Washington – Fast 400 Sicherheitsbeamte waren beim Schulmassaker im texanischen Uvalde am 22. Mai vor Ort – und verhinderten nicht, dass der Täter über einen Zeitraum von 73 Minuten 19 Kinder und zwei Lehrer tötete. Ein nun veröffentlichter Untersuchungsbericht von Bundesstaats-Parlamentariern attestiert den Cops „systemisches Versagen“, prangert „ungeheuerliche Fehlentscheidungen“ an und spricht von chaotischen Szenen in und vor der Grundschule. So entschied sich erst nach über einer Stunde ein Kommando von Grenzschutz-Elitepolizisten, entgegen den Befehlen vor Ort doch die Schule zu stürmen und den 18-jährigen Massenmörder zu töten.
Unverhohlener Vorwurf der Feigheit
Der 77 Seiten umfassende Bericht gibt aber nicht nur den Polizisten die Schuld am blutigen Ausgang des Dramas. Er zeichnet auch das Bild einer Familie des Täters und von Freunden, die klare Warnzeichen ignorierten. Und kritisiert wird auch der Schuldistrikt, dessen Lehrer und Angestellte immer wieder Sicherheitsvorschriften verletzten und Türen unverschlossen ließen.

Holzkreuze im Gedenken an die 21 Opfer
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Die Polizei missachtete schließlich das seit Langem geltende Training, das die Beamten für den Fall eines „aktiven Schützen“ erhalten hatten. Einer der Kernsätze dazu lautet: „Sie versagten dabei, dem Leben von unschuldigen Opfern Priorität über der eigenen Sicherheit zu geben“. Sprich: Zunächst in die Schule eingedrungene Polizisten zogen sich zurück, nachdem Schüsse auch in ihre Richtung abgefeuert worden waren.
Neuer Amoklauf
Bei einer erneuten Attacke mit einer Schusswaffe in den USA hat ein Mann in einem Einkaufszentrum im Bundesstaat Indiana drei Menschen getötet. Bei dem Angriff am Sonntagabend (Ortszeit) seien zudem zwei Menschen verletzt worden, erklärte der Bürgermeister der Stadt Greenwood, Mark Myers.
Der Angreifer eröffnete gegen 18 Uhr im Gastronomiebereich das Feuer und wurde von einem Besucher erschossen. Nach Polizeiangaben war er mit einem Gewehr bewaffnet und trug mehrere Magazine mit Munition bei sich. Polizeichef Jim Ison nannte den 22-jährigen Passanten, der den Angreifer getötet und rechtmäßig eine Waffe getragen habe, einen „guten Samariter“. (afp)
Dann warteten sie über eine Stunde lang auf Verstärkung, obwohl bereits Hunderte von Beamten vor Ort waren und auch über kugelsichere Westen und Schutzschilde verfügten. Im Prinzip unterstellt der Bericht den Einsatzkräften Feigheit. Ausgenommen davon ist lediglich ein Beamter, der mit einer der getöteten Lehrerinnen verheiratet war und auf eigene Faust gegen den Amokschützen vorgehen wollte. Doch andere Beamte hielten ihn unter Anwendung von körperlicher Gewalt zurück, wie ein Überwachungsvideo zeigt.
Ursächlich für das Versagen der Polizei war auch das Fehlen eines fähigen Kommandeurs vor Ort, der die Initiative hätte übernehmen können. Mehrere Polizisten hätten die Szenen am Tatort als chaotisch beschrieben und nicht gewusst, wer überhaupt das Kommando habe. Pete Arredondo, der Chef der Schulpolizei von Uvalde, war für das Vorgehen verantwortlich, aber hielt sich offenbar zurück. Er hatte zudem sein Funkgerät vergessen und versäumte, sich über die eingehenden Notrufe aus der Schule zu informieren, in denen Kinder klarmachten: Hilfe wird schnellstens gebraucht, um Verletzte zu retten.
„Sie wussten es oder hätten es wissen müssen“
„An diesem Tag wussten mehrere Beamte auf dem Flur oder in dem Gebäude, dass in dem Klassenzimmer jemand im Sterben lag, oder hätten es wissen müssen“, sagte der republikanische Abgeordnete Dustin Burrows. „Sie hätten dringender handeln müssen, die Türgriffe ausprobieren, versuchen, durch die Fenster einzusteigen, versuchen, ihn abzulenken, versuchen, etwas zu tun, um auf die Situation zu reagieren.“
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Die Juristin Eva Guzman, die den Fall ebenfalls untersucht hatte, fügte hinzu: „Der Bericht besagt meiner Meinung nach, dass man sich einen anderen Job suchen sollte, wenn man nicht bereit ist, das Leben der Menschen, denen man dient, dieser Kinder, über das eigene zu stellen.“ Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass durchaus Leben hätten gerettet werden können, wenn die Einsatzkräfte früher eingegriffen hätten. (mit dpa)



