Nachdem Deutschland gegen Paraguay ausgeschieden war, erlebten nun auch die Franzosen die Spielweise des südamerikanischen Teams. Ein Experten-Duo äußerte sich nach der Partie empört.
„Widerlicher Fußball“Moderator fällt vernichtendes Urteil über Paraguay

Matías Galarza fiel gegen Frankreich durch die ein oder andere unsportliche Aktion auf.
Copyright: IMAGO/Passion2Press
Deutschland-Bezwinger Paraguay ist bei der WM ausgeschieden. Im Achtelfinale unterlag die südamerikanische Auswahl dem Mitfavoriten Frankreich in einer umkämpften Begegnung mit 0:1. Ein von Kylian Mbappé verwandelter Strafstoß (70.) brachte die Entscheidung für die Équipe Tricolore gegen einen hartnäckigen Kontrahenten.
MagentaTV-Moderator und Taktik-Experte Jan Henkel geriet nach dem Abpfiff an der Seite von Ex-Schiedsrichter Patrick Ittrich angesichts der Spielweise der Albirroja regelrecht in Rage.
Experten-Duo kritisiert Spieler Matías Galarza scharf
„Ich brauche Patrick“, begann Henkel seine Analyse. „Bei solchen Sachen werde ich emotional und rege mich tierisch drüber auf. Das ist ein widerlicher Fußball, ich mag es nicht.“ Ittrich zeigte sich angesichts der Vorgehensweise Paraguays ebenfalls konsterniert. „Ich habe auch das ganze Spiel nur mit dem Kopf geschüttelt, muss ich sagen“, teilte der langjährige Bundesliga-Referee mit.
Anhand einiger Szenen demonstrierten Henkel und Ittrich, wie unfair der Bezwinger des deutschen Teams ihrer Meinung nach agiert habe und wie überfordert der usbekische Unparteiische Ilgiz Tantashev ihrer Einschätzung nach gewesen sei.
Sie starteten mit einer Aktion von Matías Galarza, der vor dem Elfmeter von Mbappé den Strafstoßpunkt mit seinen Stollen manipulierte. Solche Aktionen sind auch aus der Bundesliga bekannt. Im Dezember 2015 trat Torwart Marwin Hitz im Kölner Stadion auf dem Punkt herum – der Stürmer des FC, Anthony Modeste, rutschte anschließend tatsächlich aus und verschoss.
Auch der von Leverkusen an Wolfsburg ausgeliehene Verteidiger Jeanuel Belocian war in der vergangenen Saison mit dieser Methode erfolgreich und störte damit niemand Geringeren als Harry Kane, der zum ersten Mal in seiner Bundesliga-Laufbahn vom Punkt scheiterte.
Henkel war dennoch außer sich. „Den habe ich je gefressen“, sagte er über Paraguays Mittelfeldspieler Galarza. „Das ist unfair. Das ist unsportlich.“ Ittrich rügte in diesem Zusammenhang den Assistenten, der die beste Sicht auf die Situation hatte und dem Schiedsrichter einen Hinweis hätte geben müssen, damit dieser Galarza die Gelbe Karte zeigt. „Es ist auch ein Team dafür da, dem Schiedsrichter mal aufs Pferd zu helfen, wenn er das selber nicht kann“, so Ittrich. „Und der hatte das Spiel überhaupt nicht im Griff, der Schiedsrichter aus Usbekistan“, urteilte Henkel.
Schiedsrichterleistung die „schlechteste bei dieser WM“
Er echauffierte sich zudem darüber, dass Paraguay im gesamten Spiel keine einzige Verwarnung erhielt, Frankreich hingegen drei. Dass die Südamerikaner dem Referee durchaus Anlass für Karten gegeben hatten, wurde im Anschluss anhand diverser Szenen belegt. Für einen Schlag von Galarza gegen Mbappé hätte es laut Ittrich sogar Rot geben können, auch wenn er einräumte, dass „vielleicht die Brutalität“ fehlte: „Trotzdem mindestens Gelb.“
Nach Aussage des ehemaligen Schiedsrichters habe Tantashev die Dinge „viel, viel zu lange alles schleifen lassen“. Sein hartes Fazit: „Für mich die schlechteste Leistung bei dieser WM.“
Das Duo regte sich jedoch vor allem über Galarza auf, der schon während des Deutschland-Spiels von MagentaTV-Kommentator Wolff Fuss kritisiert worden war. „Immer der Sportkamerad Galarza dabei, der hätte für mich gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen“, schimpfte Ittrich in einer ähnlichen Weise wie Fuss bei der Partie gegen Deutschland.
Gegen die DFB-Auswahl war Galarza unter anderem durch seine Theatralik nach einem leichten Schubser von Joshua Kimmich aufgefallen. Nun provozierte er auf eine ähnliche Weise eine Gelbe Karte für den Bayern-Star Michael Olise. „Jetzt pass auf, das ist die Krönung. Da kriegt am Ende Olise die Gelbe Karte“, echauffierte sich Henkel. „Der macht gar nichts. Der sagt, du sollst leise sein. Und dann lässt er sich einfach fallen“, sagte Ittrich. „Das ist unfassbar“, erwiderte Henkel.
Dass „der Bursche auch noch so frech“ (Henkel) war, nach Spielende zum Schiedsrichter zu gehen und sich zu beklagen, setzte für die beiden dem Ganzen die Krone auf. „Also, worüber beschweren die sich eigentlich? Ich verstehe es nicht. Das ist wahrscheinlich in der DNA irgendwie ein bisschen festgelegt. Ich habe keine Ahnung. Ich verstehe es nicht“, sagte Ittrich. „Emotionalität hin und her, das gehört zum Fußball dazu. Alles schön und gut. Aber als Schiedsrichter hast du das Spiel zu managen. Das ist hier komplett in die Hose gegangen.“
Ein Paraguayer erhielt am Ende dann doch noch eine Verwarnung: der Co-Trainer, weil er sich ebenfalls beim Unparteiischen beschwerte. „Unfassbar“, wiederholte Henkel. „Ich muss mich ein bisschen beruhigen.“ (red)

