Es ist ein einmaliger Vorgang: Nach der fatalen Fehlentscheidung gibt der Schiedsrichter-Verband interne Diskussionen zwischen den Referees frei.
„Wartet, wartet, wartet! Das ist falsch“Plötzliche Hektik – Audioaufnahme zu Liverpooler VAR-Skandal veröffentlicht

Luis Diaz traf gegen Tottenham in der 34. Minute, doch das Tor wurde fälschlicherweise aberkannt.
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Ein wunderbarer Pass von Mo Salah in den Lauf, ein toller Sprint von Luis Diaz und ein noch besserer Abschluss in voller Bedrängnis ins linke untere Eck: Ganz England spricht über das Tor des FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur – allerdings nicht, weil es so wunderbar herausgespielt wurde, sondern weil es nicht zählte.
Die Schiedsrichter-Organisation PGMOL hat nach dem Riesenärger um den fälschlicherweise nicht gegebenen Treffer reagiert und in einem einmaligen Vorgang den internen Ablauf zur Entstehung der Fehlentscheidung offengelegt.
Nach Riesenärger um nicht gegebenes Tor: Audio-Datei zu VAR-Skandal veröffentlicht
Zunächst aber von vorne, was war passiert? In der Partie bei den Tottenham Hotspur war ein Treffer von Liverpools Stürmer Luis Diaz in der 34. Minute wegen Abseits aberkannt worden. Das Problem dabei: Diaz stand eindeutig nicht im Abseits, dies hätte die Überprüfung des Tores durch den VAR ergeben müssen. Tat sie aber nicht.
Der zuständige Schiedsrichter-Verband begründete den ungeheuren Vorgang im Anschluss mit einer „erheblichen menschlichen Fehlentscheidung“.
Um Transparenz zu schaffen, hat der Verband nun in einem ungewöhnlichen Vorgang, die Diskussion zwischen dem Video-Referee, seinem Assistenten sowie dem Replay Operator inklusive der Überprüfungsbilder öffentlich gemacht. Zu sehen und zu hören ist in dem freigegebenen Ausschnitt zunächst, wie der VAR das Tor auf Wunsch des Linienrichters auf Abseits überprüft.
Der Replay Operator sucht die exakte Stelle, in dem der Ball Mo Salahs Fuß verlässt, um die digitale Abseitslinie einzufügen. Zu sehen ist deutlich, dass Diaz nicht hinter dem letzten Verteidiger steht. Daraufhin sagt der Video-Referee: „Check complete“ (Überprüfung abgeschlossen), woraufhin sich der Schiedsrichter auf dem Platz in seiner Abseitsentscheidung bestätigt sieht und das Spiel mit Freistoß Tottenham wieder freigibt. „Danke, Kumpel“, ist über sein Mikro an den VAR für dessen Unterstützung zu hören, dann „Gut gemacht Jungs, guter Prozess“.
Hektik in der Replay-Booth: Diskussionen führen ins Leere
Plötzlich wird es dann allerdings turbulent. Der Replay Operator bemerkt den Fehler. „Wartet, wartet, wartet. Die Entscheidung auf dem Platz war abseits. Bist du einverstanden damit?“, fragt er den VAR. Er und sein Assistent scheinen nicht zu begreifen, die Antwortet lautet „Ja“. Die Frage wird wiederholt, erneut bestätigt der VAR: „Abseitstor, ja“. „Das ist falsch“, ist dann vom Assistenten zu hören. Dem scheint es nun zu dämmern. Noch einmal macht der Replay Operator den VAR auf dessen Fehler aufmerksam, der Schiedsrichter auf dem Platz bekommt von all dem nichts mit.
Vom VAR ist nun ein lautes Stöhnen zu hören, zu dem ein Zensor-Piepton, der vermutlich sein Fluchen übertönt. Aktiv wird er aber nicht, stattdessen versucht sein Assistent vergeblich eine erneute Unterbrechung des Spiels zu erwirken. „Ich kann nichts machen“, antwortet der VAR. Auch der vierte Offizielle wird eingeschaltet. „Stoppt das Spiel“, sagt der Replay Operator noch einmal. „Sie spielen bereits wieder, ich kann nichts machen“, so die Antwort. Ein weiterer Fluch wird zensiert, dann endet die Diskussion und das Video.
Schiedsrichter-Verband zieht nach VAR-Skandal Konsequenzen
Der VAR war offenbar davon ausgegangen, dass der Schiedsrichter auf dem Rasen das Tor als gültig bewertet hatte und daher nicht eingegriffen. „Durch eine Konzentrationsschwäche und den Verlust des Fokus in diesem Moment verlor der VAR die Entscheidung auf dem Spielfeld aus den Augen und teilte fälschlicherweise mit, dass die Prüfung abgeschlossen sei, wodurch er versehentlich die Entscheidung auf dem Spielfeld bestätigte“, teilt die Schiedsrichter-Organisation mit.
Die Szene befeuerte die Debatte um den Videobeweis im englischen Fußball. Die betroffenen Video-Schiedsrichter wurden vorerst von weiteren Einsätzen abgezogen. Die PGMOL hat bereits Konsequenzen gezogen: Künftig sollen ein neu entwickeltes VAR-Kommunikationsprotokoll zum Einsatz kommen, um die Kommunikation zwischen dem Schiedsrichter und dem VAR-Team zu verbessern.
Liverpool FC will Einspruch gegen Spielwertung prüfen
Außerdem soll der Video-Schiedsrichter das Ergebnis der VAR-Prüfung immer erst von seinem Assistenten absegnen lassen, bevor er den Offiziellen auf dem Spielfeld die endgültige Entscheidung mitteilt.
Jürgen Klopp kann mit der Entschuldigung nur wenig anfangen. Seine Mannschaft verlor das Spiel mit 1:2. Liverpool prüft nach der schweren Videobeweis-Panne die Chancen auf einen Einspruch gegen die Spielwertung.