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Massive MissständeSchärfere Regeln nach Randalen im Berliner Columbiabad

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09.07.2023, Berlin: Polizisten stehen vor dem Eingang des Sommerbades in Neukölln, das wegen seiner Lage am Columbiadamm auch Columbiabad genannt wird.

Nicht nur Badegäste sind regelmäßig im Columbiabad, sondern auch die Polizei.

Zum wiederholten Male war ein Berliner Freibad wegen Rangeleien und renitenter Besucher frühzeitig geschlossen und geräumt worden. Nun reagiert der Senat.

Mitarbeiter des Columbiabades in Neukölln haben in einem Brandbrief an die Führung der Berliner Bäder-Betriebe massive Missstände beklagt. Erst am vergangenen Sonntagabend war das Bad wegen Rangeleien erneut mithilfe der Polizei geräumt worden. Seither ist es geschlossen, laut dem landeseigenen Unternehmen „krankheitsbedingt“. Unserer Redaktion sagten Mitarbeiter jedoch: „Wir haben um Hilfe gebeten, es wird viel geredet, aber es passiert nichts. Wir können nicht mehr.“ Gestern nun hat der Berliner Senat reagiert: Durch mehr Personal, Videoüberwachung und das Durchsetzen von Hausverboten soll die Sicherheit in Freibädern der Stadt erhöht werden. „Wir wollen keine rechtsfreien Räume in unseren Bädern“, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU).

Rutsche gesperrt nach Stürmung durch 50 Jugendliche

Schon am vergangenen Montag hatte Bäderchef Johannes Kleinsorg angedeutet: „Die Menge der Vorfälle und das Verhalten einiger Badegäste stellen für unsere sehr engagierten Mitarbeitenden in den Bädern in der Summe eine extreme Belastung dar. Das ist auf Dauer so nicht tragbar.“ Nach solchen Vorfällen steige die Krankenquote stark an. Mit dem zweiseitigen Schreiben wollte das Personal „auf das untragbare Ausmaß der Umstände“ aufmerksam machen. Die sind nicht neu, doch erstmals meldeten sich die Mitarbeiter selbst zu Wort.

Drohungen gegen Frauen, Mitarbeitende, Transpersonen und Queere

In diesem Jahr hörten sie Sprüche wie diesen: So etwas wie die Silvesternacht werde es jetzt auch im Columbiabad geben. Der Brandbrief ist datiert auf den 13. Juni, verfasst nach den ersten Vorfällen. Verbessert hatte sich seither nichts. Am 21. Juni stürmte ein Mob von 50 Jugendlichen die Rutsche, es gab Tumulte, das Bad wurde geräumt. Seither ist die Rutsche gesperrt. Täglich werde die Haus- und Badordnung „vorsätzlich missachtet“, heißt es im Brief. Mitarbeitern, Frauen, Minderheiten, besonders trans und queeren Menschen werde immer häufiger Gewalt angedroht. „Verbale Attacken, das Spucken oder Pöbeln“ seien üblich. Als Grund für das Spucken soll ein 15-Jähriger genannt haben: „Sie haben es verdient, bespuckt und geschlagen zu werden.“

In der Regel sind es laut Personal Jugendliche aus arabischen Familien, teils auch Tschetschenen, die auffallen, die sich von Bademeistern nichts sagen lassen, als Mob auftreten. All das habe Folgen für die Psyche, es gehe um „paranoide Gedanken, dass jeden Moment etwas passieren könnte“, und Angst vor der Arbeit.

Überforderte Sicherheitskräfte, Badegäste in Gefahr

Das Sicherheitspersonal sei überfordert und nicht in der Lage, Hausverbote durchzusetzen oder Straftaten anzuzeigen. In der Rutsche verursachten die Gruppen bewusst Stau, andere Badegäste gerieten in Gefahr. Tobende Jugendliche ignorierten Durchsagen. Anfang Juni habe es auf der Rutsche einen sexuellen Übergriff gegeben. Auch die Einrichtung des Bades werde demoliert, Windeln, Binden, Flaschen und Verpackungen landeten absichtlich neben Abfalleimern. „Fäkalien werden in und vor den Büschen ausgeschieden, Wände und Sanitäranlagen werden mit Urin und Kot beschmiert“, heißt es im Brandbrief.

Einlass jetzt mit Namenserfassung

Die Mitarbeiter beklagen eine „eklatante Unterbesetzung des Personals“ und fordern unter anderem in der Hauptzeit Zugang nur für Familien mit Kindern, ständig Polizei vor Ort, nur Online-Tickets und namentlichen Einlass. Dieser Forderung kommt der Berliner Senat nun nach: So muss sich künftig jeder Badegast vor dem Eintritt online mit seinem Namen registrieren oder vor Ort ausweisen. So sollen Hausverbote durchgesetzt werden. Die Eingänge sollen darüber hinaus videoüberwacht und Zäune, um ein Hinüberklettern zu verhindern, verstärkt werden. Das Columbiabad in Neukölln soll voraussichtich am Wochenende wieder öffnen. (Alexander Fröhlich mit afp)