Köln – Wenn es um Lizenz- und Markenrechte geht, verstehen große Unternehmen, Verbände und Institutionen meist keinen Spaß. Es wird geschützt, was geschützt werden muss – Logos, Slogans, Marken.So einige wichtige Fragen mussten an dieser Front bereits geklärt werden: Darf das Bonner „Café Apfelkind“ ein Logo mit einem roten Apfel mit Kinderprofil verwenden oder verstößt das etwa gegen die Markenrechte des IT-Giganten Apple? Der Technologiekonzern wollte diese Frage im Jahr 2013 zunächst geklärt wissen, biss sich am Bonner Apfel aber die Zähne aus und zog seine juristischen Bemühungen gegen das Café schließlich zurück.
Lange Tradition skurriler Markenrechtsstreits
Bereits im Jahr 1993 trafen sich unterdessen der Süßwarenhersteller Storck und Profamilia vor dem Hamburger Landgericht, um die überaus wichtige Frage zu klären, ob die von der Aufklärungsgesellschaft angebotenen Kondome der Marke „Mamba“ den gleichnamigen Bonbons von Storck zum Nachteil gereichen könnten. Und dann gab es da noch einen Versicherungskonzern, der dafür sorgte, dass eine Musikgruppe ihren Namen ändern musste – statt als „Die Allianz“ firmierten die Musiker daraufhin unter dem Namen „Band ohne Namen“.
Nun sorgt die Europäische Fußball-Union (UEFA) für das nächste Kapitel in der Geschichte der skurrilen Markenrechtsstreits. Eine Pizza namens „Champignons League“ weckt den Ärger des mächtigen Fußballverbands. Das hessische Unternehmen „Pizza Wolke“ wurde deshalb von den Anwälten der UEFA aufgefordert, ihre Pilz-Pizza schleunigst umzubenennen – zu ähnlich sei der Name der Pizza dem Namen des wichtigsten Produkts der UEFA, der Champions League. Wie üblich habe man Anwälte beauftragt, um dem Unternehmen zu schreiben und „höflich“ darum gebeten, ihr Markenzeichen zurückzuziehen.
Champions und Champignons
Entscheidend dürfte juristisch gesehen der Zusatz „League“ im Namen der Pizza sein, denn selbst der mächtige Verband dürfte nichts gegen Pilz-Pizzas an sich haben, geschweige denn den Unterschied zwischen Champignons und Champions nicht kennen. Aber das spielt eigentlich gar keine so große Rolle, denn beliebt macht sich die UEFA damit nicht. Kein Wunder, erkennt der geneigte Beobachter hier doch einen klassischen Fall von Goliath gegen David.
Die Verbandsanwälte erfüllen das spaßbefreite Juristen-Klischee – und das ausgerechnet in einer auf Identifikation und Emotion zugeschnittenen Branche. Statt das Pizza-Produkt, das natürlich kommerziell angeboten wird, abgesehen vom Namen aber keine Bezüge zum Fußball-Produkt herstellt, als Hommage an die eigene Weltmarke zu betrachten (und damit auch als gratis Werbung), legt man den Fokus auf eventuelle Verluste – schließlich könnte man selbst Lizenzen für ähnliche Produkte verkaufen.
Juristisch nachvollziehbar, aber dennoch ein Eigentor
Juristisch ist das nachvollziehbar, aber an allen anderen Fronten ein Eigentor. Schließlich wecken derartige Produkte, ähnlich wie kurze, unlizenzierte Video-Snippets in den Sozialen Netzwerken, die von den Verbänden stets trotz teilweise enormer Reichweiten gelöscht werden, Begeisterung für die Produkte von UEFA, FIFA und den nationalen Verbänden.
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Hinzukommt nicht nur in der Wahrnehmung der Fans, dass die großen Fußballverbände an anderer Stelle gerne mal Fünfe gerade sein lassen. Die UEFA sieht sich immer wieder Vorwürfen konfrontiert, beim Thema Financial Fairplay ebenso gerne ein Auge zuzudrücken, wie es die FIFA seit Jahren tut, wenn es um Menschenrechtsverstöße bei den Vorbereitungen der Weltmeisterschaft in Katar geht.
Gratis-Publicity für Pizza-Hersteller
„Pizza Wolke“ dürfte der juristische Vorstoß dank des Streisand-Effekts unterdessen sogar freuen. Während der Ruf der UEFA bei den Fans dank solcher Petitessen leidet, kann sich der Nahrungsmittelhersteller nun über viel gratis Publicity freuen. Hand aufs Herz: Wer kannte bis jetzt schon die Pizza namens „Champignons League“ oder ihren Hersteller?
Ob die Pilz-Pizza unter ihrem aktuellen Namen weiterexistieren wird, ist dann fast egal. Mit so viel vom Fußballverband geschenkter Aufmerksamkeit dürften sich die Pizzabäcker nun so oder so fühlen, als spielten sie fortan in der... Champions League.

