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Erdbeben Mannheim/WormsEmpörung über späte Nina-Warnung – Experte reagiert und übt Kritik

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Luftaufnahme von Mannheim.

Ein Erdbeben der Stärke 3,4 hat sich am Donnerstag in Mannheim ereignet. (Symbolbild)

Viele Menschen übten Kritik an der späten Warnung via Nina. Ein Experte erklärt die Zusammenhänge – übt aber auch Kritik.

Kurz nach 17.30 Uhr wackelten am Donnerstag (10. September) in Mannheim und Worms die Häuser, in vielen Wohnungen klapperte das Geschirr. Wenig später schlug bei Tausenden Menschen die Warn-App Nina Alarm – doch zu diesem Zeitpunkt war das Beben längst vorbei. In sozialen Netzwerken machte sich Spott und Verwirrung breit: Was nützt eine Warnung, die erst kommt, wenn alles schon vorbei ist?

Die Frage beschäftigte am Tag danach auch Jens Skapski, Erdbebenauswerter am Thüringer Seismologischen Netz der Universität Jena und Betreiber der Plattform „Erdbebennews“. In einem Beitrag auf seiner Website erklärt er, warum die Kritik an Nina auf einem Missverständnis beruht – aber auch, wo er selbst Nachholbedarf sieht.

Experte: „Die Meldung von Nina war keine Erdbeben-Frühwarnung“

„Die Meldung von Nina war keine Erdbeben-Frühwarnung. Sie war eine Gefahreninformation über ein bereits eingetretenes Ereignis“, schreibt Skapski. Der Grund: Erdbeben lassen sich nach heutigem Kenntnisstand nicht vorhersagen. Weder Stunden noch Minuten im Voraus lässt sich bestimmen, wann und wo genau die Erde beben wird.

Auch technische Frühwarnsysteme, die es andernorts bereits gibt, würden ein Beben immer erst erkennen, nachdem es begonnen hat – und selbst dann nur mit wenigen Sekunden Vorlauf für weiter entfernte Orte. Am Epizentrum selbst, wie bei Bobenheim-Roxheim südöstlich von Worms, käme jede Warnung ohnehin zu spät.

Sinnvoll sei eine Meldung im Nachhinein trotzdem, so Skapski. Nach dem Beben bei Worms hätten viele Menschen zunächst gar nicht gewusst, was passiert war. Manche vermuteten eine Explosion oder einen technischen Defekt – begleitet von einem dumpfen Grollen und kurzen, kräftigen Erschütterungen. Laut SWR gingen bei der Polizei zahlreiche Anrufe ein.

Genau hier setzt Skapskis Argument an: Eine schnelle behördliche Bestätigung über Nina könne solche Notrufe reduzieren und gleichzeitig die tatsächliche Lage einordnen. „Notrufe blockieren eine im Zweifel lebenswichtige Leitung mit zumindest in diesem Fall banalen Nachfragen“, schreibt er.

Nina verbreitet ihre Meldungen über das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS). Ob und wann eine Meldung herausgegeben wird, entscheiden die jeweils zuständigen Behörden – eine Warnung bedeute dabei nicht automatisch, dass ein Ereignis noch bevorstehe, so Skapski. Auch über bereits eingetretene Situationen könne informiert werden.

Erdbeben-Experte kritisiert fehlende Informationen

Trotz seiner Erklärung übt der Erdbeben-Experte auch Kritik – allerdings nicht an der grundsätzlichen Logik der App, sondern an ihrem Inhalt. Der Hinweis, dass es sich bei dem Erlebten um ein Erdbeben und nicht etwa eine Explosion gehandelt habe, sei zwar richtig und wichtig gewesen. Aus seiner Sicht fehle es aber an weiterführenden Informationen: Drohen Schäden? Wo? Sollte man das Haus verlassen? Sind Nachbeben zu erwarten?

„Gerade in Ländern wie Deutschland, wo Erdbebenwissen nicht zu den grundlegenden Elementen des Bildungssystems gehört“, schreibt Skapski, hätten sich „sehr viele Mythen und Halbwahrheiten“ im kollektiven Bewusstsein festgesetzt. Die Verwirrung nach dem Beben offenbare deshalb weiter bestehende Lücken in der Informationskette – ein Befund, der pikanterweise ausgerechnet auf den bundesweiten Warntag fiel.

Das Beben selbst hatte laut GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung und dem Landeserdbebendienst Baden-Württemberg eine Stärke von 3,3 beziehungsweise 3,4 und ereignete sich in zehn Kilometern Tiefe. Verletzte oder Schäden wurden nicht gemeldet, auch die Feuerwehr Mannheim verzeichnete keine Einsätze.

Nach Berechnungen von „Erdbebennews“ könnte die Erschütterung von rund 2,2 Millionen Menschen im Umkreis wahrgenommen worden sein – für die Region Mannheim/Worms das stärkste registrierte Beben seit 1952. Ein Nachbeben der Stärke 1,7 folgte um 18.14 Uhr.