Marburg – Weil er Hunderte Kunden eines Internet-Auktionshauses geprellt hat, ist ein 29-Jähriger zu sechs Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Marburg sprach den Mann am Donnerstag wegen mehr als 1000 Fällen des Betruges schuldig. Der gebürtige Marburger hatte nach Auffassung der Richter jahrelang vom südamerikanischen Paraguay aus fiktive Waren selbst oder mit Hilfe von „Verkaufs- und Finanzagenten“ versteigert. Ganz real waren dagegen die insgesamt rund 300.000 Euro, um die der Angeklagte die Kunden aus ganz Deutschland gebracht hatte.
Von Südamerika aus, wohin er 2005 aus Mittelhessen geflohen war, steuerte der 29-Jährige die Betrugsmasche. Daran beteiligt war unter anderem seine Ex-Frau, die dafür bereits verurteilt wurde.
Aus ganz Deutschland
Die gutgläubigen und ahnungslosen „Agenten“ stammten aus ganz Deutschland. Der Angeklagte warb sie über ein Netz von Tarnfirmen an. Dafür schaltete er Stellenanzeigen für fingierte 400-Euro-Jobs. Die „Agenten“ boten über das Internet-Auktionshauses Ebay die erfundenen Waren an. Das so eingenommene Geld schickten sie nach Paraguay.
Nach dem Angeklagten war mit einem internationalen Haftbefehl gefahndet worden. 2012 kam er in Haft. Bis zum April dieses Jahres saß er in Paraguay ein, da er zunächst der Auslieferung widersprochen hatte. „Ich hatte gehofft, in Paraguay glimpflich wegzukommen.“ Die Bedingungen in dem Gefängnis seien hart und extrem gewesen. Deswegen wird diese Zeit auf seine Haftstrafe angerechnet, ein Großteil der Strafe gilt damit als verbüßt.
Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses vor drei Wochen die Taten gestanden und als Motiv Geldprobleme genannt. Das Urteil kam nach einer Verständigung der Prozessbeteiligten zustande. (dpa)
