Als Baby verbrannte Orang-Utan Himba so schwer, dass eine Rettung unmöglich schien. Jetzt wurde der Affe ausgewildert.
Ein kleines WunderVerbrannter Orang-Utan Himba nach 15 Jahren ausgewildert

Auf dem undatierten Foto ist der Orang-Utan Himba als Baby im Rettungszentrum Nyaru Menteng der Stiftung BOS (Borneo Orangutan Survival) in Zentral-Kalimantan zu sehen.
Copyright: -/BOS Foundation/dpa
Ein kleines Wunder auf der Insel Borneo: Im Oktober 2011 brachte der Holzsammler Pendi Amat einen Pappkarton zur Orang-Utan-Rettungsstation Nyaru Menteng. Ein ungefähr sechs Monate altes Orang-Utan-Junges mit massiven Brandwunden befand sich in der Box. Die Haut des Tierbabys löste sich stellenweise, es litt unter starkem Fieber und kämpfte um sein Leben.
Beinahe 15 Jahre danach konnte Himba wieder in den Urwald entlassen werden: Seine Auswilderung erfolgte vor Kurzem im Nationalpark Bukit-Baka-Bukit-Raya auf dem indonesischen Teil von Borneo.

Mit schweren Verbrennungen kam Himba vor fast 15 Jahren ins BOS-Rettungszentrum.
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Brandrodung und Erderwärmung als Ursachen
Als Jungtier wurde Himba bei einem verheerenden Waldbrand verletzt. Derartige Brände vernichten auf Borneo regelmäßig weitläufige Regenwaldgebiete, beispielsweise durch Rodungen für den Anbau von Palmöl oder als Konsequenz der zunehmenden Dürre durch die globale Erwärmung. Weil aktuell wieder ein ausgeprägtes El-Niño-Ereignis das Weltklima beeinflusst, befürchten Tierschützer weitere verheerende Feuer.
Himbas Mutter erlag den Konsequenzen ihrer schlimmen Brandwunden. Ihr Nachkomme wurde einsam und mit lebensgefährlichen Verletzungen aufgefunden. „Damals im Jahr 2011 war ich dabei, als er nach Nyaru Menteng kam – mit Verbrennungen, die 70 Prozent seines Körpers bedeckten“, berichtet Denny Kurniawan, der Programmleiter der Rettungseinrichtung der Tierschutzorganisation BOS (Borneo Orangutan Survival).
Intensive medizinische Versorgung des Jungtiers
Eine monatelange Anstrengung zur Rettung des jungen Primaten begann. Laut dem Veterinär Agus Fahroni hätte Himba in seiner damaligen Verfassung lebensnotwendige chirurgische Eingriffe nicht überstanden. Seine Stabilisierung hatte daher oberste Priorität.
Dem kleinen Patienten wurden Infusionen, Sauerstoff, Antibiotika sowie schmerzlindernde Mittel verabreicht. Das Personal betreute ihn Tag und Nacht. Eine entscheidende Funktion übernahm dabei die Pflegerin Mariana, die für elternlose Orang-Utans als eine Art Ersatzmutter agiert. „Ich war vom ersten Moment an für Himba da, und wir wurden unzertrennlich“, erklärte die heute 50-Jährige. „Ich konnte nicht einmal allein auf die Toilette gehen, weil er sich nicht von mir lösen wollte.“
Rehabilitation und Vorbereitung auf die Freiheit
Entgegen den anfänglichen Erwartungen war die Behandlung erfolgreich: Seine Verletzungen verheilten, es wuchs neue Haut nach und Himba gewann merklich an Gewicht. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das traumatisierte Tier zu einem aufgeweckten jungen Orang-Utan. Im Waldkindergarten der BOS-Stiftung erlernte er das Klettern und anschließend in der Waldschule alle Fähigkeiten, die Jungtiere sonst von der Mutter beigebracht bekommen – von der Errichtung eines Nests bis zum Finden von Futter.

Auf dem undatierten Foto ist der Orang-Utan Himba vor seiner Auswilderung in seinem Käfig zu sehen.
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Im Jahr 2019 wurde Himba auf die Insel Bangamat verlegt, die der Vorbereitung auf die Auswilderung dient. Dort werden die Menschenaffen in einer naturnahen Umgebung auf ihre spätere Existenz in der Wildnis konditioniert. Er wurde dort zu einem versierten Sammler von Nahrung und wahrte immer mehr Distanz zu den Betreuern.
Die finale Phase seines langen Genesungsprozesses stand nun bevor: Nach einer Reise von etwa 20 Stunden, von denen acht auf einem Schiff verbracht wurden, erlangte Himba zusammen mit vier Artgenossen seine Freiheit. Inzwischen leben im Bukit-Baka-Bukit-Raya-Nationalpark 231 wiederangesiedelte Orang-Utans. Laut eigenen Mitteilungen hat die BOS-Stiftung seit dem Jahr 2012 insgesamt 561 Tiere erfolgreich ausgewildert.

Mit Auto, Boot und zu Fuß wurde Himba in seiner Transportbox in den Dschungel gebracht.
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Genesung als „kleines Wunder“
Spezielle Beobachtungsteams sind vor Ort, um zu gewährleisten, dass sich Himba und die anderen freigelassenen Tiere gut in ihrer neuen Umgebung einleben. „Es berührt mich besonders, dass Himba trotz seiner schweren Brandverletzungen nicht nur überlebt hat, sondern nun sogar die Chance bekommt, wieder als freier Orang-Utan im Regenwald zu leben“, äußerte Daniel Merdes, der Geschäftsführer von BOS Deutschland. „Dass er diesen Weg geschafft hat, grenzt an ein kleines Wunder.“ (dpa/red)