In Südeuropa toben Waldbrände – der Klimawandel macht es möglich, sagen Forscher. Nicht nur aus Köln kommen Warnungen vor der Zukunft.
Klima-Warnungen auch aus Köln„Europa heizt sich doppelt so schnell auf wie der Rest der Erde“

In Frankreich führen Waldbrände zu Massenevakuierungen.
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Rauch, Evakuierungen und ein unermüdlicher Kampf gegen die Flammen: Riesige Waldbrände halten Südeuropa auch zu Wochenbeginn weiter in Atem – und sorgen nun auch in Deutschland für vehemente Warnungen vor den Auswirkungen des Klimawandels. Mit dem früheren Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich auch ein Kölner Politiker mit eindringlichen Worten zu Wort gemeldet.
„Tourismus, Landwirtschaft, Gesundheit: Alles leidet unter dem Klimawandel. Trotzdem verteidigen Lobbyisten Profite mit Gas, Kohle, Öl und Verbrennern bis zur letzten Sekunde“, schrieb der SPD-Politiker etwa am Wochenende auf der Plattform X. „In ein paar Jahren werden die Menschen in Südeuropa Angst vor dem Sommer haben“, warnte Lauterbach außerdem.
Karl Lauterbach warnt vor Klimawandel
Am Montag (27. Juli) ließ Lauterbach angesichts der Lage insbesondere in Frankreich, wo Waldbrände zu Massenevakuierungen geführt haben, erneut klare Worte folgen. „Europa brennt“, schrieb der frühere Minister bei X. „Es heizt sich doppelt so schnell auf wie der Rest der Erde.“ Den Klimawandel zu stoppen werde zwar „noch sehr hohe Kosten“ haben, fügte Lauterbach hinzu. „Es nicht zu tun, wird aber gerade für Europa noch viel teurer werden.“
Der SPD-Politiker ist mit seiner Mahnung nicht allein – auch Umweltminister Carsten Schneider mahnte mit Bezug auf die Lage in Südeuropa zu Wochenbeginn dringend, den Klimaschutz voranzubringen. „Der Klimawandel ist bereits schmerzhafte Realität und er trifft unseren Kontinent besonders stark“, sagte Lauterbachs Parteikollege in Berlin.
Umweltminister Carsten Schneider will „Klimawandel stoppen“
Jetzt sei die Zeit für Brandbekämpfung, Nothilfe und europaweite Solidarität, hieß es weiter von Schneider. „Zugleich muss es darum gehen, den gefährlichen Klimawandel zu stoppen, damit Hitze, Dürre und Waldbrände in Zukunft nicht noch schlimmer werden“, betonte der Umweltminister.

Ein gewaltiger Waldbrand verwüstet die Berge oberhalb der Ortschaft L’Argentière-la-Bessée in Frankreich.
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„Der Ausbau der erneuerbaren Energien und anderer Klima-Lösungen darf jetzt nicht gebremst werden, sondern muss volle Vorfahrt bekommen“, forderte der SPD-Politiker. Das sei ein Gebot ökonomischer Vernunft, aber auch der Schutz von Menschen und ihrer Heimat.
Klimastabilere Wälder, anderer Umgang mit Wasser
„Wir haben noch die Chance, unsere Umwelt besser vorzubereiten auf die neue Realität“, betonte Schneider. „Zur Lösung gehört auch der Umbau unserer Wälder von Monokulturen in klimastabilere Mischwälder und ein Paradigmenwechsel mit Blick auf unseren Umgang mit Wasser. Dafür müssen wir gemeinsam arbeiten, national und international.“
Über das Wochenende hatten sich die Brände im Großraum Bordeaux im Südwesten Frankreichs zugespitzt. Nach Angaben der Behörden wurden seit Mittwoch dort rund 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der größte Waldbrand der Region hat inzwischen rund 42.000 Hektar Wald und Buschland zerstört. Zugleich wüten Waldbrände in Spanien.
Studie zum Klimawandel: Extreme Hitze verstärkt Dürre in Europa
Die anhaltende Hitze und Trockenheit der vergangenen Monate hat laut einer Studie als Folge des Klimawandels die Dürre in Europa weiter verstärkt. Ausschlaggebend ist nicht allein der Niederschlagsmangel, sondern vor allem die durch Hitze dramatisch gestiegene Verdunstung, wie die Forschungsergebnisse der World Weather Attribution (WWA) aufzeigen. Beteiligt daran waren auch Forschende des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Französische Feuerwehrleute beim Kampf gegen die Flammen.
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„Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse, dass diese Dürre nicht in erster Linie auf geringe Niederschläge zurückzuführen ist, sondern auf eine wärmere Atmosphäre, die zu größeren Feuchtigkeitsdefiziten im Boden führt“, erklärte die Wissenschaftlerin Mariam Zachariah, die an der Studie mitgewirkt hat. Ohne rasche und entschlossene Emissionsminderungen steuere Europa „auf eine Zukunft zu, in der diese glühend heißen, trockenen Sommer immer wieder auftreten“, fügte sie an.
Forscher warnen vor „historischen Ernteausfällen“ in Europa
Für die Studie hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zwölf europäischen Ländern Trends bei Niederschlag, Bodenfeuchte und der potenziellen Evapotranspiration (PET) – ein Maß für den „Durst“ der Atmosphäre als Fähigkeit, Feuchtigkeit zu verdunsten – analysiert. Extrem trockene Böden kommen demnach in Westeuropa heute fünfmal häufiger vor, als das in einer Welt ohne Klimawandel der Fall gewesen wäre – in Osteuropa sogar elfmal häufiger.
Die Forscherinnen und Forscher warnen deshalb vor den Folgen. So könnten „historische Ernteverluste“ im Zusammenspiel mit „anhaltenden globalen Konflikten“ die Lebensmittelpreise erhöhen und so schließlich Haushalte mit geringem Einkommen überproportional treffen, warnten die Forschenden auch vor wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen. (mit dpa)
