle will den Sprung nach oben im zweiten Anlauf schaffen
Hier sah der SC Fortuna seine Chance und trat mit dem A-Junioren-Pokalsieger von 2023 in Kontakt. „Wir waren schon länger im Austausch“, berichtete Matthias Mink, Trainer und Sportdirektor des Südstadt-Klubs. „Letztlich haben unsere sportliche Entwicklung der letzten Monate und unser Plan mit ihm uns die Chance gegeben, ihn zu verpflichten.“ Telle löste seinen Vertrag beim FC auf und unterschrieb beim Tabellenführer der Regionalliga West.
„Bereits im letzten Sommer haben wir mit Neo intensiv über seine nächsten Entwicklungsschritte und seine Perspektive beim FC gesprochen. Da eine von allen Seiten angestrebte Leihe als nächster Entwicklungsschritt nicht realisiert werden konnte, haben wir die Situation nun gemeinsam nochmal neu bewertet“, erklärte Lukas Berg, Technischer Direktor des FC, der sich offenbar keine Rückkaufoption gesichert hat. „Dass sich Neo jetzt für eine Veränderung entschieden hat, um in einem neuen Umfeld die nächsten Schritte zu gehen, ist für uns nachvollziehbar.“ Jetzt hofft Telle, über den zweiten Bildungsweg in Zollstock den Sprung in den Profifußball zu schaffen.
Testspiel am Freitag in Paderborn
Bei der Fortuna ergänzt Telle die Riege der Innenverteidiger um Maximilian Fischer, Seymour Fünger und Abwehrchef David Al-Azzawe. „Neo kann beide Innenverteidiger-Positionen spielen, hat eine gute Dynamik und Spieleröffnung“, so Trainer Mink. „Und für das Alter ein gutes Kopfballspiel, auch dank seiner immensen Sprungkraft.“ Der Südstadt-Klub wollte sich, mit Blick auf den angestrebten Drittliga-Aufstieg, in der Defensive noch einmal verstärken. „Im Zentrum waren wir eher dünn besetzt. Wir wollten uns aber nicht nur in der Breite, sondern auch in der Spitze qualitativ verbessern.“ Telle werde bei der Fortuna die Möglichkeit erhalten, sich weiter zu verbessern, und habe die Aussicht auf mehr Spielzeit. Sein Einstand im Training glückte. „Im ersten Fußballtennis-Turnier war er im Siegerteam“, berichtete Mink mit einem Lächeln. Sein Debüt auf dem Platz wird Telle am Freitag im Testspiel beim Regionalliga-Rivalen SC Paderborn II geben, auf einem beheizten Kunstrasen.
„Die Fortuna ist für mich ein sehr interessanter und attraktiver Verein mit klaren sportlichen Zielen und Plänen“, erklärte Telle mit Blick auf seinen neuen Arbeitgeber. „Ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung. Ich bin überzeugt davon, mit der Fortuna all ihre Ziele, insbesondere den Aufstieg, zu schaffen.“

