Madonna, BTS, Justin Bieber, Shakira – zeitweise wirkte es beim WM-Finale so, als würde der Sport an den Rand gedrängt.
WM-Halbzeitshow mit Superstars„Es war Mist“ – Rooney kennt keine Gnade mit Madonna und Co.

Sängerin Madonna tritt beim WM-Finale am Sonntag (19. Juli) mit den Ex-Fußballern Ronaldinho (l.) und Ronaldo bei der Halbzeitshow auf.
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Mit der Weltmeisterschaft 2026 ist die Amerikanisierung des Fußballs massiv vorangeschritten – nicht zur Begeisterung aller Fans und Experten. Zunächst einmal mussten sich die europäischen Zuschauerinnen und Zuschauer daran gewöhnen, dass die allermeisten Spiele in den gigantischen US-Football-Tempeln stattfanden. Riesige Videoleinwände und blinkende LEDs an den Zuschauerrängen sind hier an der Tagesordnung.
Die Kommerzialisierung spielte eine noch größere Rolle als noch bei Weltmeisterschaften in den Vorjahren: Die Unterbrechungen der Halbzeit durch die „Hydration Break“ hatten zwar offiziell gesundheitliche Gründe, boten aber vor allem Möglichkeiten zur Einblendung von Werbung. Zu allem Überfluss wurde der WM-Pokal am Sonntag im maßgeschneiderten Luxuskoffer des Sponsors Louis Vuitton präsentiert.
Völlig neu war auch die Einführung von wertvollen Weltmeisterringen für die Spanier und für zahlungskräftige Fans. Diese Ringe waren bislang nur in den großen nordamerikanischen Sportligen wie NFL, NBA, Major League Baseball und NHL üblich.
Gigantische Halbzeit-Show in New York
Vor allem aber war es der Show-Faktor, der bislang einmalig in der Geschichte der Weltmeisterschaft ist. Musik und Unterhaltung im Rahmen der Fußballspiele spielten eine viel größere Rolle – teilweise auch auf Kosten des Sports. Auf die Spitze getrieben wurde dies in der Halbzeit des Finales zwischen Spanien und Argentinien. Fast 30 Minuten mussten die Spieler warten, bis die zweite Halbzeit angepfiffen wurde.
Dazwischen verwandelte sich das MetLife Stadium in eine Showbühne mit einem Star-Aufgebot der Superlative. Die K-Pop-Stars von BTS, Madonna, Justin Bieber, Shakira, Burna Boy, die Muppets und der venezolanische Dirigent Gustavo Dudamel performten. Zwölf Minuten lang heizten die Stars bei der ersten Show dieser Art der WM-Geschichte zusätzlich ein – Vorbild war hier ganz offensichtlich die Halftime Show des Super Bowl.
Ronaldo und Ronaldinho fahren Madonna
Immerhin durften zwei Weltmeister von 2002 mitmachen, wurden allerdings eher zu Randfiguren degradiert. Brasiliens Superstars Ronaldo und Ronaldinho fungierten als Chauffeure für Madonna, mit der sie dann auch zusammen auf der Bühne standen. Gekleidet waren die beiden in leuchtenden Sportanzügen, die nicht eben vorteilhaft wirkten. In einigen Kommentaren war von „Teletubbies“ die Rede.
Die Reaktionen des Publikums reichten von Begeisterung bis hin zu leichten Fremdschäm-Effekten, wie auch bei einigen TV-Kommentatoren deutlich wurde. So sagte im Schweizer Fernsehen der Experte Mladen Petric im Studio: „Das ganze Bild meiner beiden Idole wurde zerstört. Jetzt habe ich sie nur noch so vor Augen. Da ist etwas kaputtgegangen.“
Während Ronaldinho (in Gelb) relativ regungslos neben Madonna stand, machte Ronald (in Blau) unentschlossene Versuche, sich zu bewegen. „Als wenn sie dich in der Disco zum Tanzen auffordern und du einfach nur an der Bar mit deinem Drink in der Hand stehen willst“, heißt es spöttisch in einem spanischsprachigen Kommentar.
Rooney findet deutliche Worte für Show
Auch bei anderen ehemaligen Profis kam die Show nicht gut an. In Großbritannien äußerte sich Wayne Rooney wie üblich sehr direkt und ungefiltert. „Ich mag viele der Künstler – aber ich finde, es war Mist“, lautete das harsche Urteil von Englands Fußball-Ikone beim Sender BBC, wo Rooney (40) gemeinsam mit den Ex-Profis Micah Richards (38) und Joe Hart (39) das Endspiel begleitete.
Auf die Frage, was sein Lieblingsmoment des Musikspektakels gewesen sei, sagte Rooney, während im Hintergrund „Macarena“ aus den Boxen dröhnte: „Ich bin ehrlich, meiner war, als es vorbei war“. „Es hat mich einfach nicht mitgerissen, und ich wollte, dass der Fußball wieder losgeht“, so der Ex-Profi. Richards dagegen bezeichnete seinen TV-Kollegen Rooney für seine Einschätzung lachend als „miesepetrig“ und lobte Sängerin Shakira sowie Afrobeat-Star Burna Boy als seine Höhepunkte.
Roy Keane ist auch nicht begeistert – ironischer Kommentar von Klopp
Die irische Ikone Roy Keane drückte seine Kritik diplomatischer aus. „Es war zwar ein kleiner Reinfall“, sagte der 54-Jährige bei ITV, „aber ich glaube, die Leute im Stadion hatten wahrscheinlich mehr Spaß daran als wir.“ Es sei zumindest immer schön, Shakira zu sehen, so Keane.
Der frühere englische Nationalkeeper Joe Hart fand immerhin Gefallen an den Auftritten der Fußball-Legenden und Weltmeister von 2002, Ronaldo und Ronaldinho.
Die deutschen TV-Experten äußerten sich unentschieden über das zwölf Minuten lange Event im Event. „Ich liebe es ja, wenn Kunst, Kultur, Musik und Sport aufeinandertreffen. Also mein Herz ist voll“, sagte Tabea Kemme bei MagentaTV.
Der kommende Bundestrainer Jürgen Klopp konstatierte wegen der wenigen sportlichen Höhepunkte im Spiel: „Die Highlights der ersten Hälfte haben in der Halbzeit stattgefunden. Es war großartig.“ Christoph Kramer dagegen fand im ZDF weniger Gefallen. Er glaube, „dass sich der Fußball schweren Herzens daran gewöhnen muss“, sagte der Weltmeister von 2014: „Ich persönlich mag es nicht so.“ (mit sid)
