Ihren ersten Sex haben junge Menschen mehrheitlich erst im Alter von 19 Jahren und in einer festen Beziehung. In Köln wurde die Studie vorgestellt, bei der mehr als 5800 Jugendliche befragt worden waren.
Neue Studie veröffentlichtJugendliche werden immer später intim

Broschüren zum Thema erste Liebe und Verhütung liegen bei einer Pressekonferenz des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in einem Infoständer.
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Wenn es um das „erste Mal“ geht, lassen sich junge Menschen mehr Zeit. Das hat das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit in einer repräsentativen Studie herausgefunden. Zum zehnten Mal wurden Jugendliche und junge Erwachsene zu ihrem Sexualverhalten befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten erst im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal Sex hatten – bei der letzten Befragung im Jahr 2019 war das noch im Alter von 17 Jahren.
Auch geküsst wird später
Für 63 Prozent der aktuell Befragten war dieser spätere Zeitpunkt trotzdem „gerade richtig“, nur eine Minderheit von sieben Prozent fand ihn zu spät, 28 Prozent beurteilten ihn sogar immer noch als zu früh.
Selbst mit dem ersten Kuss warten die Jüngeren weiter ab. Hatten 2019 noch mehr als die Hälfte der 14-Jährigen angegeben, bereits Erfahrungen mit dem Küssen gemacht zu haben, sind es aktuell nur noch ein Drittel. Bei den 25-Jährigen sind es immerhin noch zehn Prozent, die berichten, noch keine Kuss-Praxis zu haben.
Als Hauptgrund für die Zurückhaltung hat gut die Hälfte der Befragten angegeben, bisher nicht die richtige Partnerin oder den richtigen Partner gefunden zu haben. In Fachkreisen werde diskutiert, so Psychologin Sara Scharmanski, dass es jungen Menschen an Möglichkeiten zum Kennenlernen fehle. Ihr Alltag sei zu sehr durchstrukturiert, es bleibe kaum Raum für Freizeitaktivitäten. Zudem lebe die junge Generation gesundheitsbewusster und verzichte beispielsweise auf übermäßigen Alkoholkonsum, der zu Kontrollverlust führen könne. „Die Corona-Pandemie war nur ein Katalysator dieser Entwicklungen, nicht die alleinige Ursache.“
94 Prozent verhüten beim ersten Mal
In der Erhebung wurde auch danach gefragt, ob die jungen Menschen beim Sex an Verhütung denken. Nur sechs Prozent gaben an, beim ersten Mal darauf verzichtet zu haben. Bei diesem Erlebnis griffen mit 76 Prozent die meisten Jugendlichen zum Kondom, die Pille und andere Methoden spielten eine viel geringere Rolle, was sich mit dem Älterwerden und zunehmender sexueller Erfahrung verändert. „Trotz der Debatte um hormonelle Auswirkungen ist der Gebrauch der Pille nicht nennenswert zurückgegangen“, erklärte Scharmanski. Erst im weiter fortgeschrittenen Alter würden die Frauen kritischer und setzten beispielsweise die Spirale als Verhütungsmittel häufiger ein.
Nach Feststellungen der Experten ist der Unterricht in den Schulen die wichtigste Quelle, wenn es um Sexualaufklärung geht. 78 Prozent der Jugendliche gaben an, dort ihr Wissen erworben zu haben, das sind neun Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren.
Etwas weniger Infos über das Internet
Das Internet hat unterdessen leicht als Aufklärungsquelle an Bedeutung verloren, wenngleich sich auch dort mehr als die Hälfte der Jugendlichen informiert. Vor allem Suchmaschinen stehen dabei hoch im Kurs, aber mit Abstand dazu auch soziale Medien wie YouTube, TikTok oder Instagram.
Obwohl junge Menschen Aufklärungs- und Beratungsseiten im Netz zu 85 Prozent für besonders vertrauenswürdig halten, werden diese nur von 39 Prozent der Mädchen und 25 Prozent der Jungen genutzt. Besorgt zeigte sich Psychologin Scharmanski, dass Programme der „Künstlichen Intelligenz“ zunehmend von jungen Menschen bei sexuellen Fragen konsultiert würden: „Diese Tools gewinnen rasant an Bedeutung.“ Es sei eine Herausforderung, seriöse sexuelle Aufklärung und Bildung auch in diesem Bereich aufrecht zu erhalten.
Für die Studie wurden mehr als 5800 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren in ganz Deutschland befragt. Die am Donnerstag vorgestellte, erste Auswertung bezieht sich ausschließlich auf heterosexuell orientierte Menschen. In den nächsten Monaten sollen auf Grundlage der Umfragedaten weitere Aspekte untersucht werden, etwa andere sexuelle Orientierungen, aber auch sexualisierte Gewalterfahrungen, die Nutzung von Beratungsstellen und der soziokulturelle Einfluss auf das Sexualverhalten.

