Waldbrände, Klimawandel, tödliche Hitzetipps – im Gespräch mit Paul Ronzheimer teilt Jörg Kachelmann aus. Auch Köln kommt zur Sprache.
Wütender WetterexperteKachelmann kritisiert Hitzetipps – und schimpft auf die Stadt Köln

Der Meteorologe Jörg Kachelmann hat sich im Gespräch mit Paul Ronzheimer zu Waldbränden, Hitze und Trockenheit geäußert. (Archivbild)
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Jörg Kachelmann gehört zu Deutschlands bekanntesten Wetterexperten – und ist für seine klaren Worte bekannt. Nun war der Meteorologe im Podcast von „Bild“-Journalist Paul Ronzheimer zu Gast und hat dort seinem Ruf alle Ehre gemacht. Ob Hitze-Tipps, Waldbrände oder die deutsche Aversion gegenüber Klimaanlagen – Kachelmann fand deutliche Worte – auch für einen geplanten Schulneubau in Köln.
Ein Dorn im Auge ist Kachelmann – das äußert er auch immer wieder auf der Plattform X – die Berichterstattung über Waldbrände. „Die Suggestion in den Medien ist, dass Waldbrände irgendwie geheimnisvoll von selbst entstehen würden“, kritisierte der Meteorologe im Gespräch mit Ronzheimer.
Jörg Kachelmann über Waldbrände: „Fahrlässige Brandstiftung“
In 99 Prozent der Fälle handele es sich jedoch um Brandstiftung. „Die Frage ist nur noch intentionale Brandstiftung, Absicht oder eben aus Dummheit, aber das ist auch Brandstiftung, das nennt sich fahrlässige Brandstiftung“, stellte Kachelmann klar.
Auch Hitzewellen seien nicht verantwortlich für erhöhte Brandgefahr, sondern Trockenheit – also mangelnde Niederschläge. Auch das Niedrigwasser in Deutschland sei so erklärbar, betonte der Wetterexperte.

Der Rauch des Waldbrandes hängt in der Luft über dem Ortsteil Großhau in Hürtgenwald.
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„Es gibt nicht kein Wasser, weil es warm ist, sondern es gibt kein Wasser, weil es nicht geregnet hat“, stellte Kachelmann klar. „Das werden die Deppen kommende Woche schmerzhaft sehen, wenn es plötzlich 15 Grad kühler geworden ist und nicht wie durch ein Wunder plötzlich alle Flussbetten wieder bis oben gefüllt sind.“
Klimawandel für Hitzewelle in Deutschland verantwortlich
Die diesjährige Hitze in Deutschland sei dennoch „sehr außergewöhnlich und so außergewöhnlich, dass wir das in der Form bisher nicht hatten, seit das Wetter aufgezeichnet wird“, erklärte Kachelmann. Im Südwesten Deutschlands habe es „vielerorts seit dem 1. August keinen Tag unterhalb von 30 Grad Höchsttemperatur“ gegeben.
Der Grund dafür sei der Klimawandel: „Wir heizen die Atmosphäre auf. Das wissen wir. Das ist auch physikalisch belegt. Wenn man mehr Treibhausgase in dieses System reinbläst – das kann man berechnen –, dann wird das System wärmer. Das muss so sein.“
Jörg Kachelmann: „Wir haben die volle Lotte gar nicht abbekommen“
Deutschland sei indes in diesem Jahr noch nicht von den vollen Auswirkungen getroffen worden. „Das ist noch nicht das obere Ende gewesen“, erklärte Kachelmann. „Wir müssen daran denken: Dieses Jahr war der Schwerpunkt eher westlich in Frankreich. Wir haben die volle Lotte gar nicht abbekommen.“ Andernfalls wären auch in Berlin in diesem Sommer Höchsttemperaturen von 45 Grad Celsius denkbar gewesen.
Deutliche Worte fand Kachelmann unterdessen für den Tipp, dass Menschen bei Hitze tagsüber die Fenster schließen sollten. „Das führt dazu, dass viele alte Menschen in ihren kleinen Alterswohnungen wirklich auf erbärmlichste Art und Weise – ich kann es nicht anders sagen – verrecken.“ Die Hitze und die Luftfeuchtigkeit durch das Atmen führten zu einem Zustand „wie in den Tropen“ – und endeten oft tödlich, so Kachelmann.
Tödliche Hitzetipps: „Das Schwurbel-Land Nummer eins“
Abhilfe könnte stattdessen ein Ventilator schaffen, der „einen halben Meter oder einen Meter vor dem Gesicht“ positioniert werden sollte, erklärte der Meteorologe den seiner Meinung nach richtigen Umgang mit Hitze in den eigenen vier Wänden. In Deutschland scheiterten die korrekten Maßnahmen jedoch oft am Aberglauben der Bevölkerung, betonte Kachelmann.

Ein Thermometer an einem Arbeitsplatz zeigt eine Temperatur von über 30 Grad. Daneben stehen ein Ventilator und eine Wasserflasche. (Symbolbild)
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„Der Aberglaube in diesem Land ist so groß, wir sind global gesehen das Schwurbel-Land Nummer eins, glaube ich“, teilte der Fachmann im Gespräch mit dem „Bild“-Journalisten aus. „Es gibt nirgendwo auf der Welt so viel Aberglaube wie bei uns im Alltagsbereich: Der steife Nacken und Durchzug machen krank und Klimaanlagen sowieso.“
Schulneubau ohne Klimaanlage: Jörg Kachelmann schimpft auf Köln
Insbesondere die bisherige Aversion gegenüber Klimaanlagen bei vielen Menschen in Deutschland kritisierte Kachelmann scharf – anhand eines Beispiels aus Köln. „Diese Hitzetoten wären vermeidbar, indem sich irgendjemand für dieses Thema interessiert hätte“, erklärte Kachelmann und stellte ernüchtert fest: „In Köln wird jetzt wieder eine Schule ohne Kühlung geplant.“
Auf die Frage, wie das nach den Hitzewellen in den vergangenen Jahren sein könne, zeigte sich der in der Schweiz lebende Meteorologe konsterniert. „Weiß ich nicht. Ihr seid einfach ein durchgeknalltes Land – da sind wir wieder bei bildungsfern und wissenschaftsfeindlich.“
Kachelmann dürfte mit seinen Worten auf das geplante Gymnasium in Köln-Nippes angespielt haben. Eine Sprecherin der Stadt Köln hatte Ende Juli bestätigt, dass in der Schule, die in fünf Jahren eröffnet werden soll, keine Klimaanlage eingebaut werden soll. Diese würden „grundsätzlich nicht in Schulen und Sporthallen eingebaut“, erklärte die Stadtsprecherin. Eine mechanische Be- und Entlüftung sei hingegen vorgesehen.
