Abo

Schwere VorwürfeUS-Häftling soll von Bettwanzen aufgefressen worden sein

2 min
Ein Insasse in einem Gefängnis steht an einem Fenster.

Ein Insasse in einem Gefängnis (Symbolbild)

Ein 35-Jähriger stirbt in den USA durch Verwahrlosung in seiner Gefängniszelle. Die Familie des Mannes erhebt schwere Vorwürfe.

Es ist ein Tod, der kaum vorstellbar ist: Ein Mann ist in einem US-Gefängnis laut seiner Familie von Bettwanzen „bei lebendigem Leib aufgefressen worden“. Das berichtet unter anderem der US-Sender ABC News. Der Fall, der sich bereits im September 2022 im Gefängnis von Fulton County in Atlanta im Staat Georgia ereignete, schlägt in den USA hohe Wellen. Bilder des verwahrlosten toten Afroamerikaners Lashawn Thompson und seiner verdreckten Gefängniszelle gingen in den sozialen Netzwerken viral. Nun liegt ein unabhängiger Autopsie-Bericht vor, der das ganze Ausmaß des grausamen Todes offenlegt.

Demnach sei der 35-Jährige Häftling durch schwere Vernachlässigung gestorben, wie der US-Nachrichtensender schreibt. Konkret werden als Ursachen für den Tod Dehydrierung, Unterernährung, schwerer Insektenbefall sowie eine unbehandelte dekompensierte Schizophrenie genannt. In dem Bericht sei letztendlich von Mord die Rede.

Starker Gewichtsverlust und Verwahrlosung

Der kanadische Sender CBC berichtet zudem von einem enormen Gewichtsverlust, der im Autopsie-Bericht aufgeführt wird: Demnach habe der Mann bei seiner Inhaftierung im Juni 2022 180 Pfund, rund 82 Kilogramm, gewogen. Bei seinem Tod drei Monate später seien es nur noch 148 Pfund, rund 67 Kilogramm, gewesen. Eine frühere Autopsie, die von den zuständigen Behörden in Auftrag gegeben wurde, habe zwar ergeben, dass der Verstorbene stark von Bettwanzen befallen war, die Todesursache sei jedoch als „unbestimmt“ angegeben worden.

„Dieser Mann hat einen qualvollen Tod erlitten“, sagte ein Anwalt der Familie. „Es ist unfassbar, dass niemand, der in dieser Einrichtung arbeitete, einen Finger rührte, um Lashawn zu helfen, während er drei Monate lang unter Aufsicht langsam starb. Ihre Untätigkeit, Grausamkeit und Unmenschlichkeit töteten ihn“, , sagte ein Anwalt der Familie Das Personal habe die medizinischen Bedürfnisse des Häftlings schlichtweg ignoriert, so der Anwalt. Und das, obwohl mindestens zwei Gefängnismitarbeiter wenige Tage vor Thompsons Tod eindringlich darauf hinwiesen, dass sein Zustand und der seiner Zelle bedenklich sei und er Hilfe benötige, wie das Nachrichtenmagazin „Insider“ berichtet.

14 weitere Häftlinge sterben in Gefängniszellen

Thompson sei bei Weitem nicht der einzige Häftling gewesen, der 2022 im Gefängnis von Fulton County starb. Laut „Insider“ fanden 14 weitere den Tod in einer der Gefängniszellen. Nach dem Tod des 35-Jährigen habe das Atlanta Police Department laut Medienberichten eine Untersuchung eingeleitet. Ein Polizeisprecher erklärte dem Magazin auf Nachfrage zu den Ursachen, dass „eine Reihe von Faktoren zum Tod von Insassen beigetragen haben“. Konkret nannte er unter anderem die bröckelnde Infrastruktur der baufälligen Einrichtung.

Verhaftet worden war Lashawn Thompson im Übrigen lediglich wegen des Vorwurfs minderschwerer Körperverletzung. (mle)