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SaisonstartFC-Fans sind unverwüstlich

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Autogramme am laufenden Band: FC-Spieler Timo Horn  und seine Kollegen waren bei der Saisoneröffnung für die 2. Liga heiß begehrt.

Wenn Timo Horn in seinem Gehäuse genauso beweglich ist wie beim Autogrammeschreiben, müssen sich die Anhänger der „Geißböcke“ keine großen Sorgen um ihr Team in der zweiten Liga machen. Schnell, beweglich und mit einem guten Überblick, erfüllte das neue Torwart-Juwel die Wünsche der Fans. Die Anhänger waren teilweise so heiß auf die Unterschriften, dass Sicherheitskräfte den Spielern den Gang zu Toilette ermöglichen mussten. „FC zum Anfassen“ hieß es gestern bei der Saisoneröffnung rund um das Rhein-Energie-Stadion und rund 25 000 Fans kamen.

Eigentlich sah es in Müngersdorf gestern Vormittag aus wie vor einem ganz normalen Spiel des FC. Der Bürgersteig auf der Straße zu den Jahnwiesen war zugeparkt, die Stadt verteilte Knöllchen, die Sicherheitskräfte lenkten die Autofahrer und Kölner mit kleinen und großem Nachwuchs marschierten zu ihrem Ort des Glücks, der in der vergangenen Saison aber eher ein Ort des Grauens war.

Aber, wie sagte gestern Stadionsprecher Michael Trippel so schön und treffend: „Der Kölner Fan ist unverwüstlich und unheimlich treu.“ Und so war schon etwas von Aufbruchsstimmung im Stadion zu spüren – auch bei Ursula Adomat aus Velbert. Im betagten Alter von 84 Jahren setzte sich die rüstige Rentnerin gestern Morgen in Bus und Bahn und kam zum FC.

Verziehen hat sie ihrer Elf den Abstieg – auch wenn es weh tat und ein Schock war. „Aber jetzt, wo ich wieder hier bin und die Trikots sehe, kann es wieder los gehen“, meint die 84-Jährige, die schon bei mindestens zehn Saisoneröffnungen war und es am Geißbockheim früher schöner fand. Doch Ursula Adomat hat noch ein ganz kleines Problem. Ihr Herz konnte die Rentnerin noch keinem neuen Spieler schenken. „Das gehörte Poldi. Aber der ist ja jetzt weg“, seufzt die 84-Jährige. Der emotionalste Moment bei der Saisoneröffnung geschah um Punkt 13 Uhr. Viele rot-weiße Luftballons wurden von den FC-Cheerleadern gen Himmel geschickt. Die Botschaft: Es muss wieder aufwärts gehen mit dem ersten Fußballclub Köln. Die Fans im Stadion schauten den Ballons wehmütig nach und wohl jeder dachte: Hoffentlich wird unsere große Bitte erhört.

Die Spieler baten ihre Fans bei ihren kurzen Interviews um Geduld. „Wir haben ein sehr junges Team“, war unisono zu hören und: „Gebt uns etwas Zeit“, wie Torwart Thomas Kessler sagte. Mittelfeldspieler Daniel Royer, aus Niedersachsen nach Köln gewechselt, hatte dagegen wenig Zeit Köln kennenzulernen. „Ich war auf Wohnungssuche.“ Und der polnische Nationalspieler Adam Matuschek war noch ganz beseelt von der Europameisterschaft in seinem Heimatland: „Es war ein einmaliges Erlebnis.“ Jetzt will er beim FC durchstarten: „Zwei Wochen Urlaub haben gereicht.“

Der Boss der jungen Truppe sieht nach der Chaos-Saison positiv in die Zukunft: „Da wächst etwas zusammen. Ich sehe nicht schwarz“, stellte Präsident Werner Spinner klar und Trainer Holger Stanislawski machte dem gebeutelten kölschen Herzen Mut: „Wir geben richtig Gas“ – und zeigte rasch wie es geht.

„Stani“ schnappte sich einen Ball, zog schnell die Schuhe aus und hämmerte das rote Leder auf die gefüllte Tribüne. Prompt kam tosender Applaus von den Fans zurück. Genauso hätte es der neue FC-Trainer gern auch in der kommenden Saison.