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Studie zu kriminelle KarrierenVorbeugung kann Jugendliche stoppen

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Symbolbild

Düsseldorf – Oft sind sie erst acht Jahre alt, wenn sie auf die schiefe Bahn geraten: „Klau-Kids“ oder „jugendliche Intensivtäter“. Ist eine kriminelle Abwärtsspirale vorprogrammiert oder können sie noch die Kurve kriegen? NRW behauptet: Ja, können sie.

„Kurve kriegen“ - das nordrhein-westfälische Vorbeugungsprojekt gegen Kinder- und Jugendkriminalität - ist einer Studie zufolge erfolgreich. Nach Ende ihrer Teilnahme wurden 40 Prozent von 138 Absolventen mindestens ein halbes Jahr lang nicht mehr straffällig. Diese Ergebnisse hat die Beratungsgesellschaft Prognos für das NRW-Innenministerium ermittelt. Nun werde die Zahl der Anlaufstellen in den Polizeipräsidien des Landes um 11 auf 19 ausgeweitet, kündigte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Dienstag in Düsseldorf an.

Rund 1,7 Millionen Euro an Folgekosten

Jeder Euro, der in das Programm investiert wird, erspart der Gesellschaft laut Prognos-Berechnungen zwischen 3 und 10 Euro an sozialen Folgekosten. Die Bilanz eines jugendlichen Intensivtäters liege bis zu seinem 25. Lebensjahr bei rund 1,7 Millionen Euro an Folgekosten für Haft, Resozialisierung, Erziehungshilfen, aber auch Heilbehandlungen der Opfer, berichtete Jäger.

Im Verlauf seiner kriminellen Karriere schädige ein Einzelner durchschnittlich über 100 Opfer. „Wir reden hier nicht über Kinder, die schwarzgefahren oder mal beim Klauen erwischt worden sind“, betonte der Minister. „Wir reden über Mädchen und Jungen, die immer wieder prügeln, rauben und erpressen.“ Erstmals auffällig würden sie teilweise schon mit acht Jahren - manchmal auch gezielt instrumentalisiert, um ihre Strafunmündigkeit vor dem 14. Lebensjahr auszunutzen.

500 Kinder und Jugendliche in das Programm „Kurve kriegen“ aufgenommen

Jugendliche Intensivtäter machten zwar nur sechs Prozent ihrer Altersgruppe aus, berichtete Jäger. Gleichzeitig seien sie aber für 40 Prozent aller Straftaten der 14- bis 21-Jährigen verantwortlich. Seit 2011 sind rund 500 Kinder und Jugendliche in das Programm „Kurve kriegen“ aufgenommen worden. In den Anlaufstellen versuchen Polizeibeamte und Pädagogen gemeinsam, Minderjährige mit einschlägigem Kriminalitätsprofil zu identifizieren und meist über mehrere Jahre zu betreuen. „Das reicht vom Sozialkompetenztraining über Lernförderung bis zu intensivtherapeutischen Angeboten“, berichtet der Hagener Pädagoge Uwe Grohmann.

Praktisch gehe es etwa darum, den Jugendlichen beizubringen, mit Misserfolgen umzugehen nicht gleich zuzuschlagen. „Sonst fliegen auch gute Fußballer aus jedem Sportverein raus.“ 90 Prozent der betreuten Intensivtäter sind Jungen, zwei Drittel haben Migrationshintergrund. Das Land hat laut Prognos-Studie bis 2015 rund 11,6 Millionen Euro für das Projekt eingesetzt.

„Ein kleiner Teil ist nicht erreichbar - auch durch Strafe nicht“, räumte Jäger ein. „Um es klar zu sagen: Die müssen am Ende in den Knast, um die Gesellschaft zu schützen.“ Dennoch lohnten sich Präventionsprojekte - auch wenn es keine 100-Prozent-Erfolgsquote geben könne. Immerhin sei die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren in NRW zwischen 2010 und 2015 netto um 12 Prozent gesunken - dabei sei die rückläufige Zahl der Jugendlichen insgesamt bereits herausgerechnet. „Damit belegt NRW einen Spitzenplatz im Bundesvergleich.“ (dpa)

„Kurve kriegen“ demnächst an 19 NRW-Standorten

Mit dem Präventionsprojekt „Kurve kriegen“ für jugendliche Intensivtäter hat die nordrhein-westfälische Landesregierung 2011 Neuland betreten.

Den Anstoß gab der sogenannte Foltermord an einem 20-Jährigen, der 2006 in der JVA Siegburg einsaß, weil er einen Kaugummi-Automaten geknackt hatte, und dort von jungen Zellenkumpanen in den Tod getrieben wurde.

„Kurve kriegen“ startete zunächst in acht Polizeibehörden in Aachen, Hagen, Bielefeld, Dortmund, Duisburg, Köln, Wesel und dem Rhein-Erft-Keis. Hinzu kommen nun 11 weitere Standorte in: Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Mettmann, Mönchengladbach, Münster, Oberhausen, Paderborn und im Ennepe-Ruhr-Kreis.