Bonn verliert mit 63:66 beim amtierenden Titelträger – Schwache Wurfquote verhindert mögliche Sensation
Das war knappBaskets bieten Bayern Paroli bis zum Schluss

Größenunterschied: Bonns Grayson Murphy mit 1,88 Metern gegen Wenyen Gabriel (2,09 Meter).
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Schön war das Spiel nicht, aber spannend. Mit 63:66 (12:15, 12:18, 15:13, 24:20) verloren die Telekom Baskets Bonn am Sonntagabend beim amtierenden Meister und Spitzenreiter FC Bayern München. Die Gäste brachten den Favoriten vor 5800 Fans im BMW Park an den Rand einer Niederlage, doch letztlich scheiterten die Bonner an ihrer Wurfquote.
Die Gastgeber verzichteten auf das Quartett Vladimir Lucic, Stefan Jovic, Justus Hollatz und Kamar Baldwin, dafür feierte Neno Dimitrijevic sein Bundesligadebüt. Er war für den ehemaligen NBA-Spieler Spencer Dinwiddie unter der Woche verpflichtet worden.
Damit reagierte Coach Svetislav Pesic auf die Doppelbelastung mit Bundesliga und Euroleague, in der sein Team zwei Tage zuvor noch bei Olympiakos Piräus mit 80:95 verloren hatte. Dafür durfte der Ex-Bonner Leon Kratzer (2020 bis 2023) ran.
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In der Tat wirkten die Bayern in der Anfangsphase müde, und die Baskets waren sofort zur Stelle. Ihre Ganzfeldmanndeckung nervte die Münchner und senkte das Spieltempo. Bonn legte zum 7:2 (5.) vor, Pesic nahm eine Auszeit, in der er mehr Geschwindigkeit forderte.
Mit Dimitrijevic als Aufbauspieler gelang den Hausherren der 8:8-Ausgleich (8.), die Wurfquote blieben hüben wie drüben äußerst bescheiden. Beim 10:11 (9.) hatten die Gäste gerade einmal ein Viertel ihrer Versuche im Korb untergebracht, so dass sie nach dem Eröffnungsviertel mit 12:15 zurücklagen.
Bonns Trainer Marko Stankovic wusste um die Strapazen beim Gegner und verordnete seiner Truppe auch weiterhin ein konsequentes Eins-gegen-Eins, um die Bayern in der Defense arbeiten zu lassen und ihnen weitere Kräfte zu rauben. Dieser Plan ging insofern auf, dass die Bonner zur Pause beim 24:33 (20.) noch lange nicht abgeschlagen waren.
Doch ein Problem zeichnete sich ab. Wechselte Pesic, gab es kaum einen Bruch, die Intensität blieb hoch. Wechselte Stankovic, kam teilweise zu wenig von der Bank. So blieb Zach Cooks blass, auch Alijah Comithier wählte nicht immer die beste Lösung. Spektakulär war der Alley-oop-Dunk von Wenyen Gabriel, der gleich zwei Etage höher stieg als Bonns Melvin Jostmann.
In der Pause wunderte sich Jeff Garrett über die fehlende Entschlossenheit, es besser als beim 55:83 im Hinspiel zu machen: „Wir sind gegen einen starken Gegner nicht effizient genug.“ Die fehlende Effektivität hatten beide Teams zu beklagen, zahlreiche „Fahrkarten“ waren die Folge.
In Zahlen: Nach 20 Minuten hatten die Gäste eine unterirdische Dreierquote von 7,7 Prozent (1/13) und eine Feldwurfquote von mageren 32,3 Prozent (10/31). Bonn verteidigte stark, Bayern einen Hauch besser.
Die Defense bestimmte auch im dritten Viertel das Geschehen. Die Baskets waren mit den Gedanken wohl noch in der Kabine und gerieten beim 24:35 (22.) erstmals zweistellig in Rückstand. Dann wachten die Bonner auf einmal auf und legten einen 8:0-Lauf zum 32:35 (25.) hin. Die Begegnung war wieder offen, auch wenn der Titelträger seinen kleinen Vorsprung behauptete (46:39, 30.).
Aufatmen bei den Bonner Fans: Center Kur Jongkuch bewies Trainingsfortschritte, bei Freiwürfen verzichtete er auf das Brett und verwandelte so einen von zwei Versuchen. Die Dreier blieben problematisch. Während die Bayern auf 5,3 Prozent (1/19) kamen, brachte es Bonn auf 5,56 Prozent (1/18).
Im Schlussabschnitt platzte der Knoten bei den Scharfschützen. Nachdem zuvor Basketball-Magerkost angesagt war, gesellten sich nun auch spielerische Momente hinzu. Mit einem sehenswerten Put-back-Dunk sorgte Garrett für Raunen im Publikum und das 50:53 (35.). Mit zwei erfolgreichen Distanzwürfen hielt Joel Aminu, effektivster Gäste-Akteur, sein Team im Spiel (55:59, 37.), wenig später gelang Cooks der Ausgleich zum 61:61 (38.).
Die Partie stand auf des Messers Schneide, doch die Führung blieb den Baskets verwehrt, sie konnten den Moment nicht für sich nutzen – auch nicht, nachdem Comithier das 63:63 nur 81 Sekunden vor Schluss erzielt hatte. Die Antwort gab Xavier Rathan-Mayes mit seinem einzigen Dreier, der die Entscheidung bedeutete. Im Gegenzug vergab Aminu aus der Distanz, auch aus dem folgenden Ballgewinn von Comithier konnten die Bonner kein Kapital mehr schlagen. Der letzte Wurf von Garrett aus dem Mittelkreis verfehlte das Ziel deutlich.
Die Baskets verpassten die Sensation nur knapp, obwohl sie den Favoriten 20 Punkte unter dessen Schnitt hielten: „Das war keine schöne Partie, niedrige Trefferquoten, auf beiden Seiten vermeidbare Ballverluste, aber wir haben einen Weg gefunden, bis zum Ende im Spiel zu bleiben. Damit können wir zufrieden sein. Um gegen Bayern zu gewinnen, musst du deine Fehler auf ein Minimum reduzieren und besser treffen. Wir müssen das als Lehre annehmen. Wir sehen die Entwicklung bei uns im Team. Auch wenn wir enttäuscht sind, müssen wir den Kopf oben behalten, in die Halle gehen und weiterarbeiten“, sagte Stankovic.
Am Samstag steht um 18.30 Uhr das Gastspiel bei den Riesen Ludwigsburg an.
Bonn (Punkte/Dreier): Garrett (15/1), Aminu (14/2), Comithier (12), Kessens (9), Murphy (4), Birts (3), Cooks (3), Heckmann (2), Jongkuch (1), Jostmann; Rebounds: 34 (Murphy 9); Assists: 14; Ballverluste: 12; Trefferquote Feld: 37,3 % (25/67); Dreierquote: 12,0 % (3/25).
Bayern (Punkte/Dreier): Obst (17/3), Gabriel (9), Giffey (7), da Silva (7), Rathan-Mayes (6/1), Jessup (6), Mike (4), Kratzer (4), Dimitrijevic (2), McCormack (2), Voigtmann (2); Rebounds: 41; Assists: 17 (Rathan-Mayes 6); Ballverluste: 19 (Obst 5); Trefferquote Feld: 39,3 % (22/56); Dreierquote: 14,3 % (4/28).
