Abo

Update

Waldbrand in der Wahner Heide
200 Einsatzkräfte kämpften gegen Feuer – Gefahr durch Kampfmittel

6 min

Zwei Tage hat in der Wahner Heide ein mutmaßlich mit Kampfmitteln belastetes Waldstück gebrannt. Mehr als 200 Feuerwehrleute  und ein Hubschrauber waren im Einsatz.

Immer wieder zieht der Polizeihubschrauber seine Kreise über der Wahner Heide. An einem langen Seil schwebt ein orangefarbener Wasserbehälter, der sogenannte „Bambi Bucket“, unter dem Helikopter.

Knapp 900 Liter Wasser nimmt er an einem eigens aufgebauten Wasserbecken der Feuerwehr Rösrath auf, wenige Augenblicke später regnet es über einem Waldstück nieder, das die Feuerwehr selbst nicht betreten darf. Denn unter dem brennenden Waldboden könnte noch immer Munition aus der Zeit liegen, als die Wahner Heide zwei Jahrhunderte Truppenübungsplatz war. Auch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg wird auf dem Areal noch vermutet.

Hubschrauber im Einsatz

Derzeit kann das Feuer allein aus der Luft von einem Polizeihubschrauber mit wassergefülltem „Bambi Bucket“ bekämpft werden.

Polizei und Feuerwehr stehen auf einem Weg in der Wahner Heide.

Das brennende Waldstück in der Wahner Heide ist weiträumig abgesperrt. Kampfmittel lauern dort im Boden und erschweren die Brandbekämpfung erheblich.

Seit dem frühen Montagabend (6. Juli) kämpft die Feuerwehr Rösrath gemeinsam mit zahlreichen Einsatzkräften aus dem gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis gegen einen Vegetationsbrand im Stadtteil Brand. Die Polizei hat den Brandort weiträumig abgesperrt. Gegen 17 Uhr war der Feuer- und Rettungsleitstelle eine zunächst unklare Rauchentwicklung gemeldet worden.

Kampfmittel verhindern direkten Löscheinsatz vom Boden aus

Nach Informationen dieser Zeitung soll eine Rettungshubschrauberbesatzung den Brand als erste bemerkt haben. Die Flughafenfeuerwehr alarmiert die Leitstelle des Rhein-Sieg-Kreises, von dort geht die Meldung unmittelbar an die Leitstelle des Rheinisch-Bergischen Kreises in Bergisch Gladbach weiter.

Rauchentwicklung im brennenden Wald der Wahner Heide.

Wegen der unklaren Munitionsbelastung im Boden darf das brennende Waldstück nicht betreten werden.

Als die ersten Feuerwehrleute eintreffen, steht eine rund 500 Quadratmeter große Waldfläche in Flammen. Schnell ist klar: Die eigentliche Herausforderung ist nicht das Feuer – sondern der Untergrund.

Ohne Munitionsbelastung wäre das wohl innerhalb weniger Stunden gelöscht.
Felix Schädlich, Sprecher der Feuerwehr Rösrath

„Ohne Munitionsbelastung wäre das wohl innerhalb weniger Stunden gelöscht“, sagt Feuerwehrsprecher Felix Schädlich. Weil jedoch nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich im Boden noch Kampfmittel befinden, dürfen die Einsatzkräfte das Brandgebiet aus Sicherheitsgründen nicht betreten. „So werden uns die Löscharbeiten wohl noch weit bis in den Dienstag beschäftigen.“

Ein „Bambi Bucket“ liegt im Vordergrund auf einer Wiese. Ein Polizeihubschrauber bringt es mit Wasser gefüllt über das brennende Waldgebiet. Im Hintergrund ist das Faltbecken zu sehen, aus dem nachgefüllt wird.

Knapp 900 Liter Löschwasser fasst das „Bambi Bucket“ im Vordergrund, das ein Polizeihubschrauber dann über dem brennenden Waldgebiet ausleert. Im Hintergrund: das Faltbecken, aus dem nachgefüllt wird.

Die Feuerwehr setzt zunächst auf eine aufwendige Taktik aus der Distanz. Bis zum Einbruch der Dunkelheit fliegt ein Hubschrauber der Polizei NRW rund 20 Einsätze mit dem „Bambi Bucket“. Unweit der Ortschaft Hasbach hat die Feuerwehr einen 20.000 Liter fassenden Faltbehälter aufgebaut, aus dem der Helikopter immer wieder Wasser in seinem an einem langen Seil befestigten „Bambi Bucket“ aufnimmt.

Hubschrauber der Polizei bremst aus der Luft die Flammen bei Waldbrand

„Dadurch ist es gelungen, den Brand deutlich einzudämmen“, sagt Einsatzleiter und Feuerwehrchef Bastian Eltner am späten Montagabend. Mit Einbruch der Dunkelheit müssen die Flüge jedoch eingestellt werden. Sollte es erforderlich sein, soll der Hubschrauber am Dienstagmorgen erneut starten.

Auf einer Einsatzkarte ist das brennende Waldstück eingezeichnet.

Blick auf eine Einsatzkarte: Südlich des Busenbergs (blauer Punkt) brennt der Wald in der Wahner Heide.

Parallel hat die Feuerwehr weitere Maßnahmen vorbereitet. Die Feuerwehr Rösrath hat eine sogenannte Kreisregnerkette vorbereitet. Dabei handelt es sich um lange Schläuche mit zwischengeschalteten Sprenklern mit bis zu 20 Metern Reichweite, die von sicheren Waldwegen aus verlegt werden können und das Feuer großflächig bewässern. „Bislang war das nicht nötig, weil der Hubschrauber den Brand bereits erfolgreich eingedämmt hat“, erklärt Eltner. 

Der Schutz der Natur und der Eigenschutz unserer Einsatzkräfte stehen bei dieser Einsatzlage gleichermaßen im Fokus.
Bastian Eltner, Leiter der Feuerwehr Rösrath

Rund 200 Einsatzkräfte sind am Montagabend vor Ort. Unterstützung kommt aus dem gesamten Kreisgebiet. Neben dem Waldbrandzug der Feuerwehr Bergisch Gladbach helfen Feuerwehren aus Overath, Kürten, Burscheid, Odenthal und Leichlingen sowie die Flughafenfeuerwehr. Die Führungsunterstützung des Kreises koordiniert den Großeinsatz. Zeitweise übernimmt sogar die Feuerwehr Kürten den Grundschutz im Rösrather Stadtgebiet und besetzt das Feuerwehrhaus an der Schillerstraße, damit dort jederzeit mögliche weitere Einsätze abgearbeitet werden können.

Rotkreuzler geben Würstchen mit Brötchen aus.

Das Rote Kreuz verpflegt die Einsatzkräfte die ganze Nacht hindurch.

Die Einsatzzentrale mit dem Einsatzleitwagen (ELW) der Feuerwehr Rösrath und dem ELW des Kreises ist im Innenhof des Kinder- und Jugenddorfs Stephansheide eingerichtet. Rösraths Feuerwehrsprecher Felix Schädlich wird hier auch von seinen Bergisch Gladbacher Kollegen Elmar Schneiders und Simon Schwab unterstützt, als am Abend auch mehrere Fernsehteams vor Ort berichten wollen.

200 Einsatzkräfte  beim Waldbrand in der Wahner Heide

Das Deutsche Rote Kreuz versorgt die Einsatzkräfte. „Wir haben 250 Würstchen und Brötchen vorbereitet – und natürlich Getränke“, berichtet die Rösrather DRK-Vorsitzende Ingeborg Schmidt. Für den nächsten Morgen sind bereits weitere 300 belegte Brötchen bestellt.

Feuerwehrsprecher Felix Schädlich schaut auf den startenden Hubschrauber.

Interkommunale Zusammenarbeit: Bei der Medienarbeit wird Rösraths Feuerwehrsprecher Felix Schädlich am Montagabend von Kollegen aus Bergisch Gladbach unterstützt.

Mit Einbruch der Dunkelheit übernehmen Feuerwehrleute aus Nachbarstädten die Brandwache auf den sicheren Waldwegen rund um die Brandstelle. Das eigentliche Brandgebiet bleibt tabu. Ab 6 Uhr am Dienstag werden die Löscharbeiten fortgesetzt.

Brandwache übernimmt in der Nacht, am frühen Morgen geht es weiter

„Der Schutz der Natur und der Eigenschutz unserer Einsatzkräfte stehen bei dieser Einsatzlage gleichermaßen im Fokus“, betont Feuerwehrchef Bastian Eltner. „Solange eine Gefährdung durch mögliche Munition nicht ausgeschlossen werden kann, werden wir keine Einsatzkräfte in diesen Bereich schicken.“

Einsatzleitwagen beim Großeinsatz in Stephansheide.

Auch Verbindungsleute von Bundeswehr, Forst und anderen Stellen sind in engem Kontakt mit der Einsatzleitung.

Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nach Angaben der Feuerwehr aufgrund des aktuellen Waldbrands aktuell nicht. Wohnhäuser mussten nicht evakuiert werden. Lediglich Tiere in unmittelbarer Nähe der Brandstelle wurden von ihren Besitzern in Sicherheit gebracht. Auch Auswirkungen auf den Flugbetrieb des Flughafens Köln/Bonn gebe es bislang nicht, so Einsatzleiter Bastian Eltner.

Zahlreiche Glutnester in der Wahner Heide

Nach einer Unterbrechung der Löscharbeiten in der Nacht geht der Einsatz der Feuerwehr in der Wahner Heide am Dienstagmorgen (7.7.) weiter. Wie ein Sprecher der Feuerwehr Rösrath zunächst mitteilt, breiteten sich die Flammen über Nacht nicht weiter aus. Aufnahmen der Drohne des Informations- und Kommunikations-Einheit (IUK) des Rheinisch-Bergischen Kreises zeigen dann jedoch, dass sich die am Vortag noch mit 500 Quadratmetern angegebene Brandfläche nun auf rund 1600 Quadratmeter ausgeweitet hat.

Durch die Wärmebildkamera der Drohne des Kreises werden die Glutnester im Wald auf dem Bildschirm der Drohnenkamera sichtbar.

Durch die Wärmebildkamera der Drohne des Kreises werden die Glutnester im Wald auf dem Bildschirm der Drohnenkamera sichtbar.

Nun greift die Feuerwehr als Löschmittel auf einen sogenannten Kreisregner zurück. „Dieser kann 1000 Liter Wasser pro Minute abgeben“, erklärte der Sprecher. Die Anlage besteht aus mehreren Sprenklern, die entlang einer langen Schlauchleitung einmal um das brennende Waldstück gelegt werden. Es gebe weiterhin zahlreiche Glutnester, derzeit werde eine Wasserversorgung aufgebaut, sagt Feuerwehrsprecher Luca Meysing am Morgen.

Wasserleitung über anderthalb Kilometer in die Wahner Heide aufgebaut

Über 1,8 Kilometer baut die Feuerwehr Rösrath  ab 6 Uhr eine Wasserleitung in Richtung des brennenden Waldstücks auf. Dabei leistet ihr der erst jüngst von der Stadt Rösrath angeschaffte Schlauchwagen gute Dienst. Von ihm lassen sich zwei Kilometer B-Schläuche bei langsamer Fahrt abrollen. An mehreren Stellen werden Pumpen eingebaut, um den Druck in der Leitung aufrecht zu erhalten.

Feuerwehrleute verlegen von einem Schlauchwagen einen B-Schlauch zur Wasserversorgung der Einsatzstelle an einem Waldbrand in der Wahner Heide.

Anderthalb Kilometer Wasserversorgungsleitung werden zur Brandbekämpfung in die Wahner Heide verlegt.

Von dem letzten großen Hydranten auf Rösrather Stadtgebiet verlegen Feuerwehrleute eine Schlauchleitung zum Brandort in die Wahner Heide.

Von dem letzten großen Hydranten auf Rösrather Stadtgebiet verlegen Feuerwehrleute eine Schlauchleitung zum Brandort in die Wahner Heide.

Rund um die Brandstelle haben unterdessen andere Feuerwehrleute bereits die Kreisregneranlage zu mehr als der Hälfte ausgebaut. „In Abstimmung mit dem Bundesforst können wir jetzt Teile des Waldgebiets betreten“, sagt Einsatzleiter Eltner.

Brandstelle wird mit Wassersprenklern eingekreist

Gegen 9.30 Uhr wird die Anlage in Betrieb genommen, deren Sprenkler das Löschwasser bis zu 20 Metern in die Brandfläche hineinkatapultieren können. Bereits am Mittag ist eine deutliche Eingrenzung des Brandes zu erkennen. 

Rösraths Feuerwehrsprecher Luca Meysing zeigt Mitarbeitenden der Stadtwerke Rösrath einen Sprenkler der Kreisregneranlage.

Durch solche Sprenkler an einer langen Schlauchleitung wirft die Kreisregneranlage der Feuerwehr Rösrath das Löschwasser in das brennende Waldstück.

Kurz vor 13 Uhr wird die am Vorabend ausgelöste Bevölkerungsinformation über die Warn-App Nina zurückgenommen. Die Drohnenpiloten des Deutschen Roten Kreuzes haben mittlerweile mit ihrem Fluggerät die Drohne des Kreises abgelöst. Gegen 14 Uhr kann die Feuerwehr „Feuer aus“ melden. Bis zum Abend soll die Brandstelle weiterhin intensiv kontrolliert werden.

Die Freiwillige Feuerwehr Rösrath übte Szenario bereits vor zwei Jahren

Vor Ort arbeiten Feuerwehr, Bundesforst, Bundeswehr und die Informations- und Kommunikations-Eingheit des Rheinisch-Bergischen Kreises eng zusammen. Gemeinsam prüfen sie Möglichkeiten, das Gebiet gegebenenfalls unter besonderen Schutzmaßnahmen räumen zu lassen. Eine einfache Lösung gibt es jedoch nicht. „Letztlich kann uns niemand sagen, wo dort gegebenenfalls noch Kampfmittel im Boden liegen“, beschreibt Eltner die Problematik, auf die er seit Jahren engagiert hinweist.

2023 hat es dazu ein Spitzentreffen mit dem Landesbetrieb Wald und Holz gegeben, 2024 hatte die Feuerwehr Rösrath unter dem Namen „Feuerwalzer“ eine großangelegte Übung für genau dieses Szenario organisiert – einen Waldbrand auf munitionsbelastetem Gelände der Wahner Heide.

Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nach Angaben der Feuerwehr aufgrund des aktuellen Waldbrands aktuell nicht. Wohnhäuser mussten nicht evakuiert werden. Lediglich Tiere in unmittelbarer Nähe der Brandstelle wurden von ihren Besitzern in Sicherheit gebracht. Auch Auswirkungen auf den Flugbetrieb des Flughafens Köln/Bonn habe es  nicht gegeben, so Einsatzleiter Bastian Eltner.