Brüssel – Weil sie ihre Hausangestellte wie eine Sklavin behandelten, sind ein kuwaitischer Diplomat und seine Frau von einem Gericht in Brüssel zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Das Ehepaar war bei der Urteilsverkündung am Mittwoch nicht anwesend, es hatte Belgien bereits vor einigen Monaten verlassen. Kuwaits Botschaft in Brüssel reagierte Medienberichten zufolge nicht auf Anfragen der belgischen Justiz und verwies auf die diplomatische Immunität der Angeklagten.
Hausangestellte aus Äthiopien wurde misshandelt
Die Staatsanwaltschaft warf dem Ehepaar unter anderem Menschenhandel und Freiheitsberaubung vor. Die Taten ereigneten sich den Angaben zufolge zwischen August 2017, als die äthiopische Hausangestellte nach Belgien kam, und Mai 2018, als es ihr gelang zu fliehen, wie die Tageszeitung „La Libre Belgique“ berichtete.
Den Ermittlern zufolge täuschten der Diplomat und seine Frau ihre Angestellte. Diese sei davon ausgegangen, sie würde nur beim Umzug nach Belgien helfen und könne danach nach Kuwait zurückkehren. Stattdessen wurde die junge Frau im Haus des Paares festgehalten, durfte nur Reste essen und erhielt weder Kleidung noch medizinische Versorgung.
Opfer sind verängstigt und kennen ihre Rechte nicht
Das Gericht befand in seinem Urteil, dass die Frau „wie eine Sklavin behandelt“ worden sei. Die Angestellte hatte Hilfe bei der belgischen Organisation Pag-Asa gesucht, die sich auf die Unterstützung von Opfern von Menschenhandel spezialisiert hat. Die Organisation trat als Nebenklägerin in dem Prozess auf.
Die Direktorin von Pag-Asa, Sarah De Hovre, sagte der Zeitung „La Libre Belgique“, dass solche Fälle nur selten vor Gericht landeten. „Die Opfer, in der Regel Frauen, haben große Angst und kennen weder die Sprache noch ihre Rechte.“ (afp)
