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170 Millimeter Regen„Schlammhölle“ – Italienischer Küstenort von heftigen Überflutungen getroffen

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In Süditalien ist es zu sintflutartigen Regenfällen gekommen (Symbolbild).

In Süditalien ist es zu sintflutartigen Regenfällen gekommen (Symbolbild).

Tornados und Starkregenfälle verwüsten Orte in Süditalien. Nach Sizilien traf es das Festland.

Der Süden Italiens wird seit Tagen von heftigen Unwettern heimgesucht. Es wurden mehrere Menschen verletzt, die Schäden sind immens. Es traf die Insel Sizilien ebenso wie das Festland. Fachleute gehen davon aus, dass der Klimawandel zu häufigeren und heftigeren Extremwetter-Ereignissen im Mittelmeerraum führt.

Am Freitag verwüsteten zwei kräftige Tornados beziehungsweise Wasserhosen die Gegend um Marsala im Westen Siziliens. Gebäude und Fahrzeuge wurden beschädigt, darunter eine Schule. Mindestens elf Menschen mussten nach Verletzungen durch Glassplitter und herumfliegende Trümmer ins Krankenhaus; insgesamt wurden Dutzende Verletzte gemeldet. In der Schule befanden sich 273 Kinder, die evakuiert wurden; sechs erlitten leichte Verletzungen. Auf der Urlaubsinsel Ischia im Golf von Neapel führten Überschwemmungen und kleinere Erdrutsche zu Feuerwehreinsätzen.

Italien: Melito di Porto Salvo wird von Schlammmassen verwüstet

In der Nacht zu Samstag (10. Oktober) war dann vor allem die Gemeinde Melito di Porto Salvo in Reggio Calabria betroffen. Innerhalb weniger Stunden fielen rund 170 Millimeter Regen. Es kam es zu schweren Überschwemmungen, die Gemeinde rief den Notstand aus. Schlammmassen ergossen sich über den Küstenort, Autos wurden ins Meer gespült, Häuser zerstört. Straßen sind nicht mehr passierbar, die Notaufnahme des Krankenhauses wurde überflutet, wie italienische Medien berichten. Der Zivilschutz versucht, die Infrastruktur wieder notdürftig aufzubauen, Freiwillige schaufeln Tonnen von Schlamm beiseite.

Aufgrund eines Erdrutsches musste die Strada Statale 106 Jonica in beiden Richtungen für den Verkehr gesperrt werden. Die fast 500 Kilometer lange Hauptverkehrsachse verbindet Reggio Calabria im Süden mit Tarent im Norden. Sie führt entlang der ionischen Küste durch die Regionen Kalabrien, Basilikata und Apulien.

Am Morgen hatten die Verantwortlichen dringende Warnungen ausgegeben: Bewohnerinnen und Bewohner von Melito di Porto Salvo sollten ihre Häuser nicht verlassen, weder mit dem Auto noch zu Fuß. Gebiete, die von Überflutungen oder Erdrutschen bedroht sind, sollten gemieden werden. Kellerräume und Untergeschosse durften nicht betreten werden.

Zunächst war unklar, ob auch Menschen bei der Katastrophe zu Schaden kamen. Die Gemeinde appellierte an alle Bewohnerinnen und Bewohner, zusammenzuhalten. „Niemand wird zurückgelassen“, hieß es in den sozialen Medien. Medien sprechen von einer „Schlammhölle“ im Ort. Das Unwetter traf auch die angrenzenden Gebiete an der ionischen Küste Kalabriens, darunter die Regionen San Lorenzo und Bagaladi.

Mittelmeer in diesem Jahr mit Rekordtemperaturen

Ursache für das Unwetter ist ein Tiefdruckgebiet nahe Sardinien. Es führt feuchte, instabile Südwestströmungen vom Sizilienkanal in Richtung Apulien und über weite Teile Süditaliens. Dadurch entstehen kräftige Gewitterzellen, die in kurzer Zeit sehr viel Regen, Hagel und starke Böen bringen können. Das noch warme Mittelmeer liefert den Gewittern zusätzliche Feuchtigkeit und Energie. Das Mittelmeer wies in diesem Jahr Rekordtemperaturen auf, die vielerorts bis zu 6 Grad über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Fachleute sehen darin einen Verstärker solcher Extremereignisse.

Erst wenige Tage vor den Unwettern in Italien hatte es Spanien getroffen: In Katalonien waren mehrere Menschen gestorben, als Starkregen zu Überschwemmungen führte. (mit dpa)