Kommunen und private Eigentümer sitzen auf ungenutzten Potenzialen – Neue baurechtliche Spielräume und Förderinstrumente ebnen den Weg.
Wohnen im AlterWarum die Immobilienbranche jetzt handeln sollte

Seniorengerechtes Wohnen verdient eine hohe Aufmerksamkeit.
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Deutschland altert rasant. Allein in Köln wird die Zahl der über 80-Jährigen bis 2050 um rund 34 Prozent steigen, der Bedarf an Pflegeplätzen wächst von gut 7.200 auf über 11.600. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich bundesweit. „Wohnen im Alter“ wird oft noch mit klassischen Pflegeheimen verbunden. Dabei hat sich die Lebenswirklichkeit verändert: Ältere Menschen wollen möglichst lange selbstbestimmt in einer normalen Wohnumgebung leben – mit bedarfsgerechter Unterstützung vor Ort. Servicewohnen, betreute WGs, Tagespflege oder ambulant versorgte Quartierswohnungen stehen für diese Entwicklung. Sie setzen auf Wahlfreiheit statt Rundumversorgung – benötigen aber geeignete Flächen. Gleichzeitig bleibt der allgemeine Wohnraumbedarf hoch. Seniorengerechtes Wohnen verdient dennoch hohe Aufmerksamkeit, zumal die Rahmenbedingungen aktuell günstig sind.
Die Politik reagiert – Köln macht es vor
Dass das Thema in der Stadtentwicklung angekommen ist, zeigt ein aktueller Ratsbeschluss der Stadt Köln. Seit September 2025 werden Pflegeeinrichtungen und Servicewohnen bei der Vergabe städtischer Grundstücke ausdrücklich privilegiert, bei Großprojekten ab 500 Wohneinheiten ist die Planung vollstationärer Dauerpflege sogar verpflichtend. Das Signal ist klar: Seniorengerechtes Wohnen ist Bestandteil moderner Quartiersentwicklung. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Potenziale zu nutzen und Projekte voranzubringen“, sagt Béla Gehrken, Fachanwalt für Verwaltungsrecht bei Lenz und Johlen.

Béla Gehrken, Fachanwalt für Verwaltungsrecht bei Lenz und Johlen.
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Erhebliche Potenziale im Bestand
Unterschätzt wird häufig, welche Möglichkeiten bereits vorhandene Gebäude und Flächen bieten. Drei Beispiele: Leerstehende Einzelhandelsflächen in den Innenstädten, wo der stationäre Handel unter dem Onlinehandel leidet und ganze Straßenzüge veröden. Seniorengerechtes Wohnen kann hier doppelt wirken – ältere Menschen wollen mittendrin leben und sie bringen Kaufkraft und Leben zurück in die Zentren. Freiwerdende Krankenhäuser, die im Zuge der laufenden Krankenhausreform ihre bisherige Nutzung verlieren. Die vorhandene Infrastruktur und die oft zentrale Lage machen sie zu idealen Kandidaten für Pflege- und Wohnkonzepte. Leerstehende Büro- und Gewerbeflächen, die sich vom Servicewohnen über betreute Wohngemeinschaften bis hin zu Tagespflegeeinrichtungen umnutzen lassen.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Potenziale zu nutzen und Projekte voranzubringen.
Der Wohnungsbauturbo als Beschleuniger
Die Realisierung solcher Vorhaben ist bisweilen zeitaufwändig und komplex. Doch der Gesetzgeber hat die Hürden zuletzt deutlich gesenkt. Mit dem seit Oktober 2025 geltenden § 246e BauGB können Gemeinden bis Ende 2030 von planungsrechtlichen Vorgaben abweichen, wenn Wohnraum geschaffen wird. Ergänzend wurden die Befreiungsmöglichkeiten in bestehenden Bebauungsplänen und im unbeplanten Innenbereich erweitert. Ein langwieriges Bebauungsplanverfahren ist damit in vielen Fällen entbehrlich. „Die neue Fristenregelung ist Anreiz und Verpflichtung zugleich. Wenn Verwaltung und Praxis zusammen anpacken, kann der Bau-Turbo tatsächlich als greifbare Beschleunigung wirken“, sagt Dr. Mahdad Mir Djawadi, Fachanwalt für Verwaltungsrecht bei Lenz und Johlen.

Dr. Mahdad Mir Djawadi, Fachanwalt für Verwaltungsrecht bei Lenz und Johlen.
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Ganzheitliche Beratung als Schlüssel
Gerade weil öffentliches Bau- und Planungsrecht, Fördermittelrecht, Brandschutz, Heimrecht, Vertragsgestaltung, Steuerrecht und Finanzierung hier unmittelbar ineinandergreifen, ist eine interdisziplinäre rechtliche Beratung entscheidend. Wer die verschiedenen Fäden frühzeitig zusammenführt, vermeidet Reibungsverluste, nutzt Fördermöglichkeiten optimal und bringt Projekte zügig in die Umsetzung. Die Potenziale sind enorm. Wer sie jetzt erkennt, kann dringend benötigten Wohnraum für Seniorinnen und Senioren schaffen und zugleich brachliegende Immobilien einer sinnvollen, zukunftsfähigen Nutzung zuführen.
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Lenz und Johlen Rechtsanwälte Partnerschaft mbB
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