Berlin – Der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger sieht den Profi-Fußball weiter nicht bereit für ein Coming-out. „Es hat sich einiges verbessert, aber noch nicht genug“, sagte der 32-Jährige am Mittwoch auf der Veranstaltung „Fußball für Vielfalt“ in Berlin. „Es gibt noch nicht genügend Beispiele, Idole und Vorbilder. Ich hoffe, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dass sich das verändert.“ Hitzlsperger selbst will Mut machen. Anfang 2014 hatte er als erster prominenter deutscher Fußball-Profi seine Homosexualität öffentlich gemacht. Inzwischen sei Homosexualität im Fußball kein Tabu-Thema mehr, stellte der Hitzlsperger fest. „Das hat sich geändert.“
Der frühere England-Profi ist Botschafter der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die sich für den Abbau von Vorurteilen gegenüber Homosexuellen einsetzt. Sein Engagement möchte der gebürtige Bayer nicht als Aufforderung zum Coming-out verstehen. Wer seine Homosexualität im Fußball-Business öffentlich mache, „braucht eine starke Persönlichkeit und muss eine große Aufmerksamkeit aushalten“, betonte Hitzlsperger.
Aufklärungsarbeit im Verein
Es sei ein großes Problem, dass keiner so richtig wisse, „wie man einen normalen Umgang mit dem Thema Homosexualität im Fußball schafft“, gibt der frühere Profi des VfB Stuttgart zu bedenken. Hitzlsperger betonte, wie wichtig es sei, weiter Aufklärungsarbeit vor allem auch in Fußball-Vereinen zu leisten: „Nur eine Broschüre hinschicken, reicht nicht.“
Ähnlich sieht es Professor Martin Schweer von der Universität Vechta, die sich mit einer Initiative der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld angeschlossen hat. „Homosexualität ist im Fußball nicht sichtbar. Wir müssen in die Vereine kommen und den Beteiligten klar machen, dass Homosexualität im Fußball ein Thema ist“, erklärte Schweer. Aufklärungsarbeit helfe, Stereotypen abzubauen.
Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) beteiligt sich daran, in Deutschland ein Homophobie-freies Klima zu schaffen. Die Kritik am Verband, dieser würde sich beim Thema zu wenig engagieren, teilt Hitzlsperger nicht: „Ich habe kein Interesse daran, den DFB zu kritisieren. Ich sehe ihn als Partner.“
Nach seinem Karriereende hat Hitzlsperger im Medienbereich Erfahrungen gesammelt. Dem Fußball möchte er zukünftig erhalten bleiben, aber nicht unbedingt als Trainer. „Kurzfristig steht das nicht zur Debatte. Bei mir brennt nicht das Feuer, Trainer werden zu wollen“, erklärte er. Das liege aber nicht daran, dass er als schwuler Fußball-Coach Probleme bekommen könnte. „Wenn man erst mal den Schritt gegangen ist, sich auf der Profi-Bühne zu outen, schreckt einen das nicht mehr ab“, sagt Hitzlsperger.
