Nach dem Jagdunfall, bei dem in Warburg ein junger Mann starb, fordert die Organisation Peta Konsequenzen.
Tragischer UnfallTierschützer fordern Verbot der „Hobbyjagd“ – Hielt Schütze seinen Kameraden für Wildschwein?

Ein Jäger hält in seinem Jagdrevier eine Jagdwaffe auf einem Hochsitz (Symbolbild). In Warburg hat ein Jäger versehentlich einen Kollegen erschossen.
Copyright: Silas Stein/dpa
In Warburg im Kreis Höxter hat sich am Freitagabend ein tödlicher Unfall bei einer Jagd ereignet: Ein 23-Jähriger starb auf einem Hochsitz, als ein 22-jähriger Bekannter vermutlich versehentlich aus rund 100 Metern Entfernung von einem anderen Hochsitz auf ihn schoss. Die beiden jungen Männer waren Teil einer vierköpfigen Gruppe, die gemeinsam zur Jagd aufgebrochen war.
Der 23-Jährige stammt aus Paderborn, der Schütze aus Hannover. Mittlerweile gibt es Medienberichten zufolge neue Erkenntnisse zum Hergang der Tragödie. Demnach könnte ein Irrtum Hintergrund des Todesschusses gewesen sein: Der 22-Jährige soll aufgrund der Dunkelheit ein Nachtsichtgerät genutzt haben. Durch dieses könnte er seinen Freund womöglich für ein Wildschwein gehalten haben.
Peta spricht von „schießwütige Spaßjägern“
Nach dem Vorfall forderte die Tierschutzorganisation Peta ein Verbot der Hobbyjagd vor dem Hintergrund, dass immer wieder Zwischenfälle bekannt werden, bei denen Menschen verletzt werden.
Peta schreibt, Hobbyjagende würden jedes Jahr „mehrere Dutzend Menschen verletzen oder sogar töten“. Zudem würde Hunderttausenden Tieren erhebliches Leid durch Fehlschüsse zugefügt. „Schießwütige Spaßjäger“ würden „verantwortungslos in der Gegend herumballern“, so ein Peta-Sprecher. Nun sei die Politik gefordert. Peta fordert Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, das Waffenrecht zu verschärfen und ein Verbot der Hobbyjagd einzuleiten.
Peta listet zahlreiche Jagdunfälle auf
Die Tierschutzorganisation listet diverse Vorfälle der vergangenen zwei Jahre auf. Neben dem tödlichen Vorfall von Warburg gab es am Mittwoch einen weiteren Unfall: In Beckeln im Landkreis Oldenburg hatte ein 77-jähriger Jäger versehentlich auf eine 58-jährige Frau geschossen, die schwer verletzt wurde. Der Mann hatte von seinem Hochsitz aus eine Gruppe Spaziergänger offenbar mit Wild verwechselt.
Die meisten dieser Vorfälle enden nicht tödlich, so wie in Warburg. Im Januar 2025 starb allerdings ein Mann in Mecklenburg-Vorpommern. Ähnlich wie in Warburg wurde der Jäger, der sich auf einem Hochsitz befand, von einem Kollegen von einem anderen Hochsitz aus erschossen.
Peta: Jagd ist unnötig
Peta beklagt bereits seit Jahren die mangelnde Ausbildung vieler Freizeitjäger. Diese führe ebenfalls dazu, dass Tiere nicht fachgerecht getroffen und dadurch unnötig leiden müssten. Peta bestreitet generell, dass es eine Notwendigkeit zur Jagd gibt, denn die Tierbestände würden sich natürlich durch Beutegreifer, Nahrungsangebot, Witterung und Krankheiten regulieren.
Demgegenüber wird von vielen anderen Fachleuten betont, dass die Jagd dazu dient, ein natürliches Gleichgewicht zu erhalten oder wiederherzustellen. So kann etwa eine Überpopulation von Rehen und Hirschen zur Schädigung des Waldes führen. Auch der NABU schreibt auf seiner Website, eine „naturverträgliche Jagd“ sei eine „legitime Form der Landnutzung“. Sie müsse aber nachhaltig sein und ethischen Prinzipien folgen.
Eben dies soll in Deutschland gewährleistet werden, indem jeder Hobbyjäger zunächst einen Jagdschein machen muss. Dafür muss eine staatliche Jägerprüfung abgelegt werden. Ein Lehrgang von mindestens 60 Stunden Theorie und 60 Stunden Praxis ist zuvor zu absolvieren. Zudem muss eine spezielle Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Wer dann jagen möchte, benötigt zudem eine Jagdpacht, also ein Revier.
Allerdings gibt es immer auch die Kritik von Tierschützern, dass nicht alle Hobbyjäger entsprechend geschult seien. So kann der Jagdschein auch in Crashkursen erworben werden. Die Jäger seien dann nur unzureichend ausgebildet und könnten dann Schaden mit ihrer Waffe anrichten, ob bei Mensch oder Tier.
Welchen Hintergrund der tödliche Vorfall von Warburg hatte, ist Gegenstand der Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Die vierköpfige Gruppe soll zwei Gewehre dabei gehabt haben, wie Medien berichten. Die Jagdausrüstung wurde sichergestellt und wird untersucht, erfuhr die „Neue Westfälische“ am Montag. Ob alle Personen einen Jagdschein hatten, ist noch unbekannt. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat den Fall übernommen. Das 23-jährige Opfer des Schusses sollte zudem in Münster obduziert werden.
Jäger in Paderborn sind betroffen
Die Kreisjägerschaft Paderborn reagierte laut „Neue Westfälische“ betroffen. Man verwies dort auf das Ergebnis der Ermittlungen, das abgewartet werden müsse, bevor man den Fall beurteilen könne. Ein Sprecher betonte, dass bei der Ausbildung zum Jagdschein die sichere Handhabung der Waffe im Vordergrund stehe.
In Paderborn umfassten die Lehrgänge rund 200 Stunden oder acht Monate, heißt es. Allerdings könnten Hobbyjäger ihren Jagdschein natürlich auch an anderen Orten oder in anderen Bundesländern als NRW erworben haben.

