Die Rapperin reagiert mit klaren Worten auf die jüngsten Aussagen von Herbert Grönemeyer zum Streaming-System.
„System für Doofe“Shirin David schließt sich Grönemeyers Kritik am Streaming-System an

Rapperin Shirin David während eines Talks beim Digital-Festival OMR auf der Bühne. (Archivbild)
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Die deutsche Musiklandschaft erlebt derzeit eine ungewöhnliche Allianz zwischen etabliertem Rock-Chanson und modernem Deutschrap. Ausgelöst durch den „Popmusikgipfel“ im Bundeskanzleramt am Donnerstag (18. Dezember 2025), hat sich eine Debatte entzündet, die fundamentale Fragen der digitalen Ökonomie berührt. Im Zentrum stehen Herbert Grönemeyer, der das aktuelle Streaming-Modell scharf kritisierte, und die Künstlerin Shirin David, die diese Kritik via Instagram aufgriff.
Spotify & Co.: Shirin David reagiert auf Herbert Grönemeyers Kritik am Streaming-Modell
Grönemeyer markierte das System als „System für Doofe“. Er kritisierte die marginale Vergütung: Wenn jemand ein Album von ihm auf Spotify höre, erhalte er dafür „gerade einmal zwei Cent“. Die restlichen Einnahmen fließen in einen Pool für jene, die die meisten Klicks erzielen. Zudem warnte er vor strukturellen Schwächen: „Diese Klicks lassen sich im Darknet kaufen“, was „enorme Geldwäsche im System“ ermögliche.
Shirin David reagierte am Freitag in einer Instagram-Story und unterstrich die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung. Während sie ihre eigene wirtschaftliche Situation als gesichert darstellte – „Mir selbst geht es zum Glück nicht schlecht - ich habe anderweitige Einkommensquellen“ –, lenkte sie den Fokus auf die Basis der Branche.
Shirin David spricht über die wachsende Unsicherheit in der Musikbranche
Laut David seien insbesondere „Newcomer:innen oder Künstler:innen und Produzent:innen absolut abhängig von jedem einzelnen Stream“. Damit adressiert sie das wachsende Prekariat innerhalb einer Branche, deren Verteilungsschlüssel eine zunehmende Schere zwischen Top-Verdienern und der breiten Masse erzeugt.
Künstlerinnen und Künstler kritisieren seit Jahren die geringe Vergütung von etwa 0,3 bis 0,5 Cent pro Stream sowie das ungerechte Pro-Rata-Modell. Dabei fließen Abogebühren in einen globalen Topf, der vor allem Superstars begünstigt, statt direkt die gehörten Musiker zu bezahlen.
Kritik an der Streaming-Vergütung hält an
Zusätzlicher Unmut entstand durch neue Hürden, wie die 1.000-Stream-Schwelle, ab der Spotify überhaupt erst Tantiemen an Künstler ausschüttet. Nischengenres und Newcomer bleiben so oft ohne nennenswerte Einnahmen, während die Marktmacht der großen Labels und Plattformen wächst.
Kulturverbände wie der VUT (Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen) und PRO MUSIK fordern daher ein nutzerzentriertes Modell für mehr Fairness und den Erhalt der musikalischen Vielfalt abseits des Mainstreams.
Auch die Bundespolitik hat die Relevanz des Themas inzwischen anerkannt: Beim Popmusikgipfel im Kanzleramt im Dezember 2025 bezeichnete Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die aktuelle Situation als eklatante Gerechtigkeitslücke und stellte gesetzliche Reformen in Aussicht, um die schöpferische Arbeit im digitalen Raum wieder angemessen zu entlohnen. (jag)

