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Herzog von Sussex leidet an VerfolgungswahnPrinz Harry verklagt den „Mirror“

4 min
Der britische Prinz Harry, Herzog von Sussex, sieht zu, wie sein Vater der britische König Charles III. nach seiner Krönung die Westminster Abbey im Zentrum Londons verlässt.

Entfremdet: Bei der Krönung seines Vaters war Prinz Harry nur royaler Zaungast. 

Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen den Verlag Mirror Group Newspapers. Im Juni will Harry selbst vor Gericht als Zeuge aussagen.

Selten sind sich die zwei Seiten von königlichem Glanz und royalem Morast so nahe wie dieser Tage. Nur wenige Tage nach der pompösen Krönung von Vater König Charles III. zieht Prinz Harry gegen die britische Boulevardpresse vor Gericht. Es geht um abgehörte Telefonate und illegal erhaltene Informationen, dank denen die Zeitung „Daily Mirror“ Dutzende Artikel über Harry gefüllt haben soll. Der 38-Jährige klagt, die Berichte hätten seine Beziehungen zerstört, er leide an Verfolgungswahn. Heute beginnt der Prozess gegen den Verlag Mirror Group Newspapers (MGN).

Zum Auftakt dürfte der Prinz nicht dabei sein, nachdem er erst kürzlich nach einem Krönungs-Blitzbesuch zu seiner Familie in die USA zurückkehrte. Doch im Juni will Harry selbst vor Gericht als Zeuge aussagen – als erster ranghoher Royal seit dem 19. Jahrhundert. Beim „Mirror“ soll es nicht bleiben. Harry hat auch Zeitungen aus dem Imperium von Medienmogul Rupert Murdoch verklagt: die „Sun“ sowie „News of the World“, die bereits vor Jahren wegen eines Abhörskandals eingestellt wurde. Es sei ein „endloser Kreuzzug“, kommentierte „New Statesman“. Wie wichtig ihm die Verfahren sind, machte Harry deutlich, als er Ende März überraschend bei einer Anhörung zu seiner Klage gegen den Verlag der „Daily Mail“ in London erschien.

Zeitungen sollen illegal an Infos gekommen sein

Im ersten Prozess geht es um gut 140 Artikel in „Daily Mirror“, „Sunday Mirror“ und „Sunday People“ aus der Zeit von 1996 bis 2010, bei denen die Zeitungen illegal an Infos gekommen sein sollen. Oft im Fokus: Ex-„Mirror“-Herausgeber und Harry-Intimfeind Piers Morgan, umstrittener Kolumnist, der häufig gegen den Prinzen und dessen Ehefrau Herzogin Meghan stichelt.

Dass der „Mirror“ einst Telefone von Prominenten abgehört hat, ist bekannt. Dutzende Millionen Pfund Schadenersatz musste der Verlag bereits bezahlen. Doch der Prinz, so argumentiert AGM, habe eine Frist verpasst, mehrere Fälle seien verjährt. Zudem seien viele Artikel legal zustande gekommen: Bekannte des Prinzen hätten die Stories zu Geld gemacht oder Höflinge getratscht. Als der „Mirror“ einen Bericht, der damals 17-Jährige sei an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt, mit „Harry ist an der Kusskrankheit erkrankt“ betitelte, sei die wahre Quelle der damalige Pressechef von Vater Charles gewesen – der mit „Mirror“-Chef Morgan befreundet war.

Persönliche Abneigung

Für Harry ist der Feldzug gegen die berüchtigte „Yellow Press“ eine zutiefst persönliche Angelegenheit. In seiner Biografie und in vielen Interviews seit seinem Auszug in die USA hat er keine Gelegenheit ausgelassen, dem Boulevard eine erhebliche Mitschuld am kalten und teils unmenschlichen Klima im Palast zu geben. Harry verachtet die „Yellow Press“, daraus macht er keinen Hehl. Er gibt ihr die Schuld am Unfalltod seiner Mutter Diana 1997, die in Paris von Paparazzi verfolgt wurde.

Doch es ist nicht nur die Presse. Harry prangert eine unheilige Allianz zwischen Boulevard und Königshaus an. So warf der Fünfte der Thronfolge etwa seiner Stiefmutter Königin Camilla vor, sie habe Informationen durchgestochen, um sich auf seine Kosten in ein gutes Licht zu stellen. Die Anschuldigungen haben Harrys Verhältnis zu Vater Charles sowie Bruder Prinz William erheblich verschlechtert.

„Falls Harry gegen Mirror Group Newspapers gewinnt, könnte dies weite Folgen für die britische Medienbranche haben“, betonte die Zeitung „Guardian“ jüngst. Denn MGN gehört zum Herausgeber Reach, der wiederum viele andere Boulevardtitel betreibt. „Journalisten dieser Ausgaben werden das Gerichtsverfahren nervös verfolgen, da jede hohe Zahlung an Harry die ohnehin wackeligen Finanzen des Unternehmens treffen würde, was bereits zu Entlassungen geführt hat.“

Als sicher gilt, dass sich die Presse, aber auch der Palast mit dem Prozess auf neue Details gefasst machen müssen. (dpa)


Londoner Polizei bereut Festnahmen

Nach heftiger Kritik an den Festnahmen mehrerer Monarchie-Gegner am Krönungstag von König Charles III. hat die Londoner Polizei sich selbstkritisch gezeigt. Man bereue, dass sechs Personen dadurch nicht an Demonstrationen hätten teilnehmen können, teilte die Metropolitan Police mit. Die Betroffenen müssten keine weiteren Konsequenzen mehr fürchten. Beim Chef der Anti-Monarchie-Organisation Republic, Graham Smith, der 16 Stunden in Polizeigewahrsam verbringen musste, entschuldigten sich demnach mehrere Vertreter von Scotland Yard persönlich.

Während der Zeremonie am Samstag waren Dutzende Monarchiegegner und Klimaschützer festgenommen worden, bevor sie überhaupt mit ihrem Protest begonnen hatten. Insgesamt nahm die Polizei 64 Menschen fest – in 52 Fällen wegen des Verdachts, die öffentliche Ordnung und damit die Feiern zu stören. In vier Fällen wurde bislang Anklage erhoben. Möglich wurden diese vorsorglichen Festnahmen durch ein neues Gesetz, das erst Tage vor der Krönung in Kraft trat. (dpa)