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„Sollte keine Überraschung sein“Fifa äußert sich zu aberkanntem Tor von Jonathan Tah

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Torhüter Orlando Gill (Paraguay) und Waldemar Anton (Deutschland, Nr.3) stoßen vor dem Tor zusammen.

Torhüter Orlando Gill (Paraguay) und Waldemar Anton (Deutschland, Nr.3) stoßen vor dem Tor zusammen. Das anschließende Kopfballtor von Jonathan Tah wurde vom Schiedsrichter aberkannt.

Der Eingriff des VAR gegen Waldemar Anton im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay war nach Ansicht des Weltverbands regelkonform. In Deutschland stoßen die Erklärungen auf Unverständnis.

Das Tor, das Deutschland die WM kostete, bleibt umstritten. Doch Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina sieht die Entscheidung des Videoassistenten klar: Jonathan Tahs Kopfballtor in der Verlängerung gegen Paraguay durfte nicht gelten – wegen Waldemar Anton.

Der Dortmunder Abwehrspieler habe Torhüter Orlando Gill entscheidend behindert, argumentiert Collina. „Trainer und Spieler wurden darüber informiert. Daher sollte es keine Überraschung sein, wenn Schiedsrichter solche Vergehen ahnden“, wird der italienische Referee-Experte in einem Fifa-Statement zitiert.

Pierluigi Collina über Anton-Aktion: „Kein Interesse am Ball“

Nach einer Ecke hatte Tah in der 102. Minute zum vermeintlichen 2:1 per Kopf eingeköpft. Tatiana Guzman, die Videoassistentin, lenkte Schiedsrichter Jalal Jayed auf einen kritischen Moment: Anton soll Gill blockiert haben, der Torwart konnte nicht frei arbeiten. Der Unparteiische schaute sich die Szene an und entschied: Foul. Kein Tor.

Der 61-Jährige präzisiert die Regel: Positionen einnehmen ist erlaubt. Aber nicht das. „Wenn ein Angreifer kein Interesse am Ball hat und sich absichtlich – selbst minimal – bewegt, um die Abwehr zu behindern, müssen Schiedsrichter eingreifen“, erklärt Collina. Besonders dann, „wenn diese Taktik den gegnerischen Torwart am Verteidigen hindert.“

Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina

Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina verteidigt die Entscheidung des Videoassistenten, das Kopfballtor von Jonathan Tah zurückzunehmen.

Anton wird in der Stellungnahme nicht namentlich genannt – doch die Fifa schmückt ihren Text mit einem großen Foto der strittigen Szene aus, auf dem der Körperkontakt grafisch hervorgehoben wird.

Der Torschütze selbst hatte in der Aufarbeitung gefasst gewirkt: „Es bringt nichts, darüber zu diskutieren. Wir müssen uns an die eigene Nase packen.“

Anders sah es Patrick Ittrich. Der Ex-Referee hält die Entscheidung für falsch. „Für mich ist das zu kleinlich“, sagte er bei „MagentaTV“. „Natürlich gibt es einen Kontakt, aber ich sehe kein Wegstoßen, kein Wegdrücken, kein Festhalten.“ Der Schiedsrichter-Experte ergänzt mit Blick auf den VAR die zentrale Kritik: „Insofern ist es keine klare Fehlentscheidung und dieser Eingriff nicht gerechtfertigt.“

Ittrich reiht sich damit in eine lange Liste von Kritikern ein. Ex-Referee Thorsten Kinhöfer nannte die Entscheidung im ZDF „absolut nicht nachvollziehbar“. Bundestrainer Julian Nagelsmann war deutlicher: „Das ist nicht nur ein Skandal, das ist ein Vollskandal!“ (oke/sid)