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Forscher entdecken das Gas PhosphinGibt es Leben auf der Venus?

3 min
Die Venus

Blick auf die Venus (undatiertes Handout)

Cardiff – Diese Fragen treiben die Menschheit um, seit wir in den Himmel blicken: Gibt es dort oben außerirdisches Leben? Blicken andere Lebensformen vielleicht von weit her auf uns herab? Oder umgekehrt: Können wir eines Tages andere Planeten unseres Sonnensystems für uns bewohnbar machen? Aktuelle Entdeckungen befeuern die uralte Diskussion neu. Bei Messungen in der Atmosphäre des Planeten Venus wiesen Wissenschaftler das Gas Phosphin nach. Dies ist keinesfalls ein Beweis für außerirdische Lebensformen. Aber es könnte ein Hinweis sein, meinen die Experten.

Was wurde bei der Untersuchung entdeckt?

Zwei Forscherteams haben unabhängig voneinander das Gas Phosphin in der Atmosphäre der Venus nachgewiesen. Radioteleskope in Hawaii und Chile erfassten das Gas in einer Höhe von etwa 50 Kilometern über dem Planeten. Das ist erstmal nicht ganz neu - denn auf den großen Gasplaneten unseres Sonnensystems, Jupiter und Saturn, haben Wissenschaftler schon vor Jahren Phosphin nachweisen können. Dort weiß man aber, wo es herkommt: Beide Himmelskörper bergen in ihrem Inneren riesige Energiemengen. Hier kann sich das Gas jeweils aus chemischen Reaktionen bilden. Bei der Venus ist dies aber nicht der Fall.

Was genau ist das entdeckte Gas Phosphin?

Phosphin, auch Monophosphan genannt, ist die chemische Verbindung des Elements Phosphor mit drei Wasserstoffatomen (PH3 ). Es gehört zur Familie der Phosphane und ist ein geruchloses und hochgiftiges Gas. Der Umgang mit Phosphin ist extrem heikel, weil bereits kleinste Spuren von Diphosphan zu einer Selbstentzündung an der Luft führen. Reines Phosphin entzündet sich erst bei 150 Grad. Das Nerven- und Stoffwechselgift ist bei Säugetieren und bei Insekten schon in niedriger Konzentration hochwirksam und daher beliebt als Mittel zur Schädlingsbekämpfung. Beim Menschen löst Phosphin Blutdruckabfall, Erbrechen, Lungenödeme und Koma aus.

Auf der Erde kommt Phosphin nur als Stoffwechselprodukt von Bakterien vor oder wird biologisch hergestellt.

Warum ist der Nachweis von Phosphin so spannend?

Weil sich Wissenschaftler die große Frage stellen: Wo kommt das Phosphin her? Eine Entstehung aus chemischen Reaktionen im Planeten-Inneren scheidet hier aus. Auch ist bisher kein geologischer Mechanismus bekannt, bei dem die hochreaktive und instabile Verbindung auf der Venus immer wieder neu entstehen würde. Sonnenlicht, Blitze, Vulkane oder Meteoriten kämen nicht in Frage, betonen die Forscher.

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Phosphin kann aber für Organismen, die ohne Sauerstoff leben, ein wichtiger Teil des Stoffwechsels sein. Astrobiologen bewerten das Gas daher als starken Biomarker - also als möglichen Beweis dafür, dass es Leben gibt. So besteht theoretisch die Möglichkeit, dass in über 50 Kilometern Höhe über der Venusoberfläche Mikroorganismen existieren. Dort herrschen Temperaturen von erträglichen 30 Grad und ein Druck wie auf der Erde, also in etwa ein bar.

Was bedeuten die aktuellen Messungen?

Zunächst einmal befeuern sie die Diskussionen um mögliches Leben im All. Man muss aber unbedingt betonen: Die Forscher sprechen nicht von einem direkten Hinweis auf Leben auf der Venus. In der Forschungsarbeit ist lediglich von einer "anomalen und unerklärlichen Chemie" die Rede. Nicht mehr und nicht weniger. Russland plant, in ein paar Jahren erneut Raumsonden in Richtung Venus zu senden. Dann könnte die Atmosphäre des Planeten eventuell auch mit Spezial-Ballonen näher erkundet werden.Vielleicht gibt es tatsächlich Mikroorganismen auf der Venus, die sich im Laufe von Millionen Jahren den widrigen Bedingungen dort angepasst haben, Vielleicht aber auch nicht. Der Blick in den Himmel bleibt spannend. Und Skepsis ist durchaus angebracht.