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Prozess um Mord an FünfjährigerAngeklagte schieben sich Schuld an Carries Tod zu

3 min
Carries Mutter

Der angeklagten Mutter Tatjana D. werden im Landgericht von einer Justizbeamtin die Handschellen abgenommen.

Kaiserslautern – Im Prozess um den Tod der fünfjährigen Carrie aus Kaiserslautern haben die Angeklagten sich gegenseitig die Schuld dafür gegeben, dass für das schwer verletzte Kind keine ärztliche Hilfe gerufen wurde. Vor dem Landgericht wurde am Dienstag außerdem bekannt, dass sich Carries Mutter – eine von drei Angeklagten – vier Tage vor dem Tod der Fünfjährigen beim Jugendamt meldete und erklärte, sie mache sich Sorgen um ihre Kinder. Carrie habe Blutergüsse, die vermutlich von einem Mitangeklagten stammten. Der 31-Jährige gab Schläge mit der flachen Hand auf Mund und Gesäß des Kindes zu, bestritt aber, es getreten oder mit der Faust geschlagen zu haben.

Keiner holte Hilfe

Die Mutter und ein ihr bekanntes Paar – der 31-Jährige und eine 25-jährige Frau – sind wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft war die Fünfjährige im Juni in der Wohnung des Paares gestürzt und hatte sich dabei verletzt. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft riefen die drei Angeklagten keinen Krankenwagen, weil sie Angst hatten, dass dann Spuren von Misshandlungen bei dem Kind entdeckt würden. Carrie starb schließlich an den Folgen einer Hirnblutung.

Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass das Kind überlebt hätte, wenn es direkt nach dem Sturz Hilfe bekommen hätte. Sie geht auch davon aus, dass das Kind misshandelt wurde und vor Hunger Katzenkot aß.

Die Mutter, die nach Angaben ihrer Anwältin aus schwierigen Verhältnissen stammt und an einer Depression erkrankt war, hatte zur Tatzeit zusammen mit drei ihrer sechs Kinder bei dem Paar gelebt. Vor Gericht sagte die 36-Jährige, nachdem sich ihre Tochter nicht mehr gerührt habe, habe sie per Handy einen Notruf absetzen wollen, aber der 31-Jährige habe sie mit Blicken so eingeschüchtert, dass sie sich nicht mehr getraut habe. Die ehemalige Partnerin des Mitangeklagten sagte dagegen, der Mann habe gefragt, ob man nicht einen Krankenwagen rufen solle. Die Mutter habe das aber mit dem Argument verneint, dass sie noch einen Puls bei dem Mädchen fühle.

Angst, dass die Kinder wegkommen

Der 31-Jährige gab zu, dass er nach dem Sturz das Bedürfnis verspürt habe, ärztliche Hilfe zu rufen. Dass er es nicht tat, erklärte er damit, dass die 25-Jährige ihm gesagt habe, seine Tochter brauche ihn als Vater. „Es war die Angst, dass die Kinder wegkommen, wenn der Arzt sieht, in welchem Zustand Carrie ist“, sagte der Mann, der seinen Lebensunterhalt nach eigenen Angaben zeitweilig als Drogenhändler verdiente.

Der Vater von zwei der drei Kinder beschuldigte den Mann, ihn und Carrie geschlagen zu haben. „Er hat immer wieder auf sie eingedroschen“, sagte der 57-jährige Zeuge. Er selbst gab zu, seinen Kindern auch mal „einen Klaps“ gegeben zu haben. Auch die Frauen hätten Kinder geschlagen.„Man kann zusammenfassen: Da wohnen vier Erwachsene in einer Wohnung, und jeder schlägt im Grunde die Kinder, nur die Art und Weise wie er es tut, ist eine andere“, sagte Oberstaatsanwalt Christian Schröder. Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes sagte aus, sie habe nach der Meldung der Mutter noch am selben Tag nach Carrie sehen wollen, aber der 31-Jährige habe gesagt, sie sei nicht da.

Der nächste Termin wurde für den 20. Juni anberaumt, dann aber um einen Tag verschoben. Am 20. Juni war das Mädchen gestorben. Die Mutter und der 31-Jährige vergruben die Leiche im Wald. (dpa)