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Gefahrenzone erweitertMagmatunnel auf Island „weit oben“ in Erdkruste angekommen

Lesezeit 2 Minuten
Der Fagradalsfjall-Vulkan auf der Halbinsel Reykjanes ist zuletzt 2021 ausgebrochen. Nun fürchten Wissenschaftler eine Eruption nahe der isländischen Stadt Grindavik. (Archivbild)

Der Fagradalsfjall-Vulkan auf der Halbinsel Reykjanes ist zuletzt 2021 ausgebrochen. Nun fürchten Wissenschaftler eine Eruption nahe der isländischen Stadt Grindavik. (Archivbild)

Isländische Experten fürchten, dass der Reykjanes-Halbinsel nach einer langen Ruhepause ein neuer „Eruptionszyklus“ bevorstehen könnte.

Die Lage in der Stadt Grindavik auf Island bleibt weiterhin angespannt. Nachdem die Bewohner nahe der als Touristenattraktion bekannten blauen Lagune bereits am vergangenen Freitag evakuiert worden, rechnen die örtlichen Meteorologen weiterhin mit einem baldigen Ausbruch des unterirdischen Magmasystems, das in der Region bereits für Risse im Boden gesorgt hat.

Angespannte Lage auf Island: „Wahrscheinlich, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht“

„Solange noch Magma in den Korridor fließt, ist es wahrscheinlich, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht“, erklärte Kristín Jónsdóttir, Abteilungsleiterin beim isländischen Wetterdienst am Montag.

Auch zu Wochenbeginn registrierten die Behörden hunderte kleinere Erdbeben in der Region, allerdings etwas weniger als in den Tagen zuvor. Das könne ein Zeichen dafür sein, dass das Magma „sehr weit oben in der Erdkruste“ angekommen sei, erklärte Jónsdóttir.

Isländische Experten fürchten unterdessen, dass der gesamten dichtbesiedelten Reykjanes-Halbinsel nach einer 800 Jahre langen Ruhepause ein neuer „Eruptionszyklus“ bevorstehen könnte, der bereits 2021 mit der Rückkehr von Erdbeben in der Region, die an die Hauptstadt Reykjavik grenzt, begonnen haben könnte.

Neuer Eruptionszyklus auf Island befürchtet: „Sollten uns auf Jahrzehnte vorbereiten“

„Wenn dieser Ausbruch kommt, sollten wir uns auf Jahrzehnte vorbereiten“, erklärte der Leiter des isländischen Zivilschutzes, Vidir Reynisson, am Montag gegenüber Reportern. „Das größte Risikoszenario, mit dem wir uns beschäftigen, ist ein möglicher Ausbruch in Grindavik.“

Die Vorbereitungen auf einen möglichen Ausbruch des Magmatunnels unter Grindavik laufen unterdessen weiter. Am Montag vergrößerte das isländische Wetteramt den Gefahrenbereich rund um die Küstenstadt und das Magmatunnelsystem. Satellitenbildern zufolge ist die Erdoberfläche in der Region weiterhin stark in Bewegung, berichtete die isländische Zeitung „Morgunbladid“.

Unterirdischer Magmatunnel: Erdoberfläche in Grindavik weiterhin in Bewegung

Es sei nur noch die Frage, wann, nicht ob es zu einer Eruption komme, erklärte unterdessen die britische Wissenschaftlerin Margaret Hartley der Zeitung „The Independent“. Der wahrscheinlichste Fall sei, dass Gasblasen das Magma weiter an die Oberfläche drücken, „bis die Erdkruste aufbricht“, sagte Hartley. „Der Vorgang ist ein bisschen so, als würde man eine Dose kohlensäurehaltiges Getränk schütteln – sobald sich oben in der Dose ein Riss öffnet, entweicht das Getränk mit viel Schaum.“

In Island sind vulkanische Aktivitäten keine Seltenheiten. Nach einem großen Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2010 kam es wegen der enormen Aschewolke zu erheblichen Einschränkungen im internationalen Luftverkehr. Derartige Auswirkungen werden bei einer Eruption in Grindavik nicht erwartet.

Auf der Reykjanes-Halbinsel hatte es unterdessen bereits in den letzten drei Jahren jeweils Ausbrüche gegeben. Schäden gab es bei den Eruptionen nicht, die sich weit abseits von Grindavik in abgelegenen Tälern ereigneten. (das)

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