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GastbeitragWarum der VfL Gummersbach wieder oben mitmischt

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Opel Handball Bundesliga, VfL Gummersbach - HBW Balingen-Weilstetten, 01.11.2026 Bertram Obling VfL Gummersbach 16 bejubelt seine Parade. Opel Handball Bundesliga, VfL Gummersbach - HBW Balingen-Weilstetten, 01.11.2026 *** Opel Handball Bundesliga, VfL Gummersbach vs. HBW Balingen Weilstetten, November 1, 2026: Bertram Obling of VfL Gummersbach No. 16 is celebrated for his save. Opel Handball Bundesliga, VfL Gummersbach vs. HBW Balingen Weilstetten, November 1, 2026 Copyright: xBEAUTIFULxSPORTS/Erlhofx

Der starke Torwart Bertram Obling ist einer der Garanten für den Aufschwung des VfL Gummersbach in der Handball- Bundesliga.

Gastautor Kai Wandschneider lobt den VfL Gummersbach für seine jüngste Leistungssteigerung und ordnet den Kampf um die Spitzenplätze in der Handball-Bundesliga ein.

Beim Handball bewahrheitet sich leider zu oft, dass man hinterher schon vorher (fast) alles genau gewusst hat. Nach einem Drittel der Saison jedenfalls blicken die „Big Four“, Magdeburg, Flensburg, Kiel und mit Abstrichen Berlin, auf den Rest der Liga herab, wie die vier in Stein gemeißelten US-Präsidenten vom Mount Rushmore auf die Weiten der „Great Plains“. Auch wenn die Füchse wackeln – unter anderem bei der Heimpleite gegen Lemgo – und bei ihrem „Wüstencup“-Desaster, dem „Super Globe“, bei dem sie mit Platz fünf viel Geld und noch mehr Körner liegen gelassen haben. Die Schwäche der Herausforderer deutet darauf hin, dass die „üblichen Verdächtigen“ auch im zehnten (!) Jahr in Folge die Meisterschaft unter sich ausmachen werden.

Rhein-Neckar-Löwen stürzen ab

Endgültig aus dem Kreis der „Big Player“ haben sich die Rhein-Neckar-Löwen verabschiedet, die unter dem Dach des Spezialisten für digitale Nervensysteme, SAP, seit Jahren vergeblich versuchen, dem „Heisenbug“ (Programmfehler) im Nervensystem ihrer Mannschaft auf die Spur zu kommen, der sie auf Platz 13 abstürzen ließ und zu rekordverdächtigen sieben Trainertrennungen in sieben Jahren geführt hat. Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, daran zu denken, dass ein Team kein Kalkül, sondern viel mehr ein Gefühl ist.

Das Maß aller Dinge bleibt die Balltransport-Maschine Magdeburg, deren Eins-gegen-Eins-Akrobaten verlustpunktfrei die Hauptrunde der Champions-League erreicht haben, in der Bundesliga die wenigsten Minuspunkte aufweisen und zuletzt mit dem Ex-Gummersbacher Unterschiedstorhüter Dominik Kuzmanovic den Matchwinner beim Start-Ziel-Sieg in der Ostwestfalen-Hölle Lemgo stellten. Auch der THW Kiel „Reloaded“ profitiert bei seiner „Wiederauferstehung“ mit Julian Köster von einem in Gummersbach zum Führungsspieler gereiften „Energizer“. Für die „Zebras“ als Meister spricht, dass sie keine Europapokal-Zusatzbelastung haben. Den 100-Meter-Lauf gewinnt nicht derjenige, der am schnellsten wird, sondern derjenige, der am langsamsten langsamer wird.

Disziplinierte Flensburger

Die traditionell skandinavisch geprägten Flensburger folgen dem Verhaltenskodex „Janteloven“, der zur kollektiven Bescheidenheit mahnt und jeden Spieler dazu auffordert, seine Fähigkeiten auf dem Altar der Mannschaft zu opfern. Sie sind bisher so diszipliniert, dass den Nordlichtern trotz langer Ausfallzeiten ihrer Rückraum-Linkshänder durchaus zuzutrauen ist, an Weihnachten ganz oben von der Spitze der Nordmanntanne zu leuchten. Umso höher ist es einzuschätzen, dass der vom Verletzungspech arg gebeutelte und mit sich selbst hadernde VfL Gummersbach den Wikingern die erste Saison-Niederlage beigebracht hat.

Der 31:30-Befreiungsschlag ist der erste große Sieg nach dem Abgang von Kuzmanovic und Köster. Seine Bedeutung ist immens, weil man jetzt weiß, was man vorher nur geglaubt hat: An einem sehr guten Tag kann man jeden schlagen! Aber genauso wichtig ist die Erkenntnis, dass man mit einer veränderten Spielweise, einem starken Obling im Tor und dem überzeugenden „Comebacker“ Hallbäck in der Lage ist, Göppingen auswärts zu demontieren und den unbequemen Aufsteiger Balingen mit dem höchsten Saisonsieg in Schach zu halten.

Gummersbach stark verbessert

Innerhalb von nur einer Woche hat sich das Sigurdsson-Team damit am eigenen Schopf aus dem Mittelmaß gezogen und den Einstieg zum Monument der vier Titelfavoriten gefunden. Mein Tipp ist: Die Entscheidung um Platz fünf – falls Berlin weiter bröckelt, auch um Platz vier – fällt zwischen Lemgo und Gummersbach. Das Team von Florian Kehrmann ist eingespielter und hat deshalb die Nase beim „Selbstverständnis“ vorn. Der VfL hat die besseren Einzelkönner, aber braucht noch Zeit für die Abstimmung untereinander. Beiden Teams gemeinsam ist ihre Unerbittlichkeit, ihre Unbeirrbarkeit und Selbstdisziplin. Das liegt an den beiden Trainern, die den „Willen zur Macht“ zügeln und darauf achten, dass jeder Spieler will, was er macht, und nicht macht, was er will.

Ihr Selbstverständnis, das „Wofür stehen wir!?“, auf dem Spielfeld sprechen lassen will auch die DHB-Auswahl bei den heute startenden Qualifikationsspielen für die EM 2028. Bei allem Respekt für die tapferen Handballer aus Belgien und der Slowakei, diese Quali-Spiele sind nicht viel mehr als eine Einnahmequelle für die Verbände, das Zelebrieren der Event-Kultur bei gleichzeitiger sportlicher Ereignislosigkeit, oder wie DHB-Sportdirektor Ingo Meckes es formuliert: „Gelegenheit zu testen“. Der Modus hat schon seine eigene Folgenlosigkeit im Programm, wenn Welten zwischen Deutschland und den anderen Teilnehmern liegen, und auch, wer den dritten Gruppengegner Italien als Herausforderung bezeichnet, handelt mit Zitronen. Somit reicht auch Stanislawskis „Dreisatz“: „Reinhauen, Umhauen, Abhauen!“ als Masterplan.

Der ehemalige Trainer der HSG Wetzlar, Kai Wandschneider, als Experte bei Sky, Einzelbild, Aktion, Action, Porträt, Portrait, 12.09.2021, Mannheim Deutschland, Handball, Bundesliga, Rhein-Neckar Löwen - SC Magdeburg *** The former coach of HSG Wetzlar, Kai Wandschneider, as an expert on Sky, single image, action, action, portrait, portrait, 12 09 2021, Mannheim Germany , Handball, Bundesliga, Rhein Neckar Löwen SC Magdeburg xozx

Kai Wandschneider (67) wohnt in Köln und wurde 2013 und 2017 zum „Trainer der Saison“ in der Handball-Bundesliga gewählt. Er coachte von 2012 bis 2021 die HSG Wetzlar und entwickelte den Klub zur Überraschungsmannschaft der Liga.