Bangkok – Ein buddhistischer Mönch in Thailand findet nichts dabei, während einer Tempelzeremonie vor Tausenden von Gläubigen ein Luk Thep - ein sogenanntes Engelskind - zu segnen. Restaurants in Bangkok bieten spezielle Stühle für die lebensechten Puppen an. Und Kreangsak Kalayawattanajaroen, der gefürchtete Vize-Chef der Abteilung Wirtschaftskriminalität in Bangkok, verhaftete gar 15 Puppen wegen illegaler Einreise.
Drei Händler, die lebensecht wirkende Engelskinder zu Preisen zwischen 45 Euro für lokale und 800 Euro für aus den USA importierte Engelskinder verkauften, sollen die Puppen unversteuert importiert haben. Dabei hatten die Geschäftsleute auf eine sehr thailändische Mode gesetzt. Seit ein bekannter Discjockey und mehrere lokale Filmsternchen im celebrityversessenen Thailand in der Öffentlichkeit regelmäßig mit den lebensechten Puppen erscheinen, tauchen zunehmend auch Landsleute im Alltag mit den Luk Thep auf. Sie tragen sie wie Babys. Sie kleiden sie in echte Windeln oder modische Klamotten.
Spezielle Buffets für Puppen
Manche Restaurants bieten spezielle Buffets für die Luk Thep an. Thai Smiles, der nahezu bankrotte Billigableger der staatlichen Fluglinie Thai Airlines, landete gar mit einem internen Memorandum einen PR-Coup, laut dem Besitzer Tickets für ihre Puppen kaufen könnten. Die Polizei in Chang Mai wiederum warnte prompt vor der Gefahr, die Engelskinder aus Plastik könnten zum Drogenschmuggel genutzt werden. Die Drogenfahnder präsentierten sogar eine Plastikblondine voll verbotenem Stoff, die auf einem Parkplatz entdeckt wurde. Ein Reporter steckte der festgenommenen Drogen-Luk-Thep prompt ein Mikrofon ins Gesicht - in der vergeblichen Hoffnung, der Übeltäterin ein Geständnis zu entlocken.
"Sie sind süß und leben wirklich", behauptet in dem Ort Nonthaburi nahe der Hauptstadt Bangkok Mama Ning, die mit richtigem Namen Mananya Boonme heißt und in der aberglaubenbehafteten Welt der Luk Thep eine Art Pionierin ist. Sie brachte es zu Wohlstand, seit sie vor drei Jahren von der Handtaschenfertigung auf die Produktion von Engelskindern umsattelte. "Ich gebe ihnen eine Seele", sagt Mama Ning, die sich über die innere Zusammensetzung der Puppen weitgehend ausschweigt. "Die Besitzer können sie großziehen wie ihre eigenen Kinder und sie wie normale Kinder mit vor die Tür nehmen."
Häme für die Provinzler
Thailands Macherin der Plastikengel ist gläubige Buddhistin, sieht sich aber auch als Verkörperung der indischen Fruchtbarkeitsgöttin Parvati. "Ich habe die Göttin in meinem Herzen", sagt Mama Ning. Weder ihre Kunden noch viele andere Thailänder finden die Aussagen der geschäftstüchtigen Frau absonderlich. Schließlich gestand auch General Prayuth Chan-ocha, seit 2014 Diktator des Königreichs, in aller Öffentlichkeit seinen Glauben an Schwarze Magie.
In der Welt magischer Puppen müsste der General deshalb eher auf die Khuman Thong (Geisterkinder) setzen, die aus Knochen und Leichenteilen verstorbener Babys zusammengesetzt werden. "Sie stehen für alte Mythen und sind auf dem Land verbreitet", erklärte die englischsprachige Tageszeitung "Bangkok Post" ihren Lesern die politischen Verhältnisse hinter Thailands Puppenmanie, "während die modernen Luk Thep auf weißer Magie beruhen und die städtische Mittelklasse ansprechen".
Die Bewohner der Weltstadt Bangkok gucken offenbar selbst beim abergläubischen Puppenkult voller Häme auf ihre Landsleute aus den Provinzen.
