Nach der Flut im Himalaja steigt die Zahl der Todesopfer weiter. Wo einst ein großer Grenzposten stand, gibt es nun „keine Strukturen“ mehr.
Seuchengefahr nach Flut-Katastrophe„Alle Siedlungen wurden weggeschwemmt – es ist nichts mehr übrig“

Ein Luftbild zeigt Häuser in einer Stadt am Trishuli-Fluss, die durch die Sturzfluten zerstört wurden.
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Drei Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaja ist die Zahl der Todesopfer in Nepal auf mindestens 626 gestiegen. Rund 2500 Menschen würden vermisst, teilte die nepalesische Katastrophenschutzbehörde am Samstag mit. Aus der chinesischen Region Tibet wurden bislang sieben Todesopfer gemeldet, 554 Menschen wurden laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua vermisst.
Im Katastrophengebiet wurde die Suche nach Verschütteten am Samstag fortgesetzt. Die Einsatzkräfte in Nepal und in der autonomen Region Tibet suchten weiter nach den insgesamt fast 3000 Vermissten, darunter befinden sich laut der nepalesischen Tourismusbehörde mindestens acht Deutsche. Die Rettungseinsätze werden durch den schlammigen Untergrund und das Risiko weiterer Überflutungen erschwert.
Nepal und Tibet: Verheerende Zerstörung im Katastrophengebiet
Viele der Überlebenden haben Angehörige und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. „Alle Siedlungen in der Nähe des Flusses wurden weggeschwemmt“, schilderte etwa Buddhi Ram Dangol der Nachrichtenagentur AFP. „Es ist nichts mehr übrig.“
Am Mittwoch war eine gewaltige Welle aus Wasser, Schlamm und Geröll durch das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet geströmt und hatte ganze Ortschaften mitgerissen. Nach Angaben des geologischen Dienstes der USA wurde die Katastrophe durch den Abbruch eines Gletschers ausgelöst.
Keine Überlebenden: Grenzübergang „dem Erdboden gleichgemacht“
Verheerend scheint die Lage am Grenzübergang zwischen China und Nepal, der von der Flutwelle getroffen worden war. Wo einst mehrere große Gebäude standen, ist nun kaum noch ein Anzeichen vorheriger Bebauung erkennbar.
Auf Videos aus dem Bereich des Grenzübergangs war die enorme Wucht der Sturzflut sichtbar geworden. Es gebe keine Anzeichen für Überlebende, teilten nun chinesische Rettungskräfte gegenüber staatlichen Medien mit.
„Die Gebäude innerhalb der Einschlagszone des Erdrutsches wurden größtenteils dem Erdboden gleichgemacht, sodass keine Umrisse von irgendwelchen Strukturen mehr erkennbar sind“, erklärte Liu Maolin, Einsatzleiter eines Rettungsteams, dem staatlichen Sender CCTV. „Der Boden ist von dicken Schichten aus Schlamm und Geröll bedeckt.“

Luftaufnahmen zeigen, dass der Grenzposten zwischen China und Nepal dem Erdboden gleichgemacht wurde.
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Bislang seien rund um den Grenzübergang keine Überlebenden gefunden worden, berichtete Maolin weiter. „Aber das Team wird niemals aufgeben, solange es auch nur die geringste Hoffnung gibt“, zitierten die chinesischen Medien den Einsatzleiter.
„Ein ganzes Dorf scheint weggespült worden zu sein“
Auch in Nepal wird nach der Sturzflut enorme Zerstörung sichtbar. „Ein ganzes Dorf scheint weggespült worden zu sein, ganze Familien wurden weggespült“, sagte etwa Balwinder Singh Chawla, Teamleiter der Weltgesundheitsorganisation in Nepal, gegenüber Medien. „Die Gesundheitseinrichtungen wurden zerstört, die Menschen benötigen dringend Unterstützung.“
Nach der verheerenden Flutkatastrophe erschwert der Zustand der geborgenen Leichen zunehmend die Identifizierung der Opfer. Von 233 im Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien geborgenen Toten konnten bislang lediglich vier identifiziert werden, wie die dortige Bezirksverwaltung mitteilte. Viele der Opfer waren durch die Wucht der Flut viele Kilometer mitgerissen worden.
Verwesende Leichen werden zur Gesundheitsgefahr
Die Leichen und menschlichen Überreste verwesten zunehmend, sagte der zuständige Bezirksbeamte Ganesh Aryal. Gesundheitsexperten warnten deshalb vor einem möglichen Risiko für die öffentliche Gesundheit.
Die Behörden ordneten nun an, vor der Bestattung jeweils DNA-Proben von den Toten und gefundenen Überresten zu nehmen und nicht identifizierte Opfer dann an einem Ort im nepalesischen Devghat beizusetzen. Die Entscheidung sei bei einem Treffen der zuständigen Behörden gefallen, teilte die Bezirksverwaltung mit.
Unabhängig von den von Leichenteilen stammenden Erregern steigt in den Überflutungsgebieten das Risiko etwa für Durchfallerkrankungen. Überschwemmungen können Abwässer und Fäkalien in Trinkwasserquellen spülen, Latrinen können beschädigt, Kläranlagen überflutet sein. In Notunterkünften kann es an Hygiene mangeln. Eine häufig bei solchen Naturkatastrophen verstärkt auftretende Krankheit ist die Cholera, verursacht vom Bakterium Vibrio cholerae. (mit afp/dpa)
