Erster Titel für BasketsBonner gewinnen die Champions League mit 77:70 gegen Hapoel Jerusalem

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Männer mit Medaillen um den Hals jubeln. Eine Person hält beidhändig einen Pokal in die Luft.

Außer Rand und Band: Die Baskets jubeln nach der Siegerehrung, Leon Kratzer reckt den riesigen Pokal in die Höhe.

Schluss mit den Stichelein vom „ewigen Zweiten“. Im neunten Anlauf können die Telekom Baskets ihren ersten Titel feiern.

Endlich! Endlich können die Fans die verhassten Sticheleien vom „ewigen Zweiten“ mit einem breiten Siegerlächeln an sich abperlen lassen. Endlich ist das Trauma vom verlorenen fünften Finale 2009 in Oldenburg überlagert. Endlich kann dieser Verein mit seiner so besonderen Fan-Bindung seinen ersten Titel feiern – im neunten Anlauf.

Iisalo und Shorts liegensich weinend in den Armen

Denn nach acht zweiten Plätzen in der Meisterschaft und im Pokal gelang endlich der große Wurf: Die Telekom Baskets gewannen am Sonntagabend in Malaga das Finale der FIBA Champions League gegen Hapoel Jerusalem mit 77:70 (14:7, 23:21, 20:27, 20:15). Sie sind damit Nachfolger von Teneriffa, das gegen Malaga im spanischen Duell um Platz drei mit 84:79 die Oberhand behielt.

Die Szenen nach Spielende werden sich bei allen Beobachtern im Gedächtnis einbrennen: Auf den Tribünen Hunderte von Bonner Fans hin- und hergerissen zwischen euphorischem Jubel und Weinkrampf – die hochdramatische Partie mit ihrem quälenden Auf und Ab hatte sie nervlich alle Reserven gekostet, jetzt entlud sich alles in einem kollektiven Meer von Freudentränen.

Das galt auch für die beiden Heroen der Mannschaft: Cheftrainer Tuomas Iisalo und Aufbauspieler TJ Shorts ließen ihren Tränen freien Lauf, als sie mitten auf dem Spielfeld lange in inniger Umarmung verharrten. Beide waren als bester Trainer und wertvollster Spieler (MVP) der Champions League-Saison ausgezeichnet worden, Shorts zudem als MVP des Finales: „Das sind Momente, für die jeder Basketballer lebt, ich habe schon als kleiner Junge davon geträumt“, sagte Shorts später.

Sie haben beide für eine unglaubliche Atmosphäre gesorgt, die ich für den Rest meines Lebens nicht vergessen werde.
TJ Shorts, Aufbauspieler der Telekom Baskets

Er hatte auch gleich die Fans im Blick, von denen 500 in Malaga vor Ort waren, 1400 verfolgten die Partie im Public Viewing im Telekom Campus in Beuel. „Sie haben uns unglaublich unterstützt“, bekräftigte Shorts, der aber auch den Auftritt der Hapoel-Anhänger würdigte: „Sie haben beide für eine unglaubliche Atmosphäre gesorgt, die ich für den Rest meines Lebens nicht vergessen werde.“

Im Finale konnten sich die Baskets nach einer Abwehrschlacht im ersten Viertel (14:7) bis auf 16 Punkte lösen (30:14, 15.). Angeführt von ihrem Topscorer Levi Randolph, der in den folgenden neun Minuten 16 seiner 27 Punkte erzielte, kommt Jerusalem aber wieder auf zwei Zähler heran (39:37).

Baskets kämpfen bis zum Umfallen

Es folgt ein nervenaufreibendes Spielchen: Die Baskets können den Abstand immer wieder (insgesamt achtmal) auf sieben Punkte erhöhen, jedes Mal kontert Hapoel vor allem dank seiner Reboundüberlegenheit (41:34) und verkürzt mal auf einen Punkt (46:45), mal auf vier Punkte (68:64). Aber einen Ausgleich oder eine Jerusalemer Führung lassen die bis zum Umfallen kämpfenden Baskets nicht zu.  

Matchwinner ist einmal mehr TJ Shorts mit einer 29-Punkte-Gala.Von Sebastian Herrera (11) und Javontae Hawkins (13) kommt die meiste Unterstützung. Das letzte Zittern auf den Rängen beendet Shorts mit vier sicheren Freiwürfen in den Schlusssekunden. Mit Blick auf das schon am Mittwoch (19 Uhr, Telekom Dome) beginnende Play-off-Viertelfinale gegen Chemnitz sagte Shorts: „Der Marathon geht weiter, aber heute Nacht werden wir nur feiern.“

Mittwoch startet schondas Play-off-Viertelfinale

Coach Iisalo verriet, was der Titel für ihn persönlich bedeutet: „Ich war ein durchschnittlicher Spieler und habe nie etwas gewonnen. Jetzt habe ich das erste Mal etwas gewonnen. Das ist etwa Einzigartiges, das einen Platz in den Geschichtsbüchern haben wird. Das kann uns keiner mehr nehmen.“

Baskets (Punkte/3er): Shorts (29/3), Ward (8), Kessens (1), Herrera (11/3), Malcolm (8), Hawkins (13/1), Kratzer, Williams (4), Delany (3/1); Rebounds: 34 (Malcolm 6, Kratzer 6); Assists: 12 (Shorts 3); Trefferquote Feld: 41 % (26/63); Dreierquote: 31 % (8/26); Freiwurfquote: 77 % (17/22).

Jerusalem (Punkte/3er): Carrington (9/1), Randolph (27/2), Smith (7/1), Mejeris (12/2), Segev, Brown, Blayzer (5/1), Hankins (7), Cornelius (3/1); Rebounds: 41 (Hankins 10); Assists: 10 (Smith 5); Trefferquote Feld: 42 % (23/55); Dreierquote: 35 % (8/23); Freiwurfquote: 62 % (16/26).

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