Abo

Bunte Parade, tiefe GräbenZehntausende bei Pride-Parade und großer Gegendemo in Seoul

3 min
Pride Parade in Seoul

Beim Seoul Queer Culture Festival feiern mehr als 10.000 Teilnehmer gesellschaftliche Vielfalt.

In Seoul feierten Tausende die Pride-Parade, während christliche Gruppen in der Nähe für ein „gesundes Korea“ demonstrierten.

An einem Samstagnachmittag versammelten sich über 10.000 Personen im Zentrum von Seoul und tauchten die Gegend, wo unter der Woche Büroangestellte arbeiten, in ein vielfältiges Farbspektakel. Im Rahmen des Seoul Queer Culture Festivals setzten sie sich mit Regenbogenfahnen und Transparenten für die Anliegen der LGBTQ-Gemeinschaft ein.

In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul wird die lokale Version der Pride-Paraden bereits seit dem Jahr 2000 abgehalten. Die Teilnehmerzahl ist von nur wenigen Dutzend bei der ersten Veranstaltung auf Tausende angewachsen.

Ein Student über seine Erfahrungen mit Homophobie

Bei Temperaturen von 30 Grad unter der strahlenden Junisonne war die Atmosphäre merklich unbeschwert: Eine Künstlergruppe in Drag-Outfits tanzte auf einer Bühne, während an vielen Ständen zivilgesellschaftliche Gruppen ihre Tätigkeiten präsentierten. Zudem wurden kostenfreie HIV-Tests angeboten und Fanartikel verkauft.

Seoul Queer Culture Festival

Tausende feiern am Samstag beim Queer Culture Festival in der koreanischen Hauptstadt.

„Ich bin heute gekommen, weil ich schwul bin und zum ersten Mal eine Pride-Veranstaltung erleben wollte“, äußert ein 19 Jahre alter Koreaner, der sich mit dem englischen Spitznamen David vorstellt. „Südkorea ist nach wie vor sehr konservativ“, ergänzt der Universitätsstudent.

In seiner Schulzeit, so berichtet er, seien seine Mitschüler ihm gegenüber offen feindselig aufgetreten. Erst an der Universität habe er ein akzeptierendes Umfeld vorgefunden.

Obwohl Südkorea in der Popkultur als führend angesehen wird, ist die Gesellschaft im Hinblick auf Schwule, Lesben und Transgender-Personen im Diskurs sehr konservativ und unterscheidet sich stark von den meisten Staaten der EU.

Christliche Organisationen halten Gegenkundgebung ab

Die Spaltung der südkoreanischen Gesellschaft bezüglich sexueller Minderheiten wurde an diesem Samstag ebenfalls deutlich. In nur einigen hundert Metern Entfernung zur Pride-Parade wurde – wie alljährlich – eine von christlichen Organisationen veranstaltete Gegenkundgebung abgehalten.

Mehr als 10.000 Teilnehmende kamen vor dem Rathaus zusammen. Dort warben sie mit Kirchenliedern für ein „gesundes Korea“. Aus der Sicht der Gegendemonstrierenden stellt Homosexualität eine Sünde dar.

Seoul Queer Culture Festival - Gegendemo

Dem Aufruf zu einer von christlich-konservativen Gruppen organisierten Gegendemo sind ebenfalls Tausende gefolgt.

Gemäß einer OECD-Erhebung aus dem Jahr 2020 rangiert Südkorea zusammen mit Japan und der Türkei am unteren Ende der Skala, was die juristische Gleichstellung von LGBTQ-Individuen betrifft. Seitdem scheint sich die Lage kaum verbessert zu haben.

Blockade eines Antidiskriminierungsgesetzes dauert an

Gleichgeschlechtlich liebende Menschen und Transpersonen in Korea setzen sich weiterhin für ein weitreichendes Antidiskriminierungsgesetz ein, das sexuellen Minderheiten juristischen Schutz gewähren würde. Ein solcher Gesetzesvorschlag wird seit etwa 20 Jahren im südkoreanischen Parlament blockiert.

Bisher hat kein Staatsoberhaupt dieses Projekt in Angriff genommen – sei es aus persönlicher Überzeugung oder aus der Befürchtung, Stimmen von konservativ-christlichen Wählern einzubüßen.

Ahn Chang Ho, der die nationale Menschenrechtskommission Südkoreas leitet, spricht sich ebenfalls gegen ein solches Gesetz aus. Er begründet dies mit der Sorge, dass es die Freiheit der Meinungsäußerung beschneiden könnte.

Der frühere Richter, der im Jahr 2024 durch den konservativen ehemaligen Präsidenten Yoon Suk Yeol ernannt wurde, fiel in der Vergangenheit mehrfach durch homophobe Äußerungen auf. Beispielsweise nannte er Homosexualität ein „zentrales Instrument für eine kommunistische Revolution“.

Deutsche Botschaft bekundet Solidarität

Südkoreas LGBTQ-Gemeinschaft bekommt hingegen Zuspruch von 20 hauptsächlich europäischen Botschaften. Diese haben am Freitag eine gemeinsame Erklärung der Solidarität publiziert.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass ein starkes Engagement gegen Diskriminierung die nationale Stärke festigen und zugleich den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die wirtschaftliche Entwicklung voranbringen wird“, lautet es in dem Statement, das auch die deutsche Botschaft mitgezeichnet hat.

Bemerkenswert ist, dass die US-Botschaft diese Erklärung nicht mittrug. Anders als in den Vorjahren nahm die diplomatische Mission der Vereinigten Staaten diesmal nicht an dem Event teil. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.