NRW-Schwimmer Kusch startet bei „Doping-Spielen“. Seine umstrittene Entscheidung erklärt er vor allem mit Geldnot.
Kusch bei Doping-SpielenDeutscher Schwimmer verteidigt Teilnahme für hohes Preisgeld

Marius Kusch löst mit seiner Teilnahme an den Enhanced Games viel Kritik aus. (Archivbild)
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Die Teilnahme von Marius Kusch an den kontroversen Enhanced Games, wo leistungssteigernde Mittel gestattet sind, sorgt für Aufsehen. Seine Motivation und die Reaktionen aus seinem Umfeld werden beleuchtet.
Marius Kusch präsentiert sich gelassen und souverän, wenn er sich zu den Enhanced Games äußert. Von den erheblichen Auseinandersetzungen und der scharfen Kritik, die seine Teilnahme an dem als „Doping-Spiele“ bekannten Event auslöst, lässt er sich äußerlich nichts anmerken.
„Wenn man mit dieser Kritik nicht umgehen kann, wenn einem das zu nahe kommt, dann mach es nicht“, äußert er. „Dann lass die Finger davon.“ Kusch unterstreicht, den Rückhalt seiner Familie und Freunde zu besitzen: „Mein innerer Kreis steht hinter mir.“
Widerspruch vom deutschen Schwimm-Dachverband
Diese Haltung teilen zahlreiche Athleten, Offizielle und Anti-Doping-Beauftragte jedoch nicht. Empörung wird durch das Konzept der Enhanced Games hervorgerufen, deren Austragung in Las Vegas geplant ist.
„Die Enhanced Games stehen diametral zu allem, wofür der Sport steht“, erklärte Jan Pommer, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Schwimm-Verbands, nach der Bekanntgabe von Kuschs Mitwirkung. Das Event verspotte Fairness, Gesundheit sowie die Existenzberechtigung des Sports, da Doping nicht bloß geduldet, „sondern als vermeintlich autonom zu treffende Option zur Selbstoptimierung inszenieren“ werde.

Marius Kusch lockt das Geld. (Archivbild)
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Lukrative Prämien als Motivation
Normalerweise verbotene Mittel sind bei den Wettbewerben in den Disziplinen Schwimmen, Leichtathletik und Gewichtheben nicht nur gestattet, sondern sogar explizit erwünscht. Es ist das Ziel, die Leistungsgrenzen zu erweitern und Bestmarken großzügig zu honorieren. Eine Ausschüttung von Gesamtprämien in Höhe von 25 Millionen US-Dollar ist von den Organisatoren vorgesehen.
Eine Summe von 250.000 US-Dollar wird für den Sieg in einer Disziplin ausgezahlt. Das Unterbieten der Weltrekorde über die 100 Meter in der Leichtathletik oder die 50 Meter Freistil im Schwimmen wird mit einer Million US-Dollar belohnt. Diese finanziellen Aussichten reizen auch Kusch, der in der Schmetterlingsdisziplin startet. Ihm winken 250.000 Dollar (etwa 216.000 Euro) für einen Weltrekord auf seinen Distanzen.
„Ich bräuchte viele, viele Karrieren, um an das ranzukommen, was man hier potenziell in einem Jahr verdienen kann“, erklärt der 33-Jährige. Der Athlet, der in Datteln im Ruhrgebiet zur Welt kam, errang 2019 den Titel des Kurzbahn-Europameisters über 100 Meter Schmetterling und war 2021 Teilnehmer bei den Olympischen Spielen in Tokio. Zu den Topstars mit lukrativen Werbevereinbarungen zählte er allerdings nie.
„Am Ende des Tages kann ich meine Miete nicht mit meiner Leidenschaft des Schwimmsports bezahlen. Sondern dafür brauche ich leider echtes Geld“, führt er aus.

Doping ist bei den Enhanced Games legitim. (Archivbild)
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Ehemaliger Trainingspartner mit gemischten Gefühlen
Kusch möchte zusätzlich zum monetären Aspekt auch erkunden, welche Leistungen durch die Mittel erreichbar sind. Er äußert keine erheblichen Bedenken bezüglich seiner Gesundheit. „Wir haben ein Top-Ärzteteam dahinter“, teilt er mit. Für ihn sei es zudem von Bedeutung, dass trotz der leistungssteigernden Mittel weiterhin intensives Training und Anstrengung für den Erfolg unabdingbar sind. „Im Vordergrund steht nach wie vor der Sportler“, so Kusch. „Man muss Schweiß, Blut, Tränen investieren.“
Eine differenzierte Bewertung von Kuschs Entschluss kommt von Jacob Heidtmann (31), einem ehemaligen Schwimmer und früheren Athletensprecher, der Kusch gut kennt. „Was das Körperliche angeht, ist es schwierig. Was das finanzielle angeht, ist es verständlich, dass die Sportler das machen. Und moralisch geht’s halt nicht“, äußerte Heidtmann gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. In San Diego trainierte der frühere Schwimmer einst gemeinsam mit Kusch; sie bewohnten eine Wohngemeinschaft.
„Wir haben darüber gesprochen. Ich respektiere seine Entscheidung“, so der zweifache Olympiateilnehmer. „Er weiß, dass ich es kritisch sehe, aber wir haben jetzt keinen Streit deswegen.“
Die Vorbildrolle des Sports
Insbesondere ein Punkt bereitet Heidtmann Sorge: die Vorbildrolle des Sports. „Als ich 13 war, habe ich Michael Phelps im Fernsehen gesehen und wollte so werden wie er. Wenn ich mir jetzt als 13-Jähriger diese Doping-Spiele anschaue und sehe, da werden Rekorde gebrochen, dann will ich vielleicht auch so sein.“

Jacob Heidtmann hat früher mit Kusch zusammengewohnt. (Archivbild)
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Für Heidtmann ist es von Bedeutung, Kusch und weitere Teilnehmende nicht pauschal zu verurteilen. Seiner Ansicht nach sollte der dopingfreie Sport finanziell ansprechender gestaltet werden. „In der olympischen Bewegung steckt immer noch so viel Geld drin. Das müsste ein bisschen anders verteilt werden, damit die Akteure, die das Ganze am Leben halten, auch davon profitieren können“, erklärt er und fügt hinzu: „Wenn sie ein bisschen besser finanziell ausgestattet wären, fiele es ihnen leichter, dazu nein zu sagen.“ (dpa/red)
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