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Europas Antwort auf ChinaLobito-Korridor soll wichtige Rohstoffe nach Europa bringen

4 min
Hafen von Lobito

Der Lobito-Korridor soll eine Alternative zu Chinas Neuer Seidenstraße bieten.

Der Lobito-Korridor soll Europas Rohstoffversorgung sichern und eine strategische Antwort auf Chinas Einfluss in Afrika sein.

In den mineralreichen Bergbaugebieten der Demokratischen Republik Kongo, Sambias sowie Angolas liegen die für die Energiewende notwendigen Bodenschätze. Eine neue Schienenverbindung, der sogenannte Lobito-Korridor, soll kritische Rohstoffe wie Kupfer, Kobalt, Lithium und seltene Erden nach Europa transportieren. Die Strecke verspricht eine zügige, verlässliche und wirtschaftliche Beförderung und zielt vor allem darauf ab, dem zunehmenden Einfluss Pekings in Afrika entgegenzuwirken.

Die Bundesregierung pocht seit geraumer Zeit auf verlässliche und gerechte Konditionen für den Zugang zu strategischen Rohstoffen. So hob Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) während eines Besuchs in China die Notwendigkeit fairer Marktbedingungen hervor. Experten sehen in der starken Abhängigkeit Deutschlands von Peking eine ökonomische Verwundbarkeit, zumal China diese Situation zunehmend als politisches Instrument nutze. Alternative Lieferwege gelten daher als unerlässlich für das Risikomanagement der deutschen Wirtschaft.

Ein strategischer Korridor als Alternative

Als Pendant zu Chinas „Neuer Seidenstraße“ hat die Europäische Union die globale Infrastrukturinitiative „Global Gateway“ entwickelt, bei der der Lobito-Korridor das Aushängeschild ist. Auch die Vereinigten Staaten investieren signifikant in das Vorhaben. Der angolanische Ökonom Benedito Mavo äußert die Meinung: „Wer bei dem Projekt vorn mitmischt, wird sich einen großen Teil des Mineralreichtums Afrikas sichern können“. Er prognostiziert, dass sich das Projekt zu einer der weltweit wichtigsten Transportadern entwickeln wird.

Der überwiegende Teil der projektierten Schienenstrecke ist bereits in Betrieb. Er erstreckt sich über beinahe 1.800 Kilometer von der Industriestadt Kolwezi in der DR Kongo bis zum Atlantikhafen Lobito in Angola. Die Betriebskonzession liegt bei dem europäischen Konsortium „Lobito Atlantic Railway“ (LAR), welches sich aus dem Rohstoffhändler Trafigura, dem Baukonzern Mota-Engil und dem Eisenbahnbetreiber Vecturis zusammensetzt.

Noch ausständig ist der Bau von 450 Kilometern Gleisen in das Zentrum des sambischen Kupfergürtels sowie eine 800 Kilometer lange Ausweichstrecke, die von Angola nach Sambia führt. Die Fertigstellung dieser Abschnitte ist bis 2028 geplant. Von Lobitos Hafen aus ist die Seeroute über den Atlantik nach Westeuropa oder in die USA verhältnismäßig kurz.

Westliche Reaktion auf Pekings Initiative

Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen lagern circa 30 Prozent der globalen Mineralvorkommen in Afrika. Die DR Kongo und Sambia gehören zu den führenden Produzenten von Kupfer, welches für Solaranlagen und Windräder gebraucht wird. Die Demokratische Republik Kongo ist überdies einer der größten globalen Produzenten von Kobalt, einem essenziellen Material für Batterien in Elektrofahrzeugen.

In den zurückliegenden Jahrzehnten hat Peking durch den Bau von Infrastruktur wie Straßen, Häfen und Schienennetzen in ganz Afrika seinen Zugriff auf die Rohstoffvorkommen des Kontinents ausgebaut. Ferner kontrolliert China eine Vielzahl von Minen und Verarbeitungsanlagen für strategische Mineralien auf dem Kontinent. Der Lobito-Korridor soll diese Lücke für den Westen füllen und sowohl Europa als auch den USA eine eigene, verlässliche Versorgungsachse bieten.

Im Zuge von „Global Gateway“ stellen die EU und neun Mitgliedsstaaten, Deutschland inbegriffen, Investitionen von mehr als zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Die Vereinigten Staaten haben ihrerseits bereits Hunderte Millionen Dollar zugesagt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte während eines Besuchs in Angola an deutsche Firmen, entlang der Trasse zu investieren, die er als „wirtschaftlich von ungeheurer Bedeutung“ beschrieb.

Effizienzgewinn bei Transportdauer, Kosten und Emissionen

Bisher werden die Rohstoffe mehrheitlich per Lkw über oft desolate Straßen zu weit entfernten Häfen gebracht. Die Fahrt von den Abbaustätten in die südafrikanische Stadt Durban (etwa 3.000 Kilometer) beansprucht rund vier Wochen. Die Strecke in die tansanische Stadt Daressalam (circa 2.200 Kilometer) dauert sogar 35 Tage. Ungünstige Witterung, Unfälle und Staus an den Grenzen verlängern die Beförderungszeiten zusätzlich.

Die Bahnfahrt von Kolwezi nach Lobito nimmt hingegen nur sieben Tage in Anspruch, wie LAR-Geschäftsführer Nicolas Gregoir darlegt. Das reduziert Zeit, Kosten und CO2-Ausstoß. Ein weiterer Vorzug ist das geringere Piraterierisiko an der westafrikanischen Küste im Vergleich zur Route am Horn von Afrika.

Den kommerziellen Gütertransport auf der Trasse hat das europäische Konsortium offiziell im Februar 2024 aufgenommen. Ein halbes Jahr darauf wurde die erste Kupferfracht aus dem Kongo mit Bestimmungsort USA auf der Schiene transportiert. Der erste Kobalttransport ist für Mai 2026 avisiert. Laut Gregoir sollen im Jahr 2025 etwa 200.000 Tonnen internationale Fracht bewegt werden. Das Ziel ist es, die Kapazität auf eine Million Tonnen jährlich zu erhöhen.

Beteiligung deutscher Firmen am Projekt

Auch im Hafen von Lobito finden Modernisierungsarbeiten statt, um für große Rohstoffmengen gewappnet zu sein. Gleise werden direkt zu den Terminals geführt und das Hafenbecken wird so vertieft, dass auch die größten Containerschiffe dort festmachen können. Ein internationaler Flughafen ist ebenfalls in Betrieb.

Der Korridor wird sich bald zu einem Drehkreuz für Transporte in die USA und die EU entwickeln, prognostiziert Marco Ligeiro, Vertriebschef für Angola bei der Reederei Hapag-Lloyd. Auch die Kundschaft von DHL Global Forwarding bekunde großes Interesse an der Bahnverbindung, so der Geschäftsführer für Subsahara-Afrika, Egidio Monteiro.

Die Siemens-Sparte Mobility bewirbt sich gegenwärtig um einen Auftrag zur Steigerung der Geschwindigkeit und Sicherheit des Lobito-Korridors. Die deutsche Gauff GmbH hat bereits den Zuschlag für die Errichtung eines 170 Kilometer langen Straßenabschnitts erhalten, der parallel zur Bahntrasse verlaufen soll. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.